Welt : "Queen Mum": Heute wird sie wirklich 100 - Wie sie ihren Geburtstag feiert

Hendrik Bebber

Seit einem Monat wird ihr Geburtstag gefeiert - heute sind die 100 Jahre voll. Dabei wird der Freudentag der Queen Mum im Vergleich zu den vorherigen Feiern relativ bescheiden ausfallen. Wie die elf anderen Briten, die heute ihren 100. Geburtstag feiern, bekommt die Königinmutter eine Glückwunschkarte von ihrer Tochter mit den besten Wünschen für einen "wundervollen Tag". Natürlich kam die Gratulation schon vorher mündlich bei dem Telefongespräch, das die beiden jeden Morgen führen und das der Vermittlung höchste Sprachfertigkeit abverlangt: "Eure Majestät, Ihre Majestät die Königinmutter Königin Elizabeth ist am Apparat, Eure Majestät.

Dutzende von Königstreuen nächtigen vor dem "Clarence House", um wie jedes Jahr der Queen Mum zu gratulieren. Der Geburtstag beginnt mit dem Vorbeimarsch der Gardekapellen, die natürlich "Happy Birthday to You" schmettern. Das gewohnte "Bad in der Menge" fällt jedoch kürzer aus. Statt in ihr elektrisches Golfmobil steigt die Königinmutter in einen vierspännigen Landauer, um an der Seite ihres Lieblingsenkels Prinz Charles zum Buckingham Palast zu rollen. Die Kutsche ist mit gelbgoldenen und blassblauen Blumengebinden geschmückt, wie auch die Tore des Hyde Parks. Das sind die Farben ihres Rennstalls, der großen Leidenschaft der Königinmutter. Der Wetterbericht ist gut, nur die Kanonen der Gardeartillerie donnern einen Ehrensalut von 41 Schüssen, wenn die Jubilarin an der Seite der königlichen Familie den Balkon des Palastes betritt. Das beschwört die Erinnerung an den größten Auftritt der Königinmutter, als sie mit ihrem Mann König Georg VI. zum Kriegsende von dieser Stelle einer unübersehbaren Menschenmenge zuwinkte. Als Symbol britischer Selbstbehauptung wurde sie damals stürmisch gefeiert.

Dann folgt ein Mittagessen im engen Familienkreis von 30 Personen, wo Queen Mum mit ihren geliebten Gin- und Dubonetcocktails auf den Geburtstag anstößt. Auch die Queen wird sich vielleicht ein Gläschen gönnen, "weil sie heute nicht regieren muss" wie die trinkfeste Mutter sonst ihre alkoholfeindliche Tochter frotzelt. Unter der Flut von Glückwünschen, die der Königinmutter vorgelesen werden, befindet sich gewiss nicht das Urteil des Historikers Antony Holden, der über die "Lieblingsoma der Nation" schreibt: "Sie ist eine Frau, die in ihrem Leben keinen Tag gearbeitet hat und das verhätschelte Leben einer modernen Marie-Antoinette führt."

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