Welt : Rasender ICE verunglückt beim Überholen

Nach einem schweren ICE-Zwischenfall mit fünf Verletzten auf der Strecke Hamburg-Hannover hat die Deutsche Bahn die Überholregeln für ihre Züge verschärft. Personenzüge dürfen bis auf weiteres bundesweit nicht mehr überholen und dabei auf ein anderes Gleis wechseln, heißt es in einer Mitteilung der Bahn. Eine Ausnahme seien Stellen, die durch Signale gekennzeichnet werden.

Der ICE 91 "Prinz Eugen" war am Samstagmorgen auf dem Weg nach Wien zum Überholen eines Güterzuges mit überhöhter Geschwindigkeit bei Bienenbüttel in Niedersachsen in eine Weiche gerast. Dabei wurden laut Bahn drei Mitarbeiter der Mitropa und zwei Reisende gegen Wände geschleudert und erlitten Prellungen.

Nach Angaben von Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns war der ICE mit 120 Stundenkilometern unterwegs. Der BGS ging nach ersten Auswertungen sogar von Tempo 185 aus. Zulässig waren an der Weiche nur 80 Kilometer pro Stunde. Der BGS ermittelt wegen fahrlässigen Eingriffs in den Bahnverkehr. Eisenbahn-Experten suchten nach der Ursache. "Die Untersuchungen sind aber noch im Anfangsstadium. Sie werden auf jeden Fall mehrere Tage dauern", sagte Mark Wille, Sprecher des Eisenbahnbundesamtes.

Der Bundesgrenzschutz ermittelt wegen fahrlässigen Eingriffs in den Bahnverkehr. Auch die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat Ermittlungen aufgenommen. Oberstaatsanwalt Jürgen Wigger sagte: "Der Zug wurde automatisch gefahren. Der Zugführer ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verantwortlich." Einen Anschlag halte er für nahezu ausgeschlossen.

Ob die Gefahr bestand, dass der Zuge entgleise, könne nicht gesagt werden. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf einen Speicher, in dem die so genannte Linienzugbeeinflussung (LZB) - eine Art Autopilot - aufgezeichnet wurde. Der ICE sei vom Stellwerk geleitet unterwegs gewesen. Der Lokführer dürfte die LZB nicht beeinflussen können, sagte Wille. Außer dem Zug würden auch die Strecke und das Stellwerk untersucht. Die Bahn hat die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke Hamburg-Hannover von 200 auf 160 Kilometer pro Stunde heruntergesetzt. Bundesweit rechnet das Unternehmen mit "marginalen Verspätungen".

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