Raumfahrt : Zwischenfall bei Kopplungsmanöver des "Progress"-Frachters

Beim Kopplungsmanöver zwischen einem russischen Frachtraumschiff und der Internationalen Raumstation ISS ist es am Donnerstag zu einem Zwischenfall gekommen.

Berlin/Moskau - Wie die russische Raumfahrtagentur Roskosmos am Abend mitteilte, habe das automatische Manöver von "Progress M-58" zwar pünktlich um 16.29 Uhr MESZ stattgefunden. Allerdings habe man die hermetische Verbindung zwischen dem Frachter und dem russischen Servicemodul "Swesda" erst im zweiten Anlauf herstellen können.

Da sich die Antenne des "Kurs"-Systems für die automatische Annäherung und Kopplung nicht wie vorgesehen zusammengefaltet habe, habe die Gefahr bestanden, dass sie in den Kopplungsmechanismus geraten sei und diesen beschädigt habe. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Deshalb habe man den Vorgang zur Herstellung der hermetischen Verbindung erfolgreich wiederholt. Russische Medien betonten, es habe zu keiner Zeit eine Gefahr für die ISS-Besatzung bestanden.

Dreiphasiges Kopplungsmanöver

Das Kopplungsmanöver vollzieht sich bei den russischen Raumschiffen in drei Phasen. In der ersten wird mittels eines Dorns, der in einen Konus einrastet, eine lose Verbindung zwischen beiden Raumflugkörpern hergestellt. Danach werden die Kopplungsaggregate beider Raumflugkörper mechanisch miteinander verbunden. In der dritten Phase wird dann die hermetische Verbindung hergestellt, die es erlaubt, die Luken zwischen beiden Raumschiffen zu öffnen.

Der Frachter hat rund 2,5 Tonnen Treibstoff, Wasser, Lebensmittel, Atemluft und Verbrauchsmaterialien sowie Ersatzteile für die Sauerstoffaufbereitungsanlage "Elektron" und wissenschaftliche Ausrüstungen an Bord. Die 14. ISS-Stammbesatzung mit Michail Tjurin (Russland), Michael Lopez-Alegria (USA) und dem deutschen Esa-Astronauten Thomas Reiter kann sich zudem auf frisches Obst und Gemüse sowie DVDs, CDs, andere Geschenke und Post von ihren Familien freuen.

Thomas Reiter bleibt bis Dezember

Das Raumschiff war am Montag vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan gestartet. Um Treibstoff zu sparen, wurde es auf eine dreitägige Aufholjagd zur Station geschickt. Normalerweise sind die Frachter wie auch die bemannten Raumschiffe nur zwei Tage dorthin unterwegs.

"Progress M-58" ist bereits der dritte Versorger, der in diesem Jahr an der ISS festmacht. Zuvor waren im April und Juni zwei Frachter mit Nachschub zur Station geflogen. Für Mitte Dezember ist ein weiterer Start vorgesehen. Tjurin und Lopez-Alegria werden bis März 2007 in der ISS arbeiten. Reiter, der schon seit Juli auf der Umlaufbahn ist, soll im Dezember mit dem US-Shuttle "Discovery" zur Erde zurückkehren. Seinen Platz als zweiter Bordingenieur nimmt dann die amerikanische Astronautin Serena Williams ein. (tso/ddp)

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