Welt : Raststätten: Stop and go

Julia Rehder

Die Schilder gekreuzter Messer und Gabel auf deutschen Autobahnen kennt jedes Kind. Doch sie verheißen meist nichts Gutes: Überteuerte Preise, Toiletten, die alles andere als einen Vertrauen erweckenden Eindruck machen, weshalb viele lieber gleich in den Wald gehen, lange Schlangen an der Kasse, ein unfreundliches Personal und ein Picknick-Areal, auf dem die vermeintlich Entspannung Suchenden von den Abgasen der ankommenden und abfahrenden Autos eingenebelt werden. Trotzdem kommt keiner an einem Stop vorbei. Schließlich braucht das Auto neuen Sprit und dafür will man nicht extra ins nächste Dorf fahren. Auch wenn die Preise locken würden. Denn eines haben die Reisenden alle gemein: sie wollen schnell von A nach B kommen. Dabei selber aufzutanken, scheint keine Selbstverständlichkeit zu sein, sondern sporadischer Luxus, der einem per Zufall widerfährt. Grafik: Raststätten im Vergleich Damit das nicht so bleibt, hat der ADAC wichtige europäische Raststätten getestet, in diesem Jahr in Ost-West-Richtung. Die Raststätte sei auf jeden Fall ein Dienstleiter und insofern hätten die Betreiber auch Verantwortung für die sichere Weiterfahrt ihrer Kunden, meint ADAC-Testleiter Robert Sauter. Damit das auch zu Stoßzeiten gewährleistet ist, nahm der ADAC während des Osterreiseverkehrs 95 Raststätten unter die Lupe, davon 15 in Deutschland, zehn in Österreich und sechs in der Schweiz.

Getestet wurde anhand einer umfangreichen Checkliste. Sie erfasst die Verkehrssicherheit einer Raststätte, den Zustand der gesamten Anlage innen wie außen, das Angebot an Essen und Trinken, Hygiene und Sauberkeit, Einkaufsmöglichkeiten, Service und Preise aber auch Umweltaspekte wie Mülltrennung und das Vorhandensein von Telefonen, Internet und Informationen über regionale Übernachtungsmöglichkeiten. Bei dieser Checkliste wurde von den Bedürfnissen einer in Urlaub reisenden Familie mit zwei Kindern ausgegangen. Bei dem Warenkorb, den die Tester in den Tankstellenshops zusammensuchen sollten, durften deshalb auch Babywindeln nicht fehlen.

Hierzulande haben die Raststätten vergleichsweise gut abgeschnitten. Im europäischen Vergleich lag Deutschland gleich hinter dem Testsieger Frankreich. Nur der Betrieb "Haidt Süd" fiel mir der Note "mangelhaft" durch. Die beste deutsche Raststätte "Sindelfinger Wald Süd" liegt im Gesamtranking sogar auf Platz drei. Dennoch haben die meisten deutschen Raststätten mit "ausreichend" ein gerade noch zufriedenstellendes Testergebnis erzielt. "Wildeshausen Süd" fiel durch einen besonders schön gestalteten Spielplatz auf, dem Spielplatz auf der Raststätte "Bayerischer Wald Süd" attestierten die Tester allerdings "keinen Spaßfaktor". Wichtig bei dem Urteil war auch, ob das Areal zum Austoben unabhängig von einem Restaurantbesuch zugänglich ist. "Wir wollen, dass alle Kinder dieser Welt den Spielplatz nutzen können, unabhängig davon, ob die Eltern konsumieren", erklärt Sauter. Er scheint zu wissen, dass quengelnde Kinder auf dem Rücksitz die Nerven der Eltern belasten und deshalb auch die sichere Weiterfahrt gefährden können.

In Punkto Sicherheit enttäuschte vor allem der Neubau "Leipheim Süd". Dort sei an den Bedürfnissen vorbei konzipiert worden und an Zebrastreifen sowie Mittelwege entlang der parkenden Autos schlicht nicht gedacht worden. Beim Service war die Durchfallquote besonders hoch. Ein sauberes Erscheinungsbild, Hilfsbereitschaft und freundliches Personal sind an deutschen Raststätten demnach die Ausnahme. Erfreulichere Ergebnisse wurden beim Thema Umwelt erzielt. Vor allem die Mülltrennung schlug positiv zu Buche - in vielen europäischen Ländern ist sie noch nicht realisiert.

In Österreich fiel keine Raststätte im Test durch. Besonders gut schnitt im Vergleich zu den Vorjahren die Qualität von Service und Küche ab. "St. Pölten" sicherte sich hier den Spitzenplatz. In "Ybbs" fanden die Tester zwar das Geschnetzelte zu sehnig und den Kaffee zu wässrig, vergaben für die Gastronomie aber trotzdem noch die Gesamtnote "gut". Anders sieht es bei der Sicherheit im Außenbereich aus. Die Hälfte der Raststätten bekam schlechte Noten. Auch im Bereich der Kommunikation mussten Abstriche gemacht werden. Wobei Autofahrer häufig durch Informationstafeln auf Übernachtungen in der Region hingewiesen werden. Die Preise waren bei 80 Prozent der getesteten Betriebe zu hoch, nur "Ybbs" und "Kemmelbach" waren etwas günstiger.

In der bei den früheren Testreihen immer vorbildlichen Schweiz mussten die ADAC-Prüfer dieses Mal ein herbe Enttäuschung einstecken: "Ohne es zu wollen, haben wir ein paar schwarze Schafe erwischt", berichtet Sauter. Von den sechs getesteten Raststätten fiel die Hälfte mit der Gesamtnote "mangelhaft" durch. Kritisiert wurde die Sicherheit im Außenbereich, nur "Gunzgen Nord" wurde hier mit "ausreichend" bewertet. Auch bei der Hygiene mussten Abstriche gemacht werden, selbst wenn alle Betriebe dem Augenschein nach sauber wirkten.

Tendenziell machten die Betriebe von Mövenpick den besten Eindruck. Lücken gibt es auch beim Service für Rollstuhlfahrer. In "Würenlos" müssen sie mühsam über einen Warenlift durch die Küche zum WC gelangen. Selbst im Bereich der Gastronomie glänzte die Schweiz nicht wie bisher. Nur bei drei Betrieben beurteilten die Tester das Angebot mit "gut". Im europäischen Vergleich lagen die Preise bei allen getesteten Raststätten in der Schweiz weit über dem Durchschnitt und waren für die Prüfer mit "sehr mangelhaft" indiskutabel.

Doch teuer muss nicht sein. In den Shops italienischer Raststätten ist guter Espresso günstig zu haben. Und ein bocadillo (belegtes Brötchen) in Spanien ist auch für jeden Geldbeutel erschwinglich. Im nächsten Teil lesen sie, wie der ADAC italienische, spanische und französische Raststätten beurteilt.

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