Prüdes Amerika : Empörung über Titelbild mit stillender Frau

04.08.2006 20:16 Uhr

Hunderte Amerikaner haben sich in Leserbriefen über das Titelbild einer US-Elternzeitschrift empört: Das Cover zeigte ein Baby an der Brust seiner Mutter.

Washington - "Ich war schockiert, eine riesige Brust auf dem Titelblatt Ihrer Zeitschrift zu sehen", schrieb eine aufgebrachte Leserin aus dem Bundesstaat Kansas nach Erscheinen der August-Ausgabe an die Redaktion von "Babytalk". "Ich habe mich dadurch beleidigt gefühlt, und mein Mann hat sich sehr unwohl gefühlt, als ich die Zeitschrift auf dem Couchtisch liegenließ." Eine Frau aus dem Bundesstaat Nevada schrieb, sie habe die Zeitschrift "sofort umgedreht", als sie das Titelbild gesehen habe. "Ungeheuerlich! Mir wird schlecht, wenn ich ein Baby an einer Brust hängen sehe."

Eine weitere Leserin zeigte sich "entsetzt". Als sie die Zeitschrift bekam, habe sie nur gehofft, dass ihr Mann sie noch nicht gesehen habe: "Ich musste das Titelblatt abreißen, weil ich nicht wollte, dass es im Haus herumliegt." Die Zeitschrift wollte mit dem Titelbild die Diskussion über das Stillen anregen, das in den Vereinigten Staaten alles andere als selbstverständlich ist.

Nach Angaben von Chefredakteurin Lisa Moran ist es das erste Mal, dass eine größere Elternzeitschrift es gewagt hat, eine weibliche Brust nackt auf dem Titel abzubilden. "Babytalk" hatte die Leser aufgerufen, ihre Meinung zu dem Titelblatt zu sagen, und rund 5000 von ihnen antworteten.

Stillen in der US-Öffentlichkeit nicht gern gesehen

Den meisten habe das Bild gefallen, sagte Moran; etwa ein Viertel habe sich aber beschwert. Die Chefredakteurin zeigte sich verblüfft über die Moral-Diskussion rund ums Stillen: "Alle sagen, dass Stillen das Beste für das Baby ist, aber in der Öffentlichkeit wird es so wenig unterstützt." Es gebe in den USA "eine wirklich sittenstrenge Ader", bedauerte die Chefredakteurin. "Wenn Prominente praktisch dauernd ihre Brüste zeigen, scheint es in diesem sexuellen Zusammenhang offenbar niemanden zu stören. Aber in diesem sehr natürlichen Zusammenhang, einem Kind die Brust zu geben, kommen viele Amerikaner schlecht damit zurecht."

Eine Umfrage der American Dietetic Association hatte ergeben, dass 57 Prozent der US-Bürger Stillen in der Öffentlichkeit ablehnen. 72 Prozent hielten es für unangebracht, stillende Frauen im Fernsehen zu zeigen. (tso/AFP)

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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