Rauchverbot in Peking : Im Reich der Kippe

In Peking tritt am Montag ein strenges Nichtrauchergesetz in Kraft. Doch Rauchen ist in China viel mehr als nur ein Genussmittel - weshalb große Zweifel an der Umsetzung des Verbots bestehen.

Nichtrauchertanz vor dem Vogelneststadion. Peking startet seine Kampagne gegen das Rauchen mit einer Veranstaltung vor dem Olympiastadion von 2008.
Nichtrauchertanz vor dem Vogelneststadion. Peking startet seine Kampagne gegen das Rauchen mit einer Veranstaltung vor dem...Foto: AFP

Bei der Hochzeit der Chinesin Wang Junxiu wartete beim Bankett eine bedeutsame Aufgabe auf die Braut. Sie musste von Tisch zu Tisch schreiten und jedem männlichen Gast eine Zigarette reichen und anzünden. Und so kommt es, dass man sie auf ihrem Hochzeitsvideo lange Zeit nur herumgehen und an Zigarettenschachteln und Anzündern herumfummeln sieht. „Mir hat das nicht gefallen“, sagt die Chinesin, „ich denke, das Rauchen ist eine schlechte Tradition.“ Jetzt soll diese Tradition zumindest in der chinesischen Hauptstadt Peking auch beschnitten werden.

Jede dritte Zigarette weltweit wird in China angezündet

Am Montag ist in Peking eines der weltweit striktesten Rauchverbote in Kraft getreten. Rauchen ist auf öffentlichen Plätzen sowie in öffentlichen Gebäuden, Hotels, Restaurants und Kinos verboten. Es ist ein Versuch, die Kosten des Rauchens für das Gesundheitssystem zu begrenzen. Doch bedeutet auch einen großen Einschnitt für die Bürger Pekings, wenn man bedenkt, dass das Rauchen Teil der chinesischen Kultur ist. Eine von drei Zigaretten weltweit wird in China angezündet, schätzungsweise mehr als 300 Millionen Chinesen konsumieren Nikotin. Im Reich der Kippe werden so viele Zigaretten produziert wie in keinem anderen Land. Geraucht wurde bis jetzt eigentlich überall, sogar innerhalb von Krankenhäusern oder Kindergärten.

„Zigaretten sind in China ähnlich wie der Genuss von Alkohol zur Pflege von Kontakten und als Symbol der Freundschaft oft sehr wichtig“, erklärt Simon Lang, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Berliner Chinaforschungsinstitut Merics. Allerdings zumeist bei Männern. „Rauchen gilt als unweiblich“, sagt der China-Experte. Bei gesellschaftlichen Ereignissen gehören Zigaretten zum Knüpfen und Pflegen von Beziehungen einfach dazu. „Ein Nichtraucher wird es vor allem in einer traditionellen männlichen Gruppe schwerer haben, einen Zugang zu finden“, erklärt Simon Lang. Das gemeinsame Rauchen schafft Nähe, Verbundenheit und Freundschaft.

Zudem gelten Zigaretten auch als Statussymbol, teure Stangen werden bei wichtigen Ereignissen wie Hochzeiten oder dem Chinesischen Neujahr verschenkt und sogar als Bestechungsmittel verwendet. Für westliche Journalisten empfiehlt es sich vor allem auf dem Land, eine Schachtel der teuren Marken „Kleiner Panda“ oder „China“ dabei zu haben, um bei den Gesprächspartnern das Eis zu brechen. Dabei muss man allerdings aufpassen. „Eine geschenkte Zigarette aus einer billigen Packung würde einen Gesichtsverlust bedeuten“, erklärt der China-Experte Simon Lang.

Vor vier Jahren hat Peking das Rauchen schon einmal verboten - erfolglos

Vor vier Jahren hat Peking schon einmal das Rauchen in Restaurants verboten. Erfolglos. Kaum ein Restaurantbesitzer setzte es durch, kaum ein Gast hielt sich daran, die unzähligen Gaststätten waren so verraucht wie zuvor. Bei der neuen Kampagne rechnet sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bessere Chancen aus. „Dieses Mal sind die Strafen konkret festgelegt. Außerdem werden die Eigentümer der Geschäfte belangt, das verspricht mehr Erfolg“, sagt der Pekinger WHOChef Bernhard Schwartländer. Er erwartete allerdings auch Widerstand aus der einflussreichen Tabakindustrie in China. Diesmal sei auch das Gesundheitsministerium für die Umsetzung verantwortlich, das im Gegensatz zum zuvor verantwortlichen Umweltministerium im politischen Apparat Chinas über mehr Macht verfügt. Nun sollen Tausende Aufseher die Umsetzung des neuen Nichtrauchergesetzes überwachen.

Doch selbst wenn sich das Rauchverbot tatsächlich durchsetzen ließe, müssen Pekings Bürger mitunter nicht auf ihre Feinstaubration verzichten. An manchen Tagen, an denen der berüchtigte Smog die Hauptstadt vernebelt, atmen die Pekinger das Feinstaub-Äquivalent von mehreren Zigaretten ein. (mit dpa)

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