Raumfahrt : Astronauten verlegen Sonnensegel

Mammutaufgabe im All: Zwei Astronauten haben heute mit der komplizierten Verlegung riesiger Sonnensegel an der Internationalen Raumstation ISS begonnen.

WashingtonDie Astronauten montierten außerdem eine Kran-Halterung an das Modul "Harmony", das erst am Freitag installiert worden war - ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung der Ankunft des europäischen Weltraumlabors "Columbus" im Dezember. Außerdem wurde das Gelenk an einem anderen Paar Solarflügel inspiziert, das in der letzten Zeit einige "Mucken" zeigte.

Im Mittelpunkt des auf rund sechseinhalb Stunden angesetzen Außenbordeinsatzes stand die Verlegung der als P6 bezeichneten Vorrichtung mit zwei älteren Sonnensegeln. Da dazu der Kran der ISS und der Roboterarm der angedockten Raumfähre aufeinander abgestimmt arbeiten mussten, galt das Abmontieren und die Neuinstallation der Halterung als eine der bisher schwierigsten Bauarbeiten an der ISS. Die Astronauten Scott Parazynski und Dan Tani waren an Bord des Space-Shuttle "Discovery" an der ISS eingetroffen.

Spannweite von 70 Metern

Die Segel mit einer Gesamtspannbreite von gut 70 Metern waren im Dezember 2000 in der Mitte der Station angebracht worden, um die ISS in der Anfangsphase mit Strom zu versorgen. Da die später zusätzlich montierten Segeln im Weg waren, wurden sie bei einer vorausgegangenen Shuttle-Mission eingefaltet.

Während des heutigen Außenbordeinsatzes entfernte das Astronauten-Duo zunächst die "Nabelschnur" zwischen P6 und der Station und mehrere Bolzen. Dann hievten zwei Kollegen mit Hilfe des ISS-Krans die mehr als 17.000 Kilo schwere Halterung samt eingefahrener Sonnensegel von der Station, um sie erst einmal an anderer Stelle "zwischenzuparken". Ihr endgültige Position soll die Vorrichtung am Dienstag während eines weiteren Außenbordeinsatzes erhalten. Dann sollen die Sonnensegel auch aus ihrer "Verpackung" geholt und wieder ausgefahren werden.

Schlafstätte für ISS-Dauerbewohner

Am Samstag hatten Astronauten erstmals das frisch anmontierte Modul "Harmony" besucht. "Discovery"-Kommandantin Peggy Whitson und ihr italienischer Kollege Paolo Nespoli schwebten in den neuen "Flügel" der Station und begannen damit, ihn einzugsfertig zu machen. "Harmony" in der Größe eines Kleinbusses soll künftig als zusätzliche Schlafstätte für ISS-Dauerbewohner dienen und damit eine Erweiterung der bisher dreiköpfigen Crew an Bord der Station ermöglichen. Vor allem aber wird das 15 Tonnen schwere Modul als "Korridor" zu "Columbus" dienen.

Zuvor wird "Harmony" aber noch einmal verlegt - Dazu musste am Sonntag auch die Kran-Halterung angebracht werden. Wenn die "Discovery" am 6. November wieder abgereist ist, soll die ISS- Besatzung mit Hilfe des Roboterarms der Station die bisher am Modul "Destiny" angebrachte Shuttle-Andockvorrichtung an "Harmony" anschrauben. Anschließend wird das neue Modul samt "Anlegestelle" wiederum an "Destiny" installiert - und bekommt so seine endgültige Position. (mit dpa)

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