Rassismus beim Besitzer der Los Angeles Clippers : Donald Sterling: "Du darfst mit Schwarzen schlafen, aber ..."

Rassismus-Skandal in der NBA: Was Donald Sterling, Besitzer des US-Basketball-Teams Los Angeles Clippers, seiner Freundin Vanessa Stiviano sagte. Hören Sie hier das Telefongespräch im Original.

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Auch seine junge Freundin hat afroamerikanische Vorfahren. Der 80-jährige Donald Sterling mit Vanessa Stiviano (rechts).
Auch seine junge Freundin hat afroamerikanische Vorfahren. Der 80-jährige Donald Sterling mit Vanessa Stiviano (rechts).Foto: picture alliance / AP Images

Die rassistischen Worte, die Donald Sterling, der Besitzer des US-Basketball-Teams Los Angeles Clippers, am Telefon seiner jungen Freundin Vanessa Stiviano sagte, erregen die US-Öffentlichkeit. Das Telefonat dauerte keine zehn Minuten, dafür dürfte es umso länger Gegenstand gesellschaftlicher Diskussionen sein. Einer der Kernsätze lautet: „Du kannst mit Schwarzen schlafen, du kannst sie mitbringen, du kannst tun, was immer du willst. Das Wenige, was ich von dir verlange, ist, dass du das nicht öffentlich präsentierst.“ Und weiter: „Es stört mich wirklich sehr, dass du dich mit Schwarzen abgibst.“

Donald Sterling, der Besitzer des Basketballklubs Los Angeles Clippers aus der US-amerikanischen NBA, soll das gesagt haben, was für sich genommen schon befremdlich genug ist. Dumm nur für den 80-Jährigen, dass ein Mitschnitt des Gesprächs am Samstag auf der Klatschseite „TMZ.com“ veröffentlicht wurde. Darin macht der hörbar aufgebrachte Klubeigner seiner Liebesgespielin Vanessa Stiviano Vorwürfe. Die junge Frau mit den aufgespritzten Lippen und anderen aufgepumpten Körperteilen hatte wenige Tage zuvor ein Bild im Internet gepostet, auf dem sie während eines Spiels der Clippers mit der dunkelhäutigen NBA-Legende Earvin „Magic“ Johnson zu sehen ist. „Ich möchte, dass du sie nicht zu meinen Spielen mitbringst“, stellt Donald Sterling in dem Telefongespräch abschließend klar. Sie, die Schwarzen, im Allgemeinen. Und ihn, „Magic“ Johnson, im Speziellen.

Hier ist das Telefongespräch zwischen Donald Sterling und Vanessa Stiviano im Original mit Untertiteln

Seither läuft eine Debatte, die den US-Sport in den vergangenen Jahren immer wieder eingeholt hat. Es geht um Alltagsrassismus, Diskriminierung und natürlich auch um die Rolle schwerreicher Unternehmer wie eben Donald Sterling. Selbst Präsident Barack Obama meldete sich von seiner Dienstreise aus Kuala Lumpur zu Wort. Sterlings Äußerungen seien „unglaublich rassistisch beleidigend“, sagte Obama. „Wenn ignorante Menschen ihre Ignoranz zur Schau stellen wollen, musst du nichts machen außer sie reden zu lassen“, ergänzte der Präsident. Auch aktive Spieler brachten ihre Empörung zum Ausdruck. „Es gibt keinen Platz für Sterling in der NBA“, sagte LeBron James, der aktuell beste Spieler der Liga.

Vanessa Stiviano, die junge Freundin von Donald Sterling, hat selbst afroamerikanische Wurzeln

Besondere Absurdität erlangt der Fall aus zweierlei Gründen: Die NBA ist einerseits tief verwurzelt in der afroamerikanischen Kultur, wobei Schwarze überhaupt erst seit 1950 mitspielen dürfen in der stärksten Basketball-Liga der Welt. Heute sind allerdings etwa drei Viertel aller Spieler dunkelhäutig, abgesehen von Dirk Nowitzki und ganz wenigen anderen Ausnahmen gibt es in der NBA kaum Superstars ohne afroamerikanische Wurzeln. Zum anderen führt Sterling seine rassistische Haltung höchstselbst ad absurdum – weil seine Geliebte Vanessa Stiviano, die neben seiner Frau Rochelle eine mehr oder wenige friedliche Koexistenz als Mätresse am Hofe Sterling fristet, selbst afroamerikanische und mexikanische Wurzeln hat. Im besagten Gesprächsmitschnitt fragt Stiviano ihren Geliebten: „Willst du, dass ich Schwarze hasse?“. Sterlings Antwort: „Ich will, dass du sie liebst – privat.“

Donald Sterling hatte sich schon in der Vergangenheit rassistisch geäußert

Donald Sterling ist kein Ersttäter, im Gegenteil. In den vergangenen Jahrzehnten hat er sich immer wieder rassistisch geäußert. Der Sohn jüdischer Auswanderer, 1933 in Chicago geboren, stieg in den 80ern zu einem der größten Immobilienmogule des Landes auf, heute gehört ihm bei einem vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ geschätzten Vermögen von 1,9 Milliarden US-Dollar mehr als die Hälfte aller Apartments im noblen Beverly Hills. Und genau in dieser Funktion als Immobilienmakler ist er mehrfach auffällig geworden mit eigenwilligen Ansichten. „Ich vermiete nicht an Hispanics, weil sie nur rauchen, trinken und im Gebäude rumhängen“, hat Sterling einmal gesagt. Oder auch: „Schwarze Hausbewohner riechen und ziehen Ungeziefer an.“ Infolge dieser Äußerungen verklagte die US-Regierung Sterling, weil er seinen Worten auch Taten folgen ließ und sich weigerte, Wohnungen an Minderheiten zu vermieten. 2009 endete der Streit in einem Vergleich, Sterling bezahlte eine für seine Verhältnisse lächerliche Strafe in Höhe von 2,73 Millionen Dollar.

Diesmal dürfte der Milliardär nicht so leicht davonkommen, darüber herrscht Konsens. Die Mannschaft der Los Angeles Clippers zog zwischenzeitlich in Betracht, wegen der Äußerungen ihres Klubbesitzers nicht im Play-off-Spiel gegen die Golden State Warriors am Sonntag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) anzutreten. Nach einer 45-minütigen Besprechung entschied sich das Team um den schwarzen Superstar Chris Paul allerdings gegen diesen Schritt. Paul kündigte aber in seiner Funktion als Präsident der Spielergewerkschaft Konsequenzen an: „Dies ist ein sehr ernstes Thema, das wir aggressiv angehen werden“, sagte er der „New York Times“.

Diesmal wird Donald Sterling nicht so einfach davonkommen

Sterling ist bereits mehrfach in die Kritik geraten, weil er sich über die Jahre trotz seines exorbitanten Vermögens beständig dagegen wehrte, in den Kader der Clippers zu investieren, von Dumping-Löhnen bei den Spielergehältern war die Rede. Auch deshalb waren die Clippers chronisch erfolglos, während Stadtrivale Los Angeles Lakers eine Meisterschaft nach der anderen gewann. Diese Vorwürfe sind im Moment aber Sterlings geringstes Problem. NBA-Ligachef Adam Silver kündigte „schnelle Ermittlungen“ in diesem Fall an. Über potenzielle Sanktionen wollte sich Silver nicht äußern.

„Magic“ Johnson hat bereits Konsequenzen aus Sterlings Verhalten gezogen, er verkündete sie über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich werde nie wieder zu einem Clippers-Spiel gehen, solange Donald Sterling der Besitzer ist.“

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