Welt : Raststätten: Na, guten Appetit

Fabian Leber

Endlich da! Die Sonne scheint, der Strand ist in Sicht, die Erholung kann beginnen. Wenn die letzte Abfahrt vor dem Ferienort passiert ist, stellt sich das Urlaubsgefühl so richtig ein. Doch davor liegt meist eine anstrengende Fahrt: Deutsche Touristen verbinden mit Autofahrten in die Urlaubsländer Frankreich, Italien und Spanien oft lange Staus und nervige Mautstationen. Viele verzichten deshalb gleich ganz auf längere Stopps an der Autobahn. Manchmal zu Unrecht - denn Europas beste Raststätte liegt im Süden Frankreichs, an der A 61 zwischen Narbonne und Toulouse. Das hat der ADAC in seinem dritten europäischen Raststätten-Test herausgefunden. Frankreich ist auch Gesamtsieger der Länderstudie, die 95 Rasthöfe entlang wichtiger Ost-West-Routen unter die Lupe nahm. Allein zehn der insgesamt 19 mit "gut" bewerteten Anlagen liegen an Autobahnen zwischen Lille und Marseille. Verbessern konnten sich auch die spanischen Rasthäuser. Sorgenkind bleibt jedoch Italien.

Bei den italienischen Anlagen überzeugten die Toilettenanlagen häufig schon durch bloßen Augenschein nicht. Nirgendwo wurde die fehlende Sauberkeit häufiger bemängelt. Drei Viertel der italienischen Raststätten erhielten bei der Hygiene die Note "mangelhaft" - ein Negativrekord. Auch in den anderen Testländern fiel der Blick häufig auf verschmutzte Sanitäranlagen. In allen Autobahn-Restaurants entnahmen die ADAC-Tester sogenannte Abklatschproben. Das sind flache Schälchen, die auf den Toilettensitz, den Türgriff der Toilettentür und die Liegematte im Babywickelraum aufgedrückt wurden. Die Hygieneproben erbrachten im Labor noch schlechtere Ergebnisse als im Vorjahr: In fast 50 Prozent der getesteten Raststätten wurden gesundheitsgefährdende Keime gefunden. Besonders hoch war die Verschmutzung bei den Toilettensitzen. Erschreckend fiel das Ergebnis bei den Wickeltisch-Auflagen aus, die auf Rang zwei rangieren. Auch die Türgriffe auf der Innenseite der Toilettentüren waren hygienisch oft nicht einwandfrei. Zwar wurden keine hochgefährlichen, meldepflichtigen Krankheitserreger gefunden. Die gefundenen Keime können jedoch Krankheiten wie Scharlach oder Infektionen der Harnwege auslösen. Auch wenn Klobrillen und Armaturen optisch sauber aussehen, empfiehlt der ADAC daher, Sitze und Deckel nur mit einem Papiertuch anzufassen. Die Hände sollten gründlich gewaschen und mit Papier- statt Stoffhandtüchern abgetrocknet werden. Nicht notwendig sind solche Vorsichtsmaßnahmen beim Testsieger, der Raststätte "Corbières Nord" an der A 61 bei Carcassonne in Südfrankreich. Sie überzeugte die Tester - durchweg ausgebildete Hotelfachleute - durch große Sauberkeit.

Als freundlich fiel der Service auf, die Küche glänzte mit regionalen Spezialitäten. Überhaupt fuhr das Land der "Bonne Cuisine" in der Kategorie Gastronomie exzellente Werte ein. Mit Ausnahme der Anlage "Port Lauragais Sud" erhielten alle französischen Restaurants die Noten "gut" und "sehr gut" für Essen und Trinken.

Nicht mithalten konnte Italien, weil im Testmenü nicht mehr nur die gängigen Nudeln, sondern auch Geflügel- und Fischgerichte gefordert waren. Insgesamt negativ fielen die Restaurants der Gruppe "Fini Grills" auf: Sie zeichneten sich durch eingeschränkte Öffnungszeiten, knappes Speisenangebot, durchschnittliches Essen und lange Wartezeiten aus. Die Verkehrssicherheit ließ in Italien oft zu wünschen übrig. Ein Tester kommentierte: "Man fährt praktisch von der Autobahn übergangslos ins Restaurant. Das ist teilweise lebensgefährlich." So überrascht es nicht, dass die schlechteste Raststätte des Tests in Italien liegt: "Gonars Nord" an der A 4 zwischen Triest und Mestre bei Palmanova.

Aufholen konnten die spanischen Rasthäuser. Obwohl es auch hier Probleme mit der Hygiene gab, überzeugte die Gastronomie. Das Angebot, oft landestypische Gerichte, bekam gute und sehr gute Noten. Zusätzlicher Pluspunkt: In großen Rasthöfen wie "Pina" oder "La Selva" sind die Shops schon so groß wie Supermärkte - da bleibt auch unterwegs kaum ein Wunsch offen. Generell gilt: Je südlicher man in Europa unterwegs ist, desto günstiger wird es.

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