Reality-TV : Rassistische Beschimpfungen bei Big Brother

Skandal in der englischen Version von "Big Brother": Die Beschimpfungen der "Ex-Miss-Great-Britain", Danielle Lloyd, waren den Zuschauern zu viel. Eine Beschwerde-Lawine ging bei der TV-Aufsichtsbehörde ein.

London - Die einstige "Miss Great Britain" war sich sicher, was die schöne dunkelhäutige Schauspielerin Shilpa Shetty aus Indien möchte. "Sie will weiß sein, sie ist eine Hündin", blaffte die britische Ex-Schönheitskönigin Danielle Lloyd live vor einem Millionenpublikum. Natürlich gilt das Rausekeln von Mitbewohnern des "Big Brother"-Hauses auch in Großbritannien als Kampfziel des Spiels. Aber das ging vielen Zuschauern doch zu weit, zumal die Hautfarbenäußerung längst nicht der einzige gehässige Angriff auf die Inderin war.

Innerhalb von 48 Stunden trafen weit mehr als 10.000 Beschwerden wegen "rassistischer Schikanierung" bei der TV-Aufsichtsbehörde sowie beim Sender Channel 4 ein. Die Wogen erreichten nicht nur das Westminster-Parlament, wo ein Abgeordneter eine Untersuchung forderte, sondern sogar Scotland Yard: Die Polizei prüft, ob einige scharf formulierte E-Mails an "die Beleidiger Shilpa Shettys" den Tatbestand der Drohung mit Mord oder Körperverletzung erfüllen.

"Inder sind so dünn, weil sie ihr Essen nicht richtig abkochen"

Nur der berüchtigte US-Talker Jerry Springer hatte in Großbritannien mit einer seiner Ekelshows mehr Beschwerden ausgelöst als die derzeitige "Big Brother"-Staffel. Der Labour-Abgeordnete Keith Vaz sieht in den Beleidigungen Shettys das Grundmuster "eines rassistischen Verhaltens, das nicht hinnehmbar ist". So musste sich die 31-Jährige, die bereits in 51 Bollywood-Filmen zu sehen war, von Jo O'Meara, einst Mitglied der Popband "S Club 7", sagen lassen: "Inder sind so dünn, weil sie ihr Essen nicht richtig abkochen" und daher "dauernd krank sind".

Andere im "BB House" wollten nicht mit Shilpa das Essen teilen, weil sich "Leute wie die" angeblich die Hände nicht richtig waschen. Die Boulevardzeitung "Mirror" brauchte nur zwei Worte, um die Empörung Tausender auf den Punkt zu bringen: "EVICT THEM" stand am Mittwoch in Riesenlettern auf Seite 1 ("Werft sie raus!"). Der Schauplatz wäre nicht England, wenn nicht sofort die Buchmacher eingestiegen wären. Sie bieten Wetten an, ob und wann die jetzige Containertruppe vorzeitig nach draußen gebeten wird.

Verstärkte Kontrollen angekündigt

Große, zumindest moralische Siegerin wäre dann die Frau aus Indien. Von allein werde Shetty auf keinen Fall gehen, schrieb der indische Autor Hari Kunzru im "Guardian": "Als Tamilin hat sie in Bombay sicher gelernt, mit Diskriminierungen umzugehen." Immer wieder wurde in der britischen Diskussion um "Big Brother" eine Frage aufgeworfen, die auch für den Start der nächsten Staffel in Deutschland relevant ist: Wie wollen die Veranstalter derartige Ausfälle vermeiden?

Der Abonnentenkanal Premiere, der die siebte "BB"-Staffel vom 5. Februar an 24 Stunden täglich live übertragen wird, hat bereits verstärkte Kontrollvorkehrungen angekündigt. Künftig werden dort drei statt zwei redaktionelle Kräfte den Verlauf von "Big Brother" überwachen, um bei verbalen Entgleisungen abzuschalten.

Ob das bei der Dauershow von insgesamt 150 Tagen immer gelingt, bleibt abzuwarten. Mit Grausen erinnern sich viele Fernsehleute daran, wie im Oktober 2004 ein Bewohner des Show-Haues in Köln während der Live-Übertragung Judenwitze erzählte, ohne dass die Premiere-Aufpasser es rechtzeitig merkten. Den beiden wurde fristlos gekündigt, aber das hat das Gesagte nicht zurückgeholt. (Von Thomas Burmeister, dpa)

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