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Prozessauftakt in Südafrika : Zeugin belastet Oscar Pistorius schwer

Begleitet von einem riesigen Medienrummel beginnt am heutigen Montag in Südafrika der Mordprozess gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius. In den Verhandlungen geht es in erster Linie um die Glaubwürdigkeit des Angeklagten - der zum Auftakt auf unschuldig plädiert.

Angeklagt: Oscar Pistorius am Montag im Gerichtssaal.
Angeklagt: Oscar Pistorius am Montag im Gerichtssaal.Foto: AFP

Südafrika erlebt den spektakulärsten Strafprozess seiner Geschichte: Begleitet von einem ungeheuren Medienrummel hat am Montag der Mordprozess gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius begonnen. Erstmals in der südafrikanischen Geschichte wird ein Mordprozess in großen Teilen live vom Fernsehen übertragen. Etwa 300 Journalisten aus aller Welt wollen berichten. Pistorius hatte in der Nacht zum 14. Februar 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp in seiner Wohnung durch eine verschlossene Badezimmertür erschossen. Der 27-Jährige sagt, er habe einen Einbrecher in der Wohnung vermutet.

Gleich die erste Zeugin der Anklage belastete Pistorius schwer. Sie habe als Pistorius' Nachbarin in der Tatnacht die heftigen Schreie einer Frau gehört und danach Schüsse, sagte Michelle Burger beim Prozessauftakt am Montag in Pretoria. Zwischen den Schüssen habe es eine größere Pause gegeben, sagte die Zeugin. Der beinamputierte Pistorius hatte eine Mordabsicht stets bestritten und gesagt, er habe nachts einen Einbrecher hinter der verschlossenen Tür vermutet, durch die er schoss. Auch will er die tödlichen Schüsse auf Steenkamp in der späten Nacht kurz hintereinander abgegeben haben.

Der Staatsanwalt wirft Pistorius gezielten Mord an der damals 29-Jährigen vor. Beweisen will das die Anklagebehörde vor allem mit Zeugenaussagen und Indizien, die zeigen sollen, dass es zwischen Pistorius und seiner Freundin einen heftigen Streit gegeben hatte. Der Athlet sagte, er habe den Vorabend zum Valentinstag mit Reeva Steenkamp harmonisch und liebevoll verbracht.

Zum Prozessbeginn gab Pistorius zu verstehen, er fühle sich „nicht schuldig“ im Sinne der Mordanklage. Auch zum Vorwurf, gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben, erklärte sich Pistorius für „nicht schuldig“. Der Staatsanwalt Gerrie Nel betonte dagegen, Indizien und Zeugen würden klar die Schuld von Pistorius belegen. Der Verteidiger Barry Roux bezeichnete die Schilderungen der Anklage als falsch: „Sie könnten nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein.“

Der Prozess unter dem Vorsitz der Richterin Thokozile Masipa begann nach Angaben des Gerichts wegen der Abwesenheit eines Übersetzers mit 90 Minuten Verspätung. Zudem soll eine Frau versucht haben, dem Gericht neues Entlastungsmaterial über Pistorius zu übergeben.

Im voll besetzten Gerichtssaal saßen zahlreiche Verwandte und Freunde des Angeklagten und des Opfers. Erstmals überhaupt trafen am Montag im Gerichtssaal der Angeklagte und die Mutter des Opfers, Jane Steenkamp, zusammen. Die 67-Jährige saß schwarz gekleidet in der ersten Reihe. Sie hatte in einem Interview betont, sie wolle „Pistorius in die Augen sehen“. Als Pistorius den Gerichtssaal betrat, schaute er meist zu Boden, wirkte ernst und bedrückt.

(dpa)

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