• Psychoanalytiker: Ossis und Wessis sind sich unheimlich Ost- und Westdeutsche spüren, dass sie anders und doch gleich sind

Welt : Psychoanalytiker: Ossis und Wessis sind sich unheimlich Ost- und Westdeutsche spüren, dass sie anders und doch gleich sind

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Jena (dpa). Ost und Westdeutsche sind einander 13 Jahre nach der Wiedervereinigung nach Ansicht des Wetzlarer Psychoanalytikers Jürgen Hardt unheimlich. „Unbewusst spüren Ost- und Westdeutsche, dass sie irgendwie anders, aber eigentlich genau wie die jeweils andere Seite sind“, sagte Hardt in einem dpa-Gespräch am Rande einer Tagung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung am Samstag in Jena. „Das ist ihnen unheimlich.“ Hardt ist Präsident der Psychotherapeutenkammer in Hessen.

Im Verständnis der Psychoanalyse tritt das Gefühl des Unheimlichen zwischen Menschen dann auf, wenn sie in der Realität mit etwas von früher Vertrautem, aber Abgewehrtem konfrontiert werden. „Ein solches Phänomen lässt sich auch im Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschen feststellen“, sagte Hardt. Beispiel dafür sei das Klischee vom ausländerfeindlichen Ostdeutschen. „Da verdrängt die westdeutsche Gesellschaft die eigene Intoleranz, indem sie diese auf den Osten überträgt und dort ablehnt.“ Für Hardt hängt das mit der gemeinsamen Vergangenheit und einer trotz unterschiedlicher staatlicher Ideologien ähnlichen Sozialisation in Ost- und Westdeutschland zusammen.

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