Rassismus : Justin Bieber und das „N-Wort“

Der 20-jährige kanadische Popstar Justin Bieber machte früher schlechte Witze. Jetzt muss er sich mit großem Aufwand entschuldigen. Seine Karriere wird wohl keinen Schaden nehmen. Rapper nehmen ihn in Schutz.

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Wäre gerne ein rauer Bengel. Justin Bieber, kanadischer Sänger.
Wäre gerne ein rauer Bengel. Justin Bieber, kanadischer Sänger.Foto: dpa

Für sensible Beiträge zum politischen Diskurs ist Justin Bieber nicht bekannt. Vielmehr macht der 20-jährige Kanadier regelmäßig durch Saufgelage, Puff-Besuche und illegale Straßenrennen Schlagzeilen. Hin und wieder pinkelt er im Restaurant in einen Wascheimer. Nebenbei macht Justin Bieber Musik und immer wieder dumme und unüberlegte Bemerkungen – ein paar besonders rassistische Ausfälle bringen ihn jetzt in Schwierigkeiten.

Eigentlich ist die ganze Sache eine Lappalie. Denn die Videos, die vom Paparazzi-Blog „TMZ“ aufgespürt wurden, sind etliche Jahre alt. Das erste, das vor etwa einer Woche auftauchte, zeigt den 15-jährigen „Biebs“ im Kreis einiger Freunde. Er setzt zu einem geschmacklosen Witz an, von dem ein Mädchen ihn noch abhalten will ... dann sagt er ein paar Mal „Nigger“ im ratternden Takt einer Motorsäge. Seine Kumpels lachen, obwohl der Witz ausgesprochen schlecht ist.

Schon mit 14 hat er kräftig gelästert

Jetzt gab es Nachschlag – ein noch älteres Video: Justin Bieber ist 14 Jahre alt und hatte gerade seinen ersten Erfolg mit „One less lonely girl“. Auf dem Video äfft er das Lied nach. Laut dem improvisierten Text gibt es bald „one less lonely nigger“, nämlich wenn er dem Ku-Klux-Klan beitrete, jenem rassistischen Geheimbund, dessen gespenstisch gekleidete Fanatiker seit Mitte des 19. Jahrhunderts Schwarze in Amerika lynchten.

Zwei Videos mit zwei unglaublich geschmacklosen Entgleisungen – doch letztlich ist klar, dass es sich eben um eine Blödelei unter Teenagern handelt. Dass sich ein erwachsener Mann für einen Jahre zurückliegenden Witz entschuldigen muss, ist zwar im Grunde ein wenig albern, passt aber in das aktuelle Amerika, in dem offener Rassismus geduldet wird und überdurchschnittlich viele Schwarze erschossen oder verhaftet werden, wo aber gleichzeitig ein rausgerutschtes „N-Wort“ einen Medienskandal auslöst.

Justin Bieber wuchs in einem bibeltreuen Elternhaus auf

Justin Biebers Medienberater scheinen dem jungen Mann zu einer Entschuldigung geraten zu haben. Gegenüber der Presse sagte Bieber, er habe damals einfach nicht verstanden, wie verletzend manche Wörter sein können. Er nennt das Ganze einen „kindischen aber inakzeptablen Fehler“, für den er sich noch einmal entschuldige. Per Instagram legte er gleich noch Bibelzitate nach, in denen es um Vergebung geht. Bieber ist mit seiner alleinerziehenden Mutter extrem bibelfest aufgewachsen und bekam eine gute Portion Ignoranz in die Wiege gelegt. Bereits vor Jahren schrieb etwa die „New York Times“ über die Zweifel, die Biebers Mutter Pattie Mallette an der Karriere des Sohnes hegte. Die war gar nicht glücklich, als sie einst von Scooter Braun kontaktiert wurde, der den Knirps entdeckt hatte und später sein Mentor und Manager werden sollte. Ob Gott ihr nicht einen Christen hätte schicken können, haderte sie im Gebet, denn dem Juden wollte sie das Schicksal ihres Sohnes eigentlich nicht anvertrauen. Mallette ließ sich letztlich vom Ältestenrat ihrer Kirchengemeinde umstimmen.

Biebers Karriere wird von den jüngsten Enthüllungen über rassistische Teenagerwitze wohl keinen Schaden nehmen. Die Rapper Lil Wayne und Birdman, die seit Jahren zur Entourage von „Biebs“ gehören, wollen weiterhin mit ihm arbeiten. „Justin gehört zur Familie“, sagen sie. Der größte Teil seines Teams sei schwarz und Bieber mit Sicherheit kein Rassist. Und mit dem N-Wort können die Kollegen auch umgehen, immerhin gehört es in Hiphop-Kreisen zum ganz normalen Vokabular.

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