Raumfahrt : Russland erhöht Preise für Weltraumtouristen

Russland will Weltraumtouristen stärker zur Kasse bitten und mit neuen Angeboten locken. Ein einwöchiger Ausflug mit "Sojus"-Raumschiffen zur Internationalen Raumstation ISS soll künftig 21,5 Millionen Dollar kosten.

Berlin/Moskau - Bisher kostete der Ausflug rund 20 Millionen Dollar. Der Pressesekretär der Moskauer Raumfahrtagentur Roskosmos, Igor Panarin, begründete die Erhöhung mit der Inflation in seinem Land. Trotz des für den Normalbürger astronomischen Preises mangelt es nicht an zahlungskräftigen Kunden. Mehr noch: Gut Betuchte aus aller Welt stehen bei den Russen regelrecht Schlange, um sich den Traum eines Ausflugs ins Weltall zu erfüllen.

Roskosmos sieht das mit großer Freude. Denn bei einem eher schmalen Jahresbudget von umgerechnet knapp 900 Millionen Dollar für die zivile Raumfahrt ist das Land dringend auf diese Nebeneinnahmen angewiesen. Russland bekennt sich deshalb auch im Gegensatz zur US-Raumfahrtbehörde Nasa, die das mit einem Haushalt von 16,5 Milliarden Dollar lieber dem Privatsektor überlässt, ausdrücklich zum Weltraumtourismus und plant die Einnahmen fest ein.

Allerdings sind die Mitflugmöglichkeiten in den engen "Sojus"-Kapseln mit ihren lediglich drei Plätzen eher beschränkt. Bei derzeit nur zwei bemannten Missionen zur ISS pro Jahr können also bestenfalls zwei Weltraumtouristen mitfliegen. Für Mitte September dieses Jahres haben der japanische Geschäftsmann Daisuke Enomoto und für März 2007 die US-Amerikanerin iranischer Abstammung, Anousheh Ansari, ein Ticket gelöst. Sie ist zugleich die erste Weltraumtouristin überhaupt. Auf ihren Einsatz warten müssen dagegen noch Anwärter aus Malaysia, Südkorea und anderen Staaten.

Weltraumspaziergänge als neue Geldquelle

Als neue Geldquelle könnte sich für die Russen in absehbarer Zeit die Vermarktung von "Weltraumspaziergängen" auftun. Die US-Betreibergesellschaft Space Adventures, mit der Roskosmos eng zusammenarbeitet, hatte angekündigt, solche Ausstiege seien bereits 2007 oder 2008 möglich und kosteten etwa 15 Millionen Dollar. Die russische Seite reagierte postwendend und relativierte die Mitteilung. "Weltraumspaziergänge" von Kosmostouristen würden derzeit lediglich als "Möglichkeit" diskutiert, da einer der künftigen Kunden einen solchen Wunsch geäußert habe, war auf der Roskosmos-Website zu lesen.

Bevor es soweit sei, müsse man aber erst die Anforderungen formulieren, die entsprechende Kandidaten zu erfüllen hätten. Zudem seien noch keine Preise für das Abenteuer festgelegt worden, bei dem der Kosmoslaie auf jeden Fall von einem Profi-Astronauten begleitet werden müsse. Auch Flüge von Privatpersonen zum Mond hat die russische Seite schon ins Spiel gebracht. Der Chef des führenden Raumfahrtkonzerns "Energija", Nikolai Sewastjanow, hatte auf einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr in New York sogar den Preis dafür genannt: 100 Millionen Dollar. Auch hier hält sich Roskosmos offiziell bedeckt und will weder Vorhaben noch Preis bestätigen oder dementieren.

Tatsache ist aber, dass die Russen derzeit an einer digitalen Variante ihres "Sojus"-Raumschiffes arbeiten, das bereits 40 Jahre zuverlässig Dienst im erdnahen Raum tut. Die neueste Version der Kapsel soll nicht nur die ISS ansteuern, sondern auch den Mond umrunden können, ohne freilich zu landen. Sie würde sich also für Sightseeing-Flüge zum Erdtrabanten eignen und zudem zwei zahlende Gäste an Bord nehmen können. Denn die moderne Technik macht den Bordingenieur überflüssig und kommt mit nur einem Piloten aus. (Von Gerhard Kowalski, ddp)

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