Raumfahrt : "Atlantis" in der Warteschleife

Wegen Defekten an ihrem Hitzeschild müssen die Astronauten der US-Raumfähre noch einmal nach "draußen" und ihre Mission verlängern. Ein Hitzeschild muss wieder angenäht werden.

Astronaut an dere ISS
Erst haben sie die ISS repariert, jetzt müssen sie ihr eigenes Schiff flicken.Foto: dpa

WashingtonZwei Astronauten der US-Raumfähre "Atlantis" haben erfolgreich den ersten Weltraumspaziergang abgeschlossen. Jim Reilly und Danny Olivas nahmen Arbeiten an der Internationalen Raumstation (ISS) vor, wie der Fernsehsender der US-Raumfahrtbehörde Nasa berichtete. Ein Nasa-Verantwortlicher teilte auf einer Pressekonferenz mit, die Atlantis-Mission werde um zwei Tage und einen vierten Außeneinsatz erweitert, weil eine Reparatur des Hitzeschildes an der Unterseite der Raumfähre durchgeführt werden muss. Beim Start am Freitag hatte sich ein Stück der Verschalung am oberen Heck gelöst, wodurch ein etwa zehn mal 15 Zentimeter großes Loch am Hitzeschild entstand.

Dort ist die Ecke einer Isoliermatte umgeknickt. Sie steht jetzt wie ein Dreieck nach oben. Durch die starken Reibungskräfte beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre würde an diesem hervorstehenden Stück zusätzliche Hitze entstehen. Die hervorstehende Ecke kann nach den Worten von Flugdirektor John Shannon herunter gedrückt und dann mit einem Metallfaden angenäht oder mit Spezialklebstoff festgeklebt werden.

Sechs Stunden und 15 Minuten im Außeneinsatz



Innerhalb der Nasa bestehe Einigkeit darüber, den beim Start an der Raumfähre entstandenen Schaden zu beheben, sagte der stellvertretende Verantwortliche des Programms in Houston im US-Bundesstaat Texas. Die Ungewissheiten in der technischen Analyse und über mögliche Beschädigungen seien "inakzeptabel". Die Nasa musste die Zahl der Atlantis-Flüge in diesem Jahr bereits von fünf auf vier reduzieren, nachdem ein Unwetter den Außentank der Raumfähre beschädigt hatte, und will nun kein weiteres Risiko eingehen.

Die Astronauten verließen die Raumfähre dann am Montag um 22.02 MESZ und beendeten ihren Einsatz sechs Stunden und 15 Minuten später. Bei ihrem Ausflug ins All arbeiteten Reilly und Olivas unter anderem an den elektrischen Anschlüssen und der Klimaanlage der ISS und brachten mit Hilfe eines riesigen Roboterarms ein 17,5 Tonnen schweres und 14 Meter langes Segment mit Solarzellen zur besseren Energieversorgung an der Raumstation an. Das Bauteil,

das zunächst wie ein Fächer zusammengefaltet war, soll heute automatisch auf 70 Meter Breite entfaltet werden.

Rückkehr am 19. Juni

Die Raumfähre soll nach dem geänderten Zeitplan 13 Tage unterwegs sein und am 19. Juni zur Erde zurückkehren. Die sieben Atlantis-Astronauten und drei Besatzungsmitglieder der ISS sollen in dieser Zeit vor allem die Fähigkeit der Station zur Stromerzeugung verbessern. Zusätzlich zu dem Außeneinsatz am Montag sind zu diesem Zweck zwei weitere Einsätze am Mittwoch und am Freitag vorgesehen.

Es ist die 21. Reise eines Space Shuttles zur ISS und die fünfte Reise seit dem Unfall der "Columbia" im Februar 2003, bei der sieben Astronauten ums Leben kamen. Bis zum Jahr 2010 will die NASA noch mindestens 13 Raumfähren ins All schicken, um die umgerechnet rund 74 Milliarden Euro teure ISS fertigzustellen. Ihr Betrieb gilt als entscheidende Stufe vor den geplanten bemannten Missionen zum Planeten Mars. (mit AFP/dpa)

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