Radfahren : Zu Rad rings um Rom

Einen Autobahnring hat Rom längst - sechsspurig, laut und ständig verstopft. Fahrradaktivisten planen jetzt eine umweltfreundliche Stadtumfahrung.

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Pinien, Trümmer und zwei Räder: Die Freunde des Radrings rund um Rom wollen einen ganz neuen Blick auf die Schönheiten der Stadt (hier die Villa Gordiani). Und mehr Luft und Platz für eine andere Mobilität.
Pinien, Trümmer und zwei Räder: Die Freunde des Radrings rund um Rom wollen einen ganz neuen Blick auf die Schönheiten der Stadt...Foto: Velolove

Der Weg in die schönsten Städte führt oft über einen Alptraum. Was für Paris und seine „Périphérique“ gilt, stimmt auch für Italiens Hauptstadt: In Rom heißt er offiziell „Autostrada A 90“, aber auf Schildern wie in den Köpfen der Römer ist der Autobahnring rund um die Stadt nur als „Gra“ bekannt. Der „Grande raccordo anulare“ – im Akronym verbirgt sich auch eine Ehrung des Ingenieurs und früheren Präsidenten der Autobahngesellschaft, Eugenio Gra – wurde Ende der 1940er Jahre noch als zweispurige Umgehungsstraße angelegt, fraß dann wie der wachsende Autoverkehr immer mehr Platz und Asphalt und wuchs auf heute sechs Spuren und 33 Ausfahrten – ein Dauerstau auf 68,2 Kilometern, weil Baustellen immer irgendein Teilstück versperren und die Stoßzeiten den Verkehr jeden Tag pünktlich und vollends zusammenbrechen lassen. Die legendären Staus des Gra spielten schon eine tragende Rolle in Fellinis Film „Roma“; ein jüngerer Kollege des großen Fellini, Gianfranco Rosi, widmete dem Leben an und um den Gra – oder dem, was er davon übriglässt – kürzlich einen eigenen Film, „Sacro Gra“.

Schnellweg Römerstraße

Jetzt wollen Roms Umweltschützer und Radfreunde dem Ungeheuer freundliche Konkurrenz machen, dem Alp ihren Traum entgegensetzen: Die Ewige Stadt nämlich lässt sich nicht nur auf vier Rädern via Gra umrunden, sondern auch auf zweien. Ihr Projekt haben sie in Anlehnung an den lärmenden großen Bruder „Grande Raccordo Anulare delle Bici“ getauft, Großer Radring oder kurz „Grab“: 44,2 Kilometer, deren meiste durchs Grün führen, am Tiber entlang und vorbei an den Resten antiker Wasserleitungen oder Monumenten wie den Caracalla-Thermen oder den Circus Maximus. Nur knapp zwei Kilometer sind nach Angaben der Initiative „Velolove“, die sich mit dem italienischen Umweltverband Legambiente und mehreren Bürgerinitiativen für alternativen Verkehr dafür einsetzt, so stark von Autos befahren, dass der Radverkehr dort nicht ausreichend sicher wäre.
Für den Löwenanteil des Radrings, meint Alberto Fiorillo, Städtefachmann und Sprecher von Legambiente, brauchte es nur ein paar Hinweisschilder und da und dort einen Überweg. Aber genau diese zwei Kilometer haben es in sich: Sie gehören zur Via Appia Antica. Die ehrwürdige, 2300 Jahre alte Römerstraße ist heute vor allem eine beliebte Abkürzung für Autofahrten in den Süden der Stadt.

Alle wollen den Radring - machen sie ihn auch?

Und weil die Politik noch immer fürchtet, es sich mit den Autofahrerinnen und -fahrern zu verderben, wenn sie deren Rennstrecken schließt, sind die Fans des „Grab“ eher skeptisch, ob aus der Sache etwas wird.
An der Idee einer „Spina verde“, eines grünen Rückgrats der Stadt entlang der Reste ihrer antiken Vergangenheit bis zur Appia Antica, haben sich vor ihnen nämlich schon ganz andere Leute vergebens verkämpft: Vor vierzig Jahren stritten der Journalist, Umweltaktivist und Denkmalschützer Antonio Cederna dafür und Roms großer Bürgermeister, der Kunsthistoriker Giulio Carlo Argan. Unter dessen Nachfolger Luigi Petroselli tat der Stadtrat sogar erste Schritte und beschloss Italiens erste Fußgängerzone. Doch als Petroselli 1981 im Amt starb, wurde auch das Projekt begraben.
Und jetzt? „Wir haben das Ja des Bürgermeisters, der Dezernenten für Verkehr und Infrastruktur und der Technik-Abteilungen in der Stadtverwaltung“, sagt Fiorillo. Sogar einen Termin gibt es schon: Bis 8. Dezember, zum Auftakt des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahrs, soll der „Grab“ Wirklichkeit sein – und ein weiterer Touristenmagnet werden, wie seine Initiatoren hoffen. Aktuell sind Franzosen und Deutsche Roms begeistertste Radtouristen. Aber, sagt Fiorillo: „Als Römer glaube ich an kein Ja.“

Hoffen auf den Umweltpapst

Vielleicht muss, wie so oft in Rom, am Ende der Heilige Vater helfen. Nicht nur der Pilgermassen wegen, die er mit dem Heiligen Jahr 2016 in die Stadt holt. Franziskus’ kürzlich veröffentlichte Umwelt-Enzyklika, meint der Umweltschützer, lasse da doch hoffen.

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