Rauchverbot : Niedersachsens Gastronomen gehen auf die Straße

2000 Gegner des Rauchverbots protestierten in Hannover. Darunter viele Gastwirte, die ihre Existenz bedroht sehen. Während die Wirte sauer sind, zeigen sich ihre Gäste jedoch friedlich. Nur wenige Bußgelder wurden bislang fällig. Darunter - überraschenderweise - die meisten zu Lasten der Wirte selbst, die auf die Kippe partout nicht verzichten wollen.

Britta Schultejans
Demo gegen Rauchverbot
Erboste Gastwirte demonstrieren in der IInnenstadt von Hannover gegen das Nichtraucherschutzgesetz. -Foto: dpa

HannoverReinhard Eberwein ist wütend. "Die machen uns Wirte zu Hartz-IV-Empfängern", schimpft er und zieht energisch an seiner Zigarre. Der 47-Jährige hat sich ein Pappschild umgehängt, an dem leere Zigarettenhülsen hängen. Ein Totenkopf prangt darauf und darunter steht: "Nichtrauchergesetz tötet meine Existenz." Auf Eberweins Rücken haben die Stammkunden seiner kleinen Kneipe "Fritzes Quelle" in Wunstorf unterschrieben für "Boykott statt Pleite". Eberwein ist einer von rund 2000 Demonstranten, die in Hannover gegen das niedersächsische Nichtraucherschutzgesetz protestieren.

Seit Einführung des Gesetzes im vorigen Jahr sei der Umsatz in "Fritzes Quelle" um 25 Prozent zurückgegangen. "90 Prozent meiner Kunden sind Raucher", sagt Eberwein. "Es muss doch möglich sein, meine Kneipe als Raucherkneipe auszuweisen. Wer nicht rauchen will, kann ja draußenbleiben."

Genau das fordert auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). "Wenn eine Kneipe als Raucherkneipe ausgewiesen ist, ist es die freie Entscheidung eines jeden mündigen Bürgers, sie zu betreten», sagt der Präsident des Dehoga Niedersachsen, Hermann Kröger, auf der Abschlusskundgebung. Laut einer Studie im Auftrag des Dehoga ging seit Einführung des Rauchverbotes der Umsatz in 40 Prozent der niedersächsischen Gaststätten um mehr als 10 Prozent zurück.

Wirte kämpfen um ihr eigenes Recht auf die Zigarette

Von der Landespolitik fordert Kröger deshalb, das Gesetz zu überdenken. Sonst gehe "besonders in Einraumkneipen und Saalbetrieben bald das Licht aus". CDU-Fraktionschef David McAllister will an dem Gesetz derzeit nicht rütteln. "Wir werden das Gesetz 2009 überprüfen", sagt er. Gerichtsverfahren dazu müssten erst abgewartet werden. Das Nichtraucherschutzgesetz, nach dem Rauchen in Kneipen nur noch in abgetrennten Räumen gestattet ist, war von allen vier Fraktionen im Landtag abgesegnet worden.

Während die Gastwirte demonstrieren, Plakate mit der Aufschrift "Tote Kneipen = Tote Stadt" oder dem Konterfei des passionierten Rauchers und Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt in die Luft recken, scheinen ihre Kunden sich mit der Neuregelung weitgehend arrangiert zu haben. Bislang haben die Kommunen kaum Bußgelder verhängt. Spitzenreiter ist Braunschweig. "Bisher sind zwölf  Bußgelder von jeweils zwischen 50 und 100 Euro verhängt worden", sagt Rainer Keunecke, Sprecher der Stadt. "Dabei waren es allerdings in den meisten Fällen nicht die Gäste, die verbotenerweise zur Zigarette griffen, sondern die Gastwirte selbst", berichtet er.

Auch die Mehrzahl der in Hannover demonstrierenden Gastwirte kämpft nicht allein für ihre Kunden, sondern für ihr eigenes Recht auf den blauen Dunst. Eberwein raucht seit frühester Jugend und will das weiterhin in seiner Kneipe dürfen. "Schließlich sind es meine vier Wände", sagt er und nimmt einen weiteren Zug von seiner Zigarre.

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