Welt : Rauchfrei auch in der Türkei

Thomas Seibert

Istanbul - Fast nichts lieben die Türken so sehr wie die Zigarette beim Kartenspielen im Teehaus – und ausgerechnet die soll ihnen jetzt genommen werden. Die Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Teehäuser, Cafés, Internetcafés und Billardsalons zu rauchfreien Zonen werden sollen. Der Verfasser des Gesetzentwurfs, Cevdet Erdöl, ist Chef des Gesundheitsausschusses des türkischen Parlaments. Und Kardiologe: Er weiß, dass die Nikotinsucht die Lebenserwartung der Türken erheblich senkt.

Rund 25 Millionen Raucher gibt es in der Türkei, das ist jeder dritte Bürger im Land. Angehörige aller Gesellschaftsschichten greifen zur Zigarette. In einer Umfrage unter Istanbulerinnen mit Hochschulabschluss gaben 45 Prozent der Frauen zu, dass sie ganz bewusst ein bis zwei Päckchen am Tag rauchen – um schlank zu bleiben.

Erdogan selbst hat keine Probleme mit der neuen Kampagne, im Gegenteil. Der Premier raucht nicht und kann es auch nicht ausstehen, wenn in seiner Umgebung gepafft wird. In seinem Kabinett sitzen fast nur Nichtraucher, was für türkische Verhältnisse sehr ungewöhnlich ist. Selbst Generalstabschef Hilmi Özkök und andere Mitglieder der türkischen Militärführung beschlossen vor einem Jahr, den Glimmstängeln zu entsagen. Jetzt soll der Rest der Armee folgen: Nach Erdöls Gesetzentwurf dürfen Polizisten, Soldaten und andere Uniformträger im Dienst nicht mehr rauchen.

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