Rassismusverdacht : Hinrichtung in Texas verschoben

Duane Buck kann vorerst aufatmen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat seine Hinrichtung im Bundesstaat Texas aufgeschoben. Bei der Urteilsfindung sollen rassistische Ansichten ausschlaggebend gewesen sein.

In den USA werden Todesstrafen besonders häufig gegen Afroamerikaner verhängt. Nun wird das Urteil gegen einen schwarzen Todeskandidaten von der Justiz auf Rassismus geprüft.
In den USA werden Todesstrafen besonders häufig gegen Afroamerikaner verhängt. Nun wird das Urteil gegen einen schwarzen...Foto: dpa

Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Hinrichtung eines zum Tod verurteilten Schwarzen im Bundesstaat Texas vorerst aufgeschoben. Wie Vertreter der Justiz und der Verteidigung am Donnerstag (Ortszeit) bestätigten, wurde die für denselben Tag geplante Vollstreckung des Todesurteils ausgesetzt, um eine erneute Prüfung des Falls zu ermöglichen. Für welchen Zeitraum die Entscheidung gilt, war zunächst unklar.
Der dunkelhäutige Duane Buck war im Jahr 1995 wegen Mords an seiner früheren Lebensgefährtin und deren neuem Freund verurteilt worden. Zwischenzeitlich kam jedoch der Verdacht auf, dass in dem damaligen Urteil rassistische Ansichten der an der Urteilsfindung Beteiligten eine Rolle gespielt haben könnten. So soll beispielsweise ein Psychologe angegeben haben, dass Schwarze eher zu Wiederholungstaten neigten als Weiße.
Die Verteidigung beantragte am Donnerstag eine Aussetzung der Vollstreckung von 30 Tagen zur Überprüfung des Prozessverlaufs.
Zuvor hatte sie sich ebenso wie die Staatsanwaltschaft bereits an den texanischen Gouverneur Rick Perry gewandt und ebenfalls um eine Aussetzung der Hinrichtung gebeten. Perry, aussichtsreicher Kandidat bei den Republikanern im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, ist ein überzeugter Verfechter der Todesstrafe.

Solche Fälle sind in den USA keine Seltenheit. Ähnliches ist aus dem Bundesstaat Georgia bekannt. Der seit zwei Jahrzehnten in der Todeszelle sitzende Afroamerikaner Troy Davis soll am 21. September hingerichtet werden. Das Todesurteil gegen den 42-Jährigen werde im Gefängnis der Stadt Jackson vollstreckt. Davis war 1991 ausschließlich aufgrund von Zeugenaussagen wegen Mordes an dem weißen Polizisten Mark McPhail zum Tode verurteilt worden. Er beteuert bis heute seine Unschuld.
Eine Tatwaffe, konkrete Beweise oder DNA-Spuren, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Im August 2009 hatte der Oberste Gerichtshof ein Bundesgericht beauftragt, den Fall neu aufzurollen. Obwohl sieben der neun Zeugen ihre Aussagen gegen Davis zurückzogen, wies das Gericht in Savannah im August 2010 die Klage gegen seine Hinrichtung zurück. Ende März 2011 scheiterte Davis mit einem letzten Berufungsversuch vor dem Obersten Gerichtshof der USA, der einen Antrag zur Wiederaufnahme des Verfahrens ablehnte.
Davis hatte drei Mal durchsetzen können, dass die Vollstreckung seiner Todesstrafe ausgesetzt wird. Sein Kampf gegen die Hinrichtung sorgte weltweit für Aufsehen, gerade weil viele in dem Fall einen weiteren Beleg für die Benachteiligung von Schwarzen im US-Justizssystem sehen.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte im September, das Todesurteil gegen Davis in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln. Eine Hinrichtung sei insbesondere in Anbetracht der Zweifel an der Schuld des Verurteilten „unverhältnismäßig“. (AFP)

8 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben