Quannengshen-Bewegung : Vater und Tochter in China wegen Totschlags hingerichtet

Die Verurteilten gehörten der verbotenen Religionsgruppe Quannengshen an. Sie hatten im Mai brutal auf eine Frau eingeschlagen, weil sie sich weigerte, ihre Handynummer zu überlassen.

In den chinesischen Staatsmedien wurde am Montag ausführlich über die Hinrichtung berichtet.
In den chinesischen Staatsmedien wurde am Montag ausführlich über die Hinrichtung berichtet.Foto: Screenshot CCTV

Zwei Mitglieder der verbotenen religiösen Bewegung "Kirche des Allmächtigen Gottes" in China sind hingerichtet worden. Sie sollen eine Frau in einer McDonald's-Filiale getötet haben. Zhang Lidong und seine Tochter Zhang Fan seien am Montag exekutiert worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Drei weitere Angeklagte, die ebenfalls der Religionsgruppe Quannengshen angehören, erhielten wegen des Vorfalls vom Mai vergangenen Jahres Haftstrafen zwischen sieben Jahren und lebenslang.

Das Opfer sollte als Mitglied angeworben werden

Vater und Tochter waren von einem Gericht in der ostchinesischen Provinz Shandong wegen Totschlags zum Tode verurteilt worden. Sie hatten im Mai brutal auf eine Frau eingeschlagen, weil sie sich weigerte, ihre Handynummer zu überlassen. Medienberichten zufolge sollte sie als Mitglied der religiösen Bewegung angeworben werden. Unter den drei anderen Verurteilten ist laut Xinhua eine weitere Tochter Zhang Lidongs.
Die Bewegung Quannengshen, was mit "Kirche des Allmächtigen Gottes" übersetzt werden kann, verbindet Elemente der christlichen Lehre mit dem Glauben, dass Christus als chinesische Frau auf die Erde zurückgekehrt ist. Die Bewegung wurde von der chinesischen Regierung in den neunziger Jahren verboten. Laut Xinhua wanderten ihre Gründer im Jahr 2000 in die USA aus.

In den chinesischen Staatsmedien wurde am Montag ausführlich über die Hinrichtung berichtet. Der Fernsehsender CCTV zeigte Aufnahmen des Prozesses sowie ein Video der Tat in der McDonald's-Filiale. Dieses war nach dem Vorfall vom Mai im Internet aufgetaucht. Es zeigt einen wie Zhang Lidong aussehenden Mann, der mit einer Stange ausholt und "Zum Teufel mit Dir" ruft, während eine Frau "Töte sie! Schlag sie tot!" schreit und Kunden in Panik aus dem Schnellrestaurant rennen. In dem etwa dreiminütigen Handyvideo ist nur ein Bruchteil einer Sekunde lang das mutmaßliche Opfer zu sehen.

Insgesamt hatten die Behörden nach der Tat rund tausend Quannengshen-Mitglieder festgenommen. Ihnen wurde Xinhua zufolge die Verantwortung für zahlreiche Suizide und Morde gegeben, bei denen viele der Opfer Familienmitglieder der Festgenommenen waren.

"Weiblicher Jesus"

Im Jahr 2012 wurden fast tausend Anhänger der Bewegung festgenommen, als sie laut Behörden die Ankunft eines "weiblichen Jesus" meldete und die kurz bevorstehende "Apokalypse" vorhersagte, welche zum Sturz der chinesischen Regierung führen werde. Auf der Website der "Kirche des Allmächtigen Gottes" hatten sich nach dem tödlichen Vorfall vom Mai mehrere Mitglieder von der brutalen Tat distanziert. Gleichzeitig warfen sie der Staatsführung in Peking vor, den Vorfall als Vorwand zur Niederschlagung der Bewegung zu nutzen.

Die regierende Kommunistische Partei greift mit äußerster Härte gegen religiöse Bewegungen durch, die sie als Bedrohung ihrer Macht ansieht. Bekanntestes Opfer ist die Falungong-Bewegung, die nach eigenen Angaben allein in China Millionen Anhänger hat. Die vom Buddhismus und Hinduismus inspirierte Bewegung war 1999 nach einer friedlichen Zusammenkunft tausender ihrer Anhänger in Peking verboten worden. Seitdem wurden zehntausende Mitglieder Menschenrechtsgruppen zufolge inhaftiert und in einigen Fällen auch gefoltert, weil sie sich weigerten, ihren Glauben aufzugeben. (AFP)

12 Kommentare

Neuester Kommentar