Welt : Psycho-Analyse: Heute: Gehörnte Maske

Ingolf Gillmann

Da denkt man an nichts Schönes? und dann das: Die Tage des Sommers sind gezählt! Jawoll! Und? Ist deswegen jemand traurig? Höchstens Menschen, die sich bei Temperaturen von unter 20 Grad Celsius mit Honig einreiben, weil sie das Leben nur mit verklebter Haut erträglich finden, werden weinen. Die oberen zehn Prozent wissen: Der Sommer ist bloß ein Traum der Hölle! Und jetzt erwacht das wahre Leben.

Endlich! Endlich tragen Frauen wieder Hosen; und so können sich Männer wenigstens einbilden, dass nicht jede weibliche Fessel ein kryptisches Tattoo schmückt. Endlich trinken Männer wieder Grog oder doppelten Espresso und nicht Kaffee mit aufgeschäumtem Milchhäubchen, verziert mit Schokoladenstreusel - herrje, sehen Männer unvorteilhaft aus, wenn sie sich nach einem Schluck Cappuccino den Milchschaum von der Oberlippe wischen! Endlich sind die Einkaufspassagen befreit von Pantomimen, die völlig verzückt an nicht vorhandenen Blumen riechen, um den Passanten zu demonstrieren, dass Fantasie besser ist als Geld. Endlich können Menschen auch bei grauem Himmel wieder gute Laune haben. Endlich müssen Tagesthemen-Gucker nicht mehr einen Ulrich Wickert ertragen, der sich kaum einkriegt, weil das "Wetter von morgen" so prima wird. Endlich brauchen sich italienische Wirte von ihren Gästen nicht mehr anhören "Wie in Italien hier, was?" Endlich werden Pullover nicht mehr um die Hüfte gebunden - warum tut man das überhaupt? Ist es kalt, zieht man einen Pullover an, ist es warm, lässt man ihn zu Hause. Endlich können Männer wieder zu ihrer Waschbrettwampe stehen. Endlich keine ultimativen Sommerhits mehr im Radio. Endlich keine ZDF-Sommer-Interviews mit leger gekleideten Politikern. Endlich

Kein Wo-ist-es-wärmer-Wettkampf mehr zwischen Hamburg, Berlin, München.

Kurze Rede, langer Sinn: Mit der gehörnten Maske will uns der Künstler sagen: Endlich Schluss mit Karneval in Badehose!

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