Welt : Psycho-Analyse: Heute: Porträt eines türkischen Offiziers

Ingolf Gillmann

Wenn kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, was machen dann große Geschenke aus einer Freundschaft? Warum sagen Mütter immer, wenn sie eine große Wohnung mit vielen Fenstern sehen, "die möchte ich nicht putzen müssen"? Würden mehr Männer in der metallverarbeitenden Industrie arbeiten, wenn Blicke nicht nur töten, sondern auch löten könnten? Wenn der Volksmund behauptet, dass sich Gegensätze anziehen, aber auch, dass sich Gleich und Gleich gern gesellt - will er uns damit sagen: Allein sein ist alles?

Und nun zur Frage aller vorangegangenen Fragen: Schwanken die zwischen konfus und Konfuzius; sind die nur komisch oder schon kosmisch? Ein Morgen, der mit den vier ko (konfus, Konfuzius, komisch, kosmisch) im Kopf beginnt, ist nicht ok! Doch jetzt bloß nicht an irgendwelche Mittelchen aus Kolumbien denken, Finger weg! Denn wer nicht nur eine Nase hat, sondern auch ein Näschen für alles Pflanzliche, greift zu Dragees aus Johanniskraut-Trockenextrakt, die leichte bis mittelschwere Depressionen zu einer Episode machen, über die man nach sechs Wochen wie Bolle lacht. Sechs Wochen und dreimal täglich muss ein Miesepeter eine Dragee nehmen - danach ist die graue Seele so babyblau wie der Schriftzug des Herstellers auf der Packung. Und so babyblau wie die Schrift, so babybreiocker sind die Dragees, die sogar Schwangere und stillende Mütter einnehmen dürfen, was bei Stimmungsaufhellern nicht selbstverständlich ist.

Babyblau und babybreiocker - diese Farbwahl kann kein Zufall sein. Schließlich ist der Anblick eines schlafendes Babys beruhigender als jede Religion. Miesepeter und Miesepetra sollten hoffen, dass es den Johanniskraut-Extrakt noch lange geben möge.

Kurze Rede, langer Sinn: Mit dem Porträt eines türkischen Offiziers will uns der Künstler sagen: Wenn alle Menschen schon nicht Brüder werden können, sollten sie Schwestern werden.

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