Red-Bull-Colaverbot : "Mohnbrötchen sind gefährlicher"

Deutschlands Cola-Welt ist geteilt: Einige Bundesländer haben ein Erfrischungsgetränk des österreichischen Herstellers Red Bull aus dem Verkehr gezogen. Ernährungsexperten halten wenig vom Red-Bull-Colaverbot. Was denken Sie? Diskutieren Sie mit!

Berlin - Ausgangspunkt der Aktion war eine Stichprobe des nordrhein-westfälischen Landesinstitutes für Gesundheit und Arbeit. Die Chemiker hatten in dem Getränk eine sehr geringe Konzentration von 0,4 Mikrogramm Kokain je Liter gefunden. „Es bestand keinerlei Gefahr“, sagte der Sprecher des NRW-Verbraucherministeriums, Wilhelm Deitermann. Allerdings falle das Getränk wegen der Spuren unter das Betäubungsmittelgesetz.

Auch in Berlin haben einige Handelsketten das Getränk aus dem Verkehr gezogen, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz, Marie-Luise Dittmar. Das Bundesland warte nun wie andere auf die Prüfergebnisse des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Ernährungsexperte und Buchautor Udo Pollmer („Wer gesund isst, stirbt früher“) warf den Behörden Aktionismus vor. „Da kann man gleich Mohnbrötchen und Geldscheine verbieten“, sagte Pollmer dem Tagesspiegel und verwies auf Morphinspuren in Blaumohnkörnern und mit Kokain verunreinigte Banknoten. Pollmer macht einen „gefährlichen Aktionismus von Gesundheitsaposteln“ für die vorläufigen Verkaufssperre verantwortlich: „Wäre das Problem im Sprossensalat aufgetreten, würde niemand schreien“, sagte er und sprach von „Theaterdonner“. Weitaus gefährlichere gesundheitliche Risiken wie etwa der Verzehr von Kartoffelschalen in Säuglingsnahrung oder der übertriebene Gebrauch von Süßstoffen in Lebensmitteln verdienten viel mehr das Augenmerk der Behörden.

Red Bull verwendet für sein „Wachmacher“-Getränk einen Extrakt aus Kokablättern, aus dem Kokain entzogen wurde. „Aktuelle Analysen haben bestätigt, dass der verwendete Blattextrakt unbedenklich ist“, teilte das Unternehmen mit. Die Cola gelte wie andere Lebensmittel mit Kokablattextrakt in der EU und in den USA als unbedenklich.

Teile des Kokastrauchs (Erythroxylum coca) werden in einigen Lebensmitteln verwendet. Allerdings wird das süchtig machende Kokain vorher entzogen. Das Bundesverbraucherschutzministerium in Berlin wies darauf hin, dass Verbraucherschutz Sache der Länder sei, dort würde über Verbote entschieden. SB/kög

Was denken Sie? Halten Sie den Verzehr von Red-Bull-Cola für bedenklich und deshalb das Verbot in einzelnen Bundesländern für richtig? Oder geben Sie dem Ernährungsexperten Pollmer Recht, der das Verbot im Aktionismus von Gesundheitsexperten begründet sieht? Diskutieren Sie mit! Nutzen Sie dafür die Kommentarfunktion unter dem Artikel!

0 Kommentare

Neuester Kommentar