Welt : Pünktlich und zuverlässig

Die Schweizer Bahn gilt als vorbildlich – der Ausfall kratzt erneut am Selbstbild des Landes

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Zürich Wenn Deutsche in der Schweiz Bahn fahren, geraten sie ins Schwärmen. Die Bahn in der Schweiz ist pünktlich. Die Atmosphäre in den Bahnhöfen und in den Zügen ist freundlich und angenehm. Die Züge fahren häufig und erreichen nahezu jeden Ort in der Schweiz. Die Schweiz hat das dichteste Bahnnetz in Europa. Nur die Japaner fahren mehr Eisenbahn als die Eidgenossen. Schon mancher Deutsche hat die Erfahrung gemacht, dass die Bahn auf Schweizer Gebiet auf die Minute fahrplangemäß fährt – bis Basel. Sobald der Fahrgast deutsches Gebiet erreicht, geht der Ärger los. Schon in Freiburg hat der ICE 15 Minuten Verspätung und die Fahrgäste müssen zittern, dass sie in Mannheim ihre Anschlüsse bekommen.

Die Schweizerischen Bundesbahnen stehen für Zuverlässigkeit und Effizienz. Seit Mittwochabend ist diese heile Welt aus den Fugen. Ein Kurzschluss scheint den Schweizern jetzt vor Augen zu führen, dass nach der zusammengebrochenen Fluggesellschaft Swissair nun auch auf die SBB kein Verlass mehr ist.

Doch wäre es nicht richtig, aus einem einzigen Vorgang generalisierende Schlüsse zu ziehen. Schließlich waren es Sicherheitseinrichtungen, die das System runterfuhren. Dafür sind sie da.

Obwohl der Stromausfall glimpflich ablief, haben die als perfektionistisch geltenden Schweizer nach mehreren Unglücken – dem Brand im Gotthardtunnel und dem Flugzeugunglück am Bodensee, die beide ebenfalls schwere Mängel offenbarten – einen weiteren Schock erlitten. „Man hat sich gar nicht vorstellen können, dass so etwas passiert“, fasst Gregor Saladin, Sprecher des schweizerischen Bundesamtes für Verkehr, die Stimmung im Land in Worte. Und eine Passantin auf dem Zürcher Hauptbahnhof, die zwar von einer verzeihlichen Ausnahme sprach, glaubt dennoch: „Wir haben uns damit zum Gespött in der Welt gemacht.“ akr/os

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