Rauchverbot : Sie sind am Zug

Rauchern in Deutschland weht ein kalter Wind entgegen. Doch der Abschied vom Nikotin fällt schwer. Sieben Methoden, die helfen, dem Rauchen zu entsagen.

Verena Friederike Hasel,Dagny Lüdemann
Rauchverbot
Was hilft gegen die alte Gewohnheit? -Foto: dpa

Zum Jahreswechsel haben acht weitere Bundesländer das Rauchen in Gaststätten verboten – darunter auch Berlin. Die noch fehlenden fünf Länder wollen im Sommer nachziehen. 20 Millionen Deutsche rauchen derzeit, ein Drittel bis die Hälfte von ihnen würde gern aufhören. Meist braucht es mehrere Versuche, bis man das schafft. Einige Methoden können die Entwöhnung unterstützen. Wir haben die bekanntesten zusammengestellt.

HYPNOSE

Eine Sucht hat ein Gedächtnis wie ein Elefant, das ist ihre besondere Heimtücke. Was Rauchern so schwerfällt, ist, sich die Zigarette aus bestimmten Momenten wegzudenken: Die Mittagspause, das erste Glas Wein am Abend und dabei nicht rauchen? Unmöglich. Hier setzt Hypnose an. Sie will den Menschen gegen das Suchtgedächtnis wappnen, zumindest in der Fantasie. Hypnose erzeugt Trance – einen Zustand der Tiefenentspannung, in dem die Vorstellungskraft besonders groß ist. Das nutzt der Hypnotherapeut, indem er seinem Klienten in Trance Vorstellungen von einem rauchfreien Leben präsentiert – die nächste Mittagspause, den Samstagabend in der Bar, ohne dass er den Qualm vermisst. In einer Studie der Universität Tübingen waren 48 Prozent der Raucher, die einen Hypnotherapeut aufgesucht hatten, nach einem Jahr noch abstinent. Eine Sitzung kostet zwischen 50 und 120 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen dieses Verfahren nicht. Auskunft über seriöse Hypnotherapeuten gibt die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (www.dgh-hypnose.de).

LITERATUR

Das Standardwerk für jeden Nichtraucher in spe ist Allen Carrs „Endlich Nichtraucher“. Und während der Lektüre kann man ruhig noch eine rauchen. Das wäre ganz in Carrs Sinne; er meinte, mit seinem Buch vergehe die Lust an der Zigarette wie von selbst. Was Carr seine einzigartige Methode nennt, ist in erster Linie der Versuch, maximal nervtötend zu sein. In fast liturgischen Wiederholungen weist der Autor, selbst Ex-Raucher, darauf hin, dass so etwas Teures, Ungesundes, Ekelhaftes wie Rauchen doch keinen Spaß machen könne. Und er hat recht: Mit seinem Buch in der Hand macht Rauchen wirklich keinen Spaß. Ein bisschen reizt es aber auch zum Trotz: Ätsch, du Spielverderber, ich rauche weiter. Carr selbst brachte seine Methode kein Glück. Letztes Jahr starb der 72-Jährige an Lungenkrebs – verursacht, so sagen Freunde, durch die rauchenden Menschen, die seine Seminare bevölkerten.

VERHALTENSTHERAPIE

Wer verhaltenstherapeutisch gegen das Rauchen vorgehen will, sollte sich selbst so interessiert beäugen wie ein überaus seltenes Tier im Zoo. Wann raucht dieses Tier und wieso, sind die entscheidenden Fragen. Diese Kopplung von Reiz – zum Beispiel Stress – und Reaktion – dem Griff zur Zigarette – zu verstehen, ist auch der erste Schritt im Nichtraucherkurs, den das DRK-Klinikum in Berlin-Köpenick anbietet (Anmeldung telefonisch unter 030 30 35 35 25). Dann überlegen sich die Teilnehmer alternative Verhaltensweisen – bei Stress lieber ein Spaziergang – und setzen sich einen Termin für den Start ins nikotinfreie Leben. Auskunft über seriöse Anbieter gibt der Nichtraucherbund Berlin auf seiner Seite www.nichtraucherbund-berlin.de. Verhaltenstherapeutische Seminare kosten meist zwischen 50 und 300 Euro, mitunter beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen, so auch beim DRK-Kurs. Weitere spezialisierte Verhaltenstherapeuten nennt das Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg unter 06221 424 200.

