Rauchen : Nigeria verklagt Tabakkonzerne auf 44 Milliarden Dollar

Verführung zum Rauchen: Die Regierung zeigt sich empört über drei Tabakkonzerne, die mit ihren Werbekampagnen angeblich Minderjährige zu lebenslangen Rauchern machen möchten. Der Fall kommt nun vor Gericht.

Dagmar Dehmer

BerlinDie nigerianische Regierung klagt gegen drei internationale Tabakkonzerne und verlangt rund 44 Milliarden Dollar Schadenersatz von ihnen. Die Regierung wirft der British American Tobacco (BAT), Philip Morris sowie der nigerianischen International Tobacco Limited vor, Minderjährige in ihren Werbekampagnen zum Rauchen anzustiften, um so lebenslange Raucher heranzuziehen. Der Fall soll am 17. März vor einem Gericht in der nigerianischen Hauptstadt Abuja verhandelt werden. Schon im Frühjahr des vergangenen Jahres hatten drei Provinz- Gouverneure in Nigeria ähnliche Verfahren in Gang gesetzt.

Mail-Korrespondenz der harten Worte

Der britische Sender BBC zitiert den Regierungsanwalt Tunde Irukera von der Anwaltskanzlei Simon Coopers Partners mit den Worten: "Dokumente, auf die wir uns beziehen, referieren Wege, um die Zahl der Yaus (junge und minderjährige Raucher) in Nigeria zu erhöhen.“ Irukera zitierte aus E-Mails zwischen Angestellten der Tabakkonzerne.

18 Prozent der jungen Nigerianer rauchen

Die Regierung verlangt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters einen höheren Schadenersatz von den Konzernen als ein Jahresbudget Nigerias. Angesichts des Zustands der nigerianischen Gesundheitsversorgung finden selbst Vertreter von Nichtregierungsorganisationen die Summe völlig überzogen. Die Regierung argumentiert mit aktuellen und künftigen Ausgaben des Gesundheitssystems für die Versorgung von Rauchern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rauchen rund 18 Prozent der jungen Nigerianer. Bei 120 Millionen Einwohnern, deren Mehrheit unter 20 Jahren alt ist, ist das in der Tat ein großes Gesundheitsproblem. Allerdings werfen Antiraucheraktivisten der nigerianischen Regierung vor, den Bau einer neuen Zigarettenfabrik in Nigeria durch die BAT mit „großzügigen Steuerkürzungen“ unterstützt zu haben, schreibt die nigerianische Zeitung „This Day“.

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