Raubprozess : Dieter Bohlen hat "permanent Angst"

Musikproduzent Dieter Bohlen hat im Prozess um den Raubüberfall in seiner Villa die Entschuldigung eines Angeklagten zurückgewiesen. Im Zeugenstand erklärte er außerdem, sein Haus werde "immer mehr ein Gefängnis".

Frank Bretschneider[ddp]
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Dieter Bohlen sagte heute vor Gericht aus. -Foto: ddp

RecklinghausenDieter Bohlen könnte eigentlich in seinem Element sein, als er das Justizgebäude in Recklinghausen betritt. Doch das gigantische Aufgebot, das Blitzlichtgewitter und die zahllosen Neugierigen sind dem üblicherweise nicht medienscheuen Musikproduzenten spürbar unangenehm. Zügig und ohne Worte durchquert er mit Freundin Carina das Gebäude und nimmt im Gerichtssaal der Außenstelle des Bochumer Landgerichts Platz.

"Muss ich denn so tun, als wäre ich Hartz-IV-Empfänger?"

Der 53-Jährige muss als Zeuge im Verfahren gegen die beiden Jugendlichen aussagen, die ihn und seine Gefährtin im Dezember 2006 in seinem Haus überfallen und ausgeraubt haben sollen. Die Erinnerung an das Geschehen setzt ihm auch heute noch zu: "Man fühlt sich nicht mehr wohl und hat immer diese Angst", sagt er dem Richter auf die Frage, wie er den Vorfall verarbeitet hat. "Wir machen aus unserem Haus immer mehr ein Gefängnis", mit immer mehr Kameras und Panzerglas in den Fenstern. "Muss ich denn so tun, als wäre ich Hartz-IV-Empfänger, damit ich nicht überfallen werde?", fragt er. Psychologische Hilfe habe er nach dem Überfall nicht in Anspruch genommen: "Der Einzige, der mir im Leben helfen kann, bin ich selbst", umschreibt er seine Philosophie.

Eine Entschuldigung des zur Tatzeit 17 Jahre alten Tom F., der wie sein Mitangeklagter Osman Z. die Tat gestanden hat, will Bohlen denn auch nicht entgegennehmen. "Nein", sagt er da schlicht und schiebt spitz hinterher: "Das ist heute wohl so, um Strafmilderung zu erhalten." F. flüstert dennoch "Es tut mir trotz allem leid, Herr Bohlen." Auch Carina nimmt die Entschuldigung von F. nicht an. "Ich habe Angst und kann nicht mehr allein schlafen", sagt sie weinend. Carina bricht im Zeugenstand immer wieder in Tränen aus. Bohlen schlägt während ihrer Vernehmung die Hände vors Gesicht.

"Ich dachte, die knallen uns ab"

Die mutmaßlichen Täter hätten ihn und seine Freundin mit Messer und Pistole bedroht und ihnen eine Todesangst eingejagt. "Ich dachte, die knallen uns ab. Ich hatte wahnsinnige Angst." Ob er nicht dramatisiere, will der Anwalt von Tom F., Siegmund Beneken, wissen: "Ich dramatisiere nicht. Worte können nicht wiedergeben, wie schlimm es uns ging und wie die uns bedroht haben", erwidert Bohlen.

Es ist kein einfacher Termin für Bohlen. Denn er muss nicht nur ausführlich Fragen zum Geschehen in der Tatnacht beantworten, sondern soll vor Gericht auch die widersprüchlichen Angaben darüber klären, wie viel Geld ihm gestohlen wurde. Nach seinen Angaben waren es 60.000 Euro in zwei Kuverts mit je 30.000 Euro, die er den Tätern mitgegeben haben will. Die beiden jungen Männer wollen dagegen 29.500 Euro erbeutet haben.

Beneken hält Bohlen daher für unglaubwürdig: "Jeder im Saal wüsste, wie viel er den Räubern gegeben hat", fährt er den Musik-Star an. Ob er nicht "in Unkenntnis der Hausratversicherung falsche Angaben" gemacht habe. Bohlen zeigt sich empört: Er habe 30.000 Euro ersetzt bekommen und hätte auch nicht mehr bekommen, selbst wenn er fünf Milliarden Euro in seinem Tresor gehabt hätte.

"Ich muss mich doch nicht dafür schämen, dass ich Erfolg habe."

Vor diesem Hintergrund macht Bohlen klar, dass er nicht den Eindruck habe, mit seinem Geld zu prahlen. "Ich muss mich doch nicht dafür schämen, dass ich Erfolg habe." Und schließlich könne er auch für seine Auftritte bei RTL "nicht mit dem Trabi" beim Sender vorfahren. Richter Gerald Sacher hält trocken dagegen: "Aber der Trabi ist doch heute ein Kultauto."

Rund zwei Stunden lang werden Bohlen und Freundin zum Tathergang befragt. In kurzen Pausen drängen immer wieder TV-Teams in den Saal, um die beiden Prominenten zu filmen. Bohlen wendet sich dann ab und schaut aus dem Fenster. Sichtbar erleichtert verlassen beide den Saal nach der Befragung - nur um draußen wieder ein Blitzlichtgewitter auszulösen.

Bei den Zuhörern hat Bohlen mit seinem Auftritt vor Gericht nicht nur Sympathien: "Erst zeigt er im Fernsehen seine Einrichtung und dann wundert er sich, wenn er überfallen wird", sagt ein älterer Mann verständnislos.

Verfahren bis Ende September vertagt

Der Prozess wurde nach fünfeinhalb Stunden überraschend auf den 21. September vertagt. Auf Antrag der Verteidigung lädt die Strafkammer einen Staatsanwalt aus Stade (Niedersachsen) vor, der dem entscheidenden Hinweisgeber auf die beiden Täter Vertraulichkeit zugesichert hatte. Nach dessen Hinweisen waren die beiden jungen Männer im Juli gefasst worden. (mit dpa)

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