AKUPUNKTUR

Seltsam, neuerdings sieht man ihn immer mit drei Nadeln im Ohr statt mit einer Zigarette im Mund – ganz so läuft die Akupunktur zur Raucherentwöhnung nicht ab. Die alte fernöstliche Heilmethode hext die Sucht nicht fort, das betonen Akupunktur-Ärzte. Sie kann nur die Entzugserscheinungen – wie Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwitzen und großen Appetit – lindern. Dazu bekommt man drei bis fünf Nadeln ins Ohr gesetzt – dorthin, wo nach Meinung von Akupunkteuren Reflexpunkte des vegetativen Nervensystems sitzen. Ihre Stimulation soll beruhigend und ausgleichend wirken. Akupunktur muss man selbst zahlen. Eine Sitzung kostet zwischen 30 und 60 Euro; mehr als fünf Sitzungen sind meist nicht nötig. Der wissenschaftliche Nachweis für die Wirksamkeit von Akupunktur für die Raucherentwöhnung steht noch aus.

NIKOTINPFLASTER UND TABLETTEN

Langsam ausschleichen kann man zumindest die körperliche Nikotinabhängigkeit mit Pflastern, Kaugummis und Lutschtabletten. Sie geben Nikotin in den Körper ab und reduzieren es dann schrittweise. Die Erfolgsquote bei dieser Methode liegt bei sieben bis dreißig Prozent, je nachdem, ob man sich zusätzlich auch verhaltenstherapeutischer Maßnahmen bedient.

Eine andere Möglichkeit bieten die verschreibungspflichtigen Champix-Tabletten: Ihr Wirkstoff Vareniclin besetzt die Rezeptoren im Gehirn, an denen sonst Nikotin andockt; das Wohlgefühl beim Rauchen bleibt aus. In einer Studie lebten 22 Prozent der Ex-Raucher ein Jahr nach der Behandlung noch nikotinfrei. Allerdings klagten während der Einnahme 20 Prozent über Übelkeit und Kopfschmerzen.

DER TRICK MIT DEM GELD

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung will mit ihrer Kampagne „Rauchfrei 2008“ vor allem Jugendliche zum Aufhören bewegen. Wer es schafft, vier Wochen lang auf Tabak zu verzichten, kann bis zu 10 000 Euro gewinnen (www.rauch-frei.info). Aber auch ein ganz einfacher Trick verspricht Erfolg: Konsequent das Geld, das man sonst für Zigaretten ausgeben würde, in eine Spardose werfen. Wer bisher eine halbe Schachtel am Tag geraucht hat, wird schon nach einem Monat als Nichtraucher rund 100 Euro übrig haben. Und Psychologen sagen: Wer sich davon eine schöne Belohnung gönnt, stärkt das positive Gefühl des Nichtrauchens. So lässt sich das Belohnungszentrum im Gehirn, das bisher auf Nikotin reagierte, mit anderen Dingen zufriedenstellen. Mit Schokolade sollte man die Zigaretten jedoch nicht ersetzen; dann droht eine rasante Gewichtszunahme.

SPORT

Wer jahrelang stark geraucht hat, muss damit rechnen, nach dem Aufhören durchschnittlich 2,5 Kilogramm zuzunehmen. Denn Nikotin unterdrückt das Hungergefühl, betäubt die Geschmacksnerven, und allein der Abbau dieses Nervengiftes kostet den Körper so viel Energie, dass ein Raucher bei gleicher Ernährung bis zu 300 Kalorien am Tag mehr verbraucht als ein Nichtraucher. Hinzu kommt, dass einige Menschen dazu neigen, zunächst zur Ablenkung mehr zu essen. Doch Mediziner geben Entwarnung: Spätestens nach zwei Jahren gewöhnt sich der Stoffwechsel um, und die meisten ehemaligen Raucher finden zu ihrem Normalgewicht zurück. Wer sich zum Ausgleich mehr bewegt als vorher, kann der Gewichtszunahme aber auch von Anfang an entgegensteuern. Außerdem stärkt Sport das gute Körpergefühl. Und wenn ehemalige Raucher merken, dass sie wieder mehr Kondition haben, besser atmen können und sich körperlich fitter fühlen, motiviert das zum Durchhalten.

DER FESTE WILLE

Keine Nadel, kein Pflaster, kein Jogging hilft, wenn eins nicht da ist: die feste Überzeugung, dass Schluss sein muss mit dem Nikotin. Diesen Entschluss wird man noch häufig genug in Rauchschwaden aufgehen sehen, denn als Raucher hängt man an seinen Zigaretten. Drum sollte man sich nicht gleich ein ganzes Leben ohne sie vorstellen, sondern eine Politik der kleinen Schritte verfolgen: Zuerst heute, dann morgen, dann übermorgen sollte man für einen Tag den festen Willen haben, ein Nichtraucher zu sein.

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