Raumstation : ISS muss Weltraumschrott ausweichen

Raketenstufen, Schrauben und Schraubenzieher, Isoliermaterial, Abdeckkappen – von unendlichen Weiten ist im Orbit bald nichts mehr zu sehen. Millionen Schrotteile kreisen mit rasender Geschwindigkeit um die Erde – und werden immer häufiger zur Gefahr für bemannte Missionen im All. Um einer ausgebrannten russischen Raketenstufe zu entgehen, musste die internationale Raumstation ISS nun ein Ausweichmanöver fliegen. Der zugemüllte Orbit ist aber nicht das einzige Problem der Astronauten.

ISS
Raumstation ISS. -Foto: dpa

Berlin/HoustonDie Internationale Raumstation ISS ist am Mittwoch einer ausgedienten russischen Raketenstufe ausgewichen. Dazu seien zwei der vier Triebwerke des europäischen automatischen Frachtraumschiffes ATV (Automated Transfer Vehicle) für rund fünf Minuten gezündet worden, teilt die US-Luft- und Weltraumbehörde Nasa auf ihrer Homepage mit.

Astronauten bleiben ruhig

Mit dem Manöver habe man verhindern wollen, dass der Weltraumschrott der Station zu nahe komme. In den vergangenen Monaten ist die Flugbahn der Station bereits viermal mit den ATV-Triebwerken geliftet worden.

Die 17. ISS-Stammbesatzung ließ sich von der außerplanmäßigen Ausweichaktion nicht aus der Ruhe bringen und setzte ihr normales Arbeitsprogramm fort. Der russische Bordingenieur Oleg Kononenko untersuchte bei einem wissenschaftlichen Experiment das Pflanzenwachstum in der Schwerelosigkeit.

Kosmische Mülltonne fast voll

Sein US-Kollege Greg Chamitoff wartete den Hometrainer, auf dem sich die Astronauten fit halten. Gemeinsam mit Kommandant Sergej Wolkow (Russland) luden sie ferner Nachschub aus dem ATV in die Station um und verstauten Abfälle in ihm.

Ein Raumfrachter, der Anfang April an der ISS angedockt hatte, wird im
September abgekoppelt. Anschließend soll die kosmische Mülltonne über dem Pazifik verglühen.

Computervirus erreicht den Orbit

Gefahr droht der ISS unterdessen nicht nur von außen, sondern auch von innen. Ein Computervirus hat es offenbar bis ins Weltall geschafft. Auf einem Laptop gelangte das Programm per Email an Bord der internationalen Raumstation ISS, teilte eine Sprecherin der US-Raumfahrtbehörde Nasa am Mittwoch mit.

Es handelt sich um eine Software, mit der Passworte und andere sensible Daten gestohlen und über das Internet an Hacker gesandt werden könnten. Das Kontrollsystem der Raumstation soll aber nicht von dem Virus befallen sein, da die Laptops nicht an die Kontrollsysteme der ISS oder das Internet angeschlossen sind, betonte die Sprecherin.

Die Nasa nimmt die Bedrohungen durch bösartige Computerviren jedoch sehr ernst. Techniker auf der Erde arbeiten gemeinsam mit der ISS-Besatzung an der Beseitigung des "Ärgernisses". Laut Nasa-Angaben ist es nicht das erste Mal, dass ein Computervirus sich an Bord der ISS geschmuggelt hat. Zwar handle es sich nicht um ein häufiges Vorkommnis, dennoch "ist es schon zuvor passiert".   (iba/ddp/AFP)  

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