Rattenexperimente : Tierschützer kritisieren Vergabe von Medizin-Nobelpreis

Norwegische Tierschützer haben die Vergabe des Medizin-Nobelpreises kritisiert. Bei Ratten seien Gehirne zerstört worden, sagen sie. Die jetzigen Nobelpreisträger werden schon seit Jahren von Tierschützern verfolgt.

May-Britt Moser, norwegische Nobelpreisträgerin für Medizin, nachdem sie von ihrer Ehrung erfahren hat.
May-Britt Moser, norwegische Nobelpreisträgerin für Medizin, nachdem sie von ihrer Ehrung erfahren hat.Foto: dpa

Norwegische Tierschützer haben die Vergabe des diesjährigen Medizin-Nobelpreises an ihre Landsleute, das Forscherehepaar May-Britt und Edvard Moser, kritisiert. Es sei "traurig", dass Forschungen mit dem Nobelpreis belohnt würden, die nützlich seien, jedoch nicht ethischen Kriterien entsprächen, sagte eine Sprecherin der norwegischen Tierschutzallianz, Live Kleveland, der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Bei ihren Experimenten hätten die Forscher Instrumente in die Köpfe von Ratten implantiert, dabei teilweise ihre Gehirne zerstört und die Tiere Angst und Stress ausgesetzt.
Kleveland sagte, ihre Vereinigung habe die Arbeit der Forscher über Jahre verfolgt und vergeblich versucht, sie auf juristischem Wege zu stoppen. Die Tierschutzorganisation Peta erklärte ihrerseits, die Auszeichnung an Wissenschaftler, "die jahrzehntelang unzähligen Tieren fürchterliche Schmerzen zufügten", stehe im Widerspruch zu den Werten des Nobelpreises. Die Schädel der Versuchstiere sei bei den Experimenten durchbohrt und ihr Gehirn durch giftige Injektionen vernichtet worden. Anschließend seien sie getötet worden.
May-Britt Moser sagte AFP, sie befolge die in Norwegen gültigen Regelungen. Mit den Ratten werde "wie mit Menschen" umgegangen. Sie würden betäubt und anschließend so behandelt, dass sie "keinerlei Schmerz" spürten. May-Britt und Edvard Moser war am Montag zusammen mit dem US-britischen Neurowissenschaftler John O'Keefe für ihre Entdeckung eines "Navigationssystems im Gehirn" der Medizin-Nobelpreis zuerkannt worden. Der Jury zufolge könnten die Forschungen der drei Preisträger über den Orientierungssinn zu einem besseren Verständnis degenerativer Hirnerkrankungen wie Alzheimer beitragen.
Die Übergabe des Nobelpreises findet bei der traditionellen Zeremonie am 10. Dezember statt, dem Geburtstag des 1896 verstorbenen Preis-Stifters Alfred Nobel. (AFP)

18 Kommentare

Neuester Kommentar