Rätsel um Entführung : Kampusch bleibt ein Fall

Ein geheimer Parlamentsausschuss untersucht die Ungereimtheiten im Fall der Natascha Kampusch – vielleicht wird alles neu aufgerollt.

von
Natascha Kampusch, hier beim Signieren ihrer Autobiografie.
Natascha Kampusch, hier beim Signieren ihrer Autobiografie.Foto: picture alliance / dpa

Verbrechen beendet, Täter tot, Opfer befreit – alles gut, alles vorbei? So schien es, als Natascha Kampusch am 23. August 2006 in Strasshof bei Wien ihrem Entführer Wolfgang Priklopil davonlaufen konnte. Achteinhalb Jahre lang war das Mädchen in seiner Gewalt, vom 10. bis zum 18. Lebensjahr. Österreich hatte eine neue Heldin.

Schon zwei Wochen nach ihrer Befreiung und dem Selbstmord des Entführers gab Natascha Kampusch im Fernsehen ein Interview. Zu sehen war eine junge Frau, die emotional, gefasst, reflektiert und sehr wortgewandt über die Zeit ihrer Gefangenschaft sprach. Sie war fast völlig isoliert, die ersten Jahre musste sie in einem schalldichten Kellerverlies verbringen, besuchte keine Schule. Ganz Österreich und weite Teile der Welt nahmen großen Anteil an Natascha Kampuschs Schicksal.

Bis jetzt aber ist keine Ruhe eingekehrt im Fall Kampusch. Die gesamte Geschichte könnte neu untersucht werden, denn einige zentrale Fragen scheinen nicht geklärt: Hatte der arbeitslose Nachrichtentechniker Priklopil die Entführung alleine begangen oder gab es einen Mittäter? Hat er sich umgebracht oder ist er ermordet worden? Wie konnte es kommen, dass Kampusch achteinhalb Jahre nicht entdeckt wurde, obwohl es schon bald deutliche Hinweise auf Priklopil gab?

Seit 2010 tagt in Wien ein geheimer Parlamentsausschuss zu dem Fall. Deren Vorsitzender, der ÖVP-Politiker Werner Amon, sagte jüngst dem „Spiegel“: „Aus meiner Sicht ist eine Einzeltätertheorie nur schwer aufrechtzuerhalten.“ Und weiter: „Es gibt ein dickes Dossier über unterlassene Ermittlungsschritte.“ Mitte bis Ende März will der Ausschuss seinen Bericht vorlegen: Er könnte fordern, dass die Akten geschlossen bleiben – oder dass das Parlament einen Untersuchungsausschuss einrichtet. Schließlich wird noch gemutmaßt, dass alles nochmals neu ermittelt werden könnte, etwa mit Hilfe des amerikanischen FBI oder des Bundeskriminalamts.

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben