Welt : Psycho-Analyse: Heute: Briefmarke auf Zunge

Ingolf Gillmann

Der Mensch weiß nicht, was Schafe wirklich wollen! Und? Ärgert sich der Mensch über seine Unwissenheit? Ach was! Der Mensch ärgert sich ja nicht mal über die Verkäuferinnen in den Parfumerien, die ihm jedes Mal ein Hautcremepröbchen zum Einkauf "dazulegen", obwohl seine Gesichtshaut vernarbt ist, weil er sich in der Pubertät die Akne aufgekratzt hat. Doch bei Aknenarben kann auch die sensitivste Hautcreme nichts ausrichten. Also, liebe Verkäuferinnen: Auch Menschen mit Aknenarben wissen nicht, was Schafe wirklich wollen, aber sie wissen ganz genau, was sie bei ihrem nächsten Parfumeinkauf nicht dazugelegt bekommen möchten. Sollte irgendjemand irgendwann Hautpröbchen statt Hautcremepröbchen entwickeln und keimfrei verpackt auf den Markt bringen, dann, liebe Verkäuferinnen, gern dazulegen die Hautpröbchen, gern auch ungefragt. Denn die anderen Kunden müssen nicht unbedingt mitbekommen, dass da jemand ein Gesicht hat, das Hautproben vertragen kann. Herrschaftszeiten, Akne gehört zur Pubertät wie Anke zu Engelke! Dass sich Pubertierende im Gesicht kratzen, ist halt jugendlicher Leichtsinn.

Doch Menschen mit makelloser Gesichtshaut sehen das nicht so und glotzen die Narbengesichter in den Parfumerien an, als wären es bucklige Eichhörnchen. Und? Ärgern sich die Narbengesichter über diese unsensiblen Blicke? Ach was! Die Narbengesichter ärgern sich ja nicht mal über den Geschmack der Briefmarkengummierung. Es gibt Wasser in Dosen, das nach Tomatensuppe schmeckt und Kondome mit Waldmeisteraroma, aber Briefmarken, die nach nichts schmecken, gibt es nicht. Und Menschen werden wohl eher wissen, was Schafe wirklich wollen, als dass die Post es schafft, geschmacklose Briefmarken herzustellen.

Kurze Rede, langer Sinn: Mit der Briefmarke auf Zunge will uns der Künstler sagen: Wenn man das Schlechte nicht ändern kann, sollte man es wenigstens hassen!

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