Raumstation ISS : Kosmonauten ohne Klo

Unangenehmer Zwischenfall im All: Die einzige Toilettenanlage der Raumstation ISS hat ihren Dienst quittiert. Astro- und Kosmonauten sind gleichermaßen ratlos. Und niemand will das Problem auf die lange Bank schieben.

Marie Preuß
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Die Perspektive auf die ISS, aufgenommen mit Blick auf die Erde. Sie ist rund 400 Kilometer von unserem Planeten entfernt. -Foto: ddp

Seit sieben Jahren nutzen Astronauten und Kosmonauten gemeinsam die russische Toilette an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Erst ein Mal versagte die ihren Dienst - damals konnte man sich jedoch selber helfen. Nun herrscht Ratlosigkeit ob des Wegfalls des einzigen Stillen Örtchens an Bord, während der Druck wächst und sich das Zeitfenster langsam schließt.

Wie die Internetzeitung Russland-Aktuell berichtet, kündigten sich die Probleme schon vor einer Woche an, als der Crew bei der Benutzung der Toilette im russischen Teil der Raumstation "Swesda" (Stern) laute Geräusche auffielen. Dann hörte "der Ventilator auf zu arbeiten": Die Trennung von Luft und Wasser funktionierte nicht mehr, hieß es in einem Bericht der Nasa.

Die Crew muss ausweichen

Zunächst sollten die Besatzungsmitglieder ihre Geschäfte in der Raumfähre "Sojus" erledigen, die allerdings nur für den Transport der Crew zur ISS-Raumstation vorgesehen ist und deswegen nur eine begrenzte Aufnahmekapazität haben. Mittlerweile hilft man sich mit einem anderen Notsystem, das allerdings auch nur ein paar Tage funktionstüchtig bleibt, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.

Der Abort im Orbit hat wenig mit einem weltlichen Klo gemein. Denn das könnte ohne Schwerkraft kaum funktionieren. Alle Crew-Mitglieder besitzen persönliche Urin-Trichter. An ihnen sind Schläuche befestigt, aus denen mit starkem Unterdruck Flüssigkeiten in einen Abwasser-Tank gesogen werden. Die Urin-Behälter müssen später dann zu einem Frachtschiff gebracht werden, das von der Station abgedockt wird und in den Weiten der Erdatmosphäre verglüht.

Nun ist damit zu rechnen, dass die Nasa einen Klempner oder zumindest Material zur Reperatur ins All schicken wird.  Wie eine Sprecherin des Raumfahrtzentrums in Houston gegenüber AP sagte, werde erwogen, im letzten Moment Ersatzteile für die Toilette nach Cape Canaveral zu fliegen. Problematisch wird es dann beim Transport der allzu benötigten Extrateile: Denn an Bord der Raumfähre Discovery ist der Platz knapp bemessen: Für den kommenden Samstag ist der Start der Discovery zur ISS geplant. Sie wird das japanische Wissenschaftsmodul "Kibo" zur Station bringen. Sein Name bedeutet: Hoffnung.
(Marie Preuß)

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