Welt : Qualmen am Limit

In Niedersachsen gilt ein Rauchverbot in Gaststätten. In Westfalen darf weiter gepafft werden

Hannover - Was in Nordrhein-Westfalen erlaubt ist, ist in Niedersachsen seit Mittwoch verboten: Während die Raucher in den Kneipen auf der einen Seite der Landesgrenze genüsslich an ihrer Zigarette ziehen, müssen die Gaststättenbesucher auf der niedersächsischen Seite auf den blauen Dunst verzichten. Dort gilt seit Mitte der Woche ein Rauchverbot. Das neue Gesetz spaltet nicht nur Raucher und Nichtraucher, sondern bringt nun auch Gastwirte gegeneinander auf. Manch einer fürchtet angesichts der neuen Regelung gar um seine Existenz.

Mitten auf der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo das Rauchen noch erlaubt ist, liegt der 3400-Einwohner-Ort Bruchmühlen, auf niedersächsischer Seite ein Teil der Stadt Melle, auf westfälischer Seite der Gemeinde Rödinghausen. Mehrere Lokale stehen sich an der Grenze genau gegenüber. „Die auf niedersächsischer Seite haben das Gesetz einzuhalten“, sagt Melles erster Stadtrat Stefan Junkermann (CDU) und vertraut darauf, dass die Wirte das Gesetz befolgen werden. Maria D’Amico, Inhaberin der Gaststätte „Grönenberger Hof“ auf niedersächsischer Seite, fällt das schwer. Sie befürchtet, dass die Gäste nun ausbleiben. „Einige haben gesagt: Wenn wir nicht rauchen dürfen, dann kaufen wir eine Kiste Bier und bleiben zu Hause“, klagt sie.

In der „Stadtschänke“ im ostfriesischen Leer steht der Niederländer Gerhardus van Marm hinter der Theke. In seiner Kneipe wird zunächst weiter geraucht. In seiner kleinen Gaststätte seien 80 Prozent der Gäste Raucher, durch das Nichtraucherschutzgesetz sieht er sich in seiner Existenz gefährdet. „Ich werde nun abwarten, was sich aus anhängigen Gerichtsverfahren ergibt“, sagt Marm. Er hofft, dass Berufskollegen mit ihren Klagen gegen das Gesetz erfolgreich sind.

Im Lüneburger „Café Mäxx“ sind pünktlich um Mitternacht die Aschenbecher von den Tischen verschwunden, berichtet Hasan Candik. Die eine oder andere Ausnahme für Raucher, die sich unbedingt eine Zigarette anzünden wollten, sei aber noch gemacht worden, sagt der Betriebsleiter. Künftig sei das Rauchen aber nur noch auf der Terrasse erlaubt. „Bei schlechtem Wetter auch in unserem Obergeschoss“, sagt Candik. ddp

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