Welt : Queen auf Teilzeit

Elizabeth II. wird 80 – sie will umziehen und weniger arbeiten

Matthias Thibaut[London]

Als die damals 11-jährige Prinzessin Elizabeth Alexandra Mary nach der Abdankung ihres Onkels Eduard erfuhr, dass ihr Vater König werde und sie in den Buckingham Palast umziehen müsse, sagte sie entsetzt: „Wie, für immer?“ Queen Elizabeth II. selbst erzählte später, wie sie sich stundenlang die Nase an den Scheiben des großen Buckinghampalastes plattdrückte, um den Menschen und Autos auf der Mall zuzusehen. Sie dürfte sich seitdem in ihrem Stadtpalast oft wie eine Gefangene von Amtes und Würden gefühlt haben.

Nun feiert sie diese Woche ihren 80. Geburtstag. Und auch wenn sie für ihre Ausdauer, ihre robuste Gesundheit und ihr buchstäbliches Stehvermögen gefeiert wird: Es wird jetzt Zeit, eine langsamere Gangart einzulegen. Sie will nur noch zwei Tage pro Woche arbeiten und den Rest ihrer Zeit in Windsor Castle verbringen: Dienstagnachmittags will sie für die wöchentliche Audienz für den Premierminister in die Stadt kommen. Mittwochs kann sie dann noch ein paar verdiente Persönlichkeiten zum Ritter schlagen oder die Akkreditierungsschreiben neuer Botschafter empfangen.

Klarstes Zeichen des Umzugs aus dem ungeliebten Stadtpalast ist die Nachricht, dass ihr Oberpage Paul Whybrew, genannt „Big Paul“, seit 30 Jahren ein Vertrauter der Queen, von seinem Appartement im Kensington-Palast nach Windsor umzieht. Von Vorruhestand oder Ruhestand soll aber nicht die Rede sein: Die Queen passe lediglich ihr Lebenstempo dem Umstand an, dass nun ihre neunte Dekade beginne, flüsterten Palastfunktionäre der „Sunday Times“ zu.

Schon seit längerem weht die Flagge am Buckingham-Palast seltener. Sie wird nur gehisst, wenn die Queen selbst im Palast wohnt. Denn schon Anfang des Jahres ging die Queen zu einer Art 3-TageWoche über und war nur von Montagmittag bis Donnerstag im Palast.

Außenstehende können sich kaum vorstellen, was für ein hartes Brot es ist, Königin zu sein. So nahm die 79-Jährige im Herbst eine Oldtimerparade im Hof von Windsor Castle ab: Sie stand da eine Stunde lang, Handtasche am Arm, Blumenstrauß in der Hand, auf einem Holzgerüst und ließ sich die verschiedenen Autotypen erklären. Dabei weiß jeder, dass Autos nicht gerade ihr leidenschaftlichstes Interesse gilt.

Allein in diesem Jahr, ihrem 54. auf dem Thron, hat sie Singapur und Australien besucht und schon 82 offizielle Auftritte hinter sich gebracht. In 2005 waren es 378. Jedes Mal muss sie sich – meist ziemlich langweilige – Reden anhören, Blumensträuße in Empfang nehmen, Hände schütteln, in die Kameras lächeln, ihre weiß behandschuhte Hand zu ihrem berühmten Winkgruß erheben und endlosen Smalltalk pflegen. Stundenlang muss sie dazu in Autos, Flugzeugen oder ihrem „Royal Train“ sitzen und ist die ganze Zeit von nervösen Menschen umgeben, für die ein Höhepunkt ihres Lebens werden soll, was für sie tägliche Routine ist.

Da niemand sie etwas fragen darf, geht auch die ganze Last der Konversation auf ihr Konto. Kein Wunder, dass die Queen auch für ihren mürrischen Gesichtsausdruck berühmt ist.

Sie – und ihr immerhin schon 85-jähriger Ehegatte Prinz Philip – haben ein Anrecht auf ein altersgerechtes Leben, wird nun im Palast betont. Dabei beharren alle Insider darauf, dass die Queen an einen echten Ruhestand, eine Abdankung also, nicht im Traume denken würde. „Mein ganzes Leben, ob es nun lang oder kurz wird, soll dem Dienst an euch gewidmet sein“, sagte sie als 21-Jährige in ihrer ersten Radioansprache, noch bevor sie den Thron bestieg. Bei ihrer Krönung legte sie feierliche Gelübde ab und „glühte förmlich vor spiritueller Erhöhung“, wie einer der Bischöfe hinterher berichtete.

Zu ihrem goldenen Dienstjubiläum am 30. April 2002 wiederholte sie dieses Gelübde und versprach, dem Land „in den Jahren, die noch kommen“, treu zu dienen – „sie wird nicht abdanken“, schrieben die Zeitungen am nächsten Tag.

Doch die Nachfolgeplanung ist in einer Monarchie eine wichtige Sache. Und wer übernimmt die königliche Arbeit jetzt? Schon Anfang des Jahres sickerte durch, dass Prinz Charles mehr Aufgaben übernehmen soll, die Zeitungen bezeichneten ihn schon als „Schattenkönig“. Man sieht das im Palast als eine „sorgfältig gemanagte, natürliche Entwicklung“. Charles’ Reputation ist inzwischen gefestigt – seine Frau Camilla hat die erste Feuertaufe mit einer Fernostreise hinter sich, die Briten schließen sie langsam ins Herz.

Wichtige Pflichten wie die Weihnachtsansprache oder die Parlamentseröffnung wird sich die Queen aber nicht nehmen lassen. Die Windsors leben lange. Ihre Mutter, die Queen Mum, wurde 102. Und auch Elizabeth II. kann sich gut vorstellen, mit 90 noch Königin zu sein.

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