Welt : Red Bull: Der "Power-Drink" beflügelt nicht mehr

Hendrik Bebber

Der Inhalt von dreihundert Millionen Dosen Red Bull verschwindet jährlich hinter britischen Kehlen - das ist nahezu ein Drittel des Weltexportes des österreichischen Erfrischungsgetränks. Nun wird es manchen Genießern des "Power Drinks" etwas mulmig: In großer Aufmachung berichten britische Zeitungen über den Tod von drei jungen Schweden. Sie starben urplötzlich nachdem sie Red Bull getrunken hatten. Zwei hatten das Getränk in einem Nachtclub mit Wodka gemixt. Der andere trank mehrere Dosen nach einem harten Training in einem Stockholmer Sportstudio. Die schwedische Aufsichtsbehörde für Lebensmittel hat deswegen eine Untersuchung in Gang gesetzt.

Eine solche Studie läuft derzeit auch in Irland. Dort starb im vergangenen Jahr der 18-jährige Basketball-Spieler Ross Cooney, der sich mit drei Dosen Red Bull für ein Match gestärkt hatte. Er litt zwar an verdickten Arterienwänden im Herz, aber der "Coroner", der nach britischem und irischen Recht über ungeklärte Todesursachen entscheidet, empfahl, dass ein möglicher Zusammenhang mit dem Genuss von Red Bull untersucht wird. Derselben Frage gehen auch die Schweden jetzt nach. Wie Anders Glynn von der staatlichen Lebensmittelaufsicht in Stockholm erklärte, soll besonders die Wirkung von hohen Dosen Koffein und Taurin untersucht werden, die sich als Muntermacher in dem Getränk befinden. Die Wissenschaftler konzentrieren sich dabei auch auf mögliche fatale Konsequenzen, wenn Red Bull mit Alkohol gemixt wird. Im April ergab eine Untersuchung, die Ärzte im St. James Krankenhaus von Dublin anstellten, dass schon zwei Dosen von Red Bull die Arterien im Körper entweder erweitern oder versteifen.

In Norwegen, Dänemark und Frankreich darf Red Bull wegen seines hohen Koffein-Anteils sogar nur in Apotheken verkauft werden. Bei den Briten sind die popigen Dosen mit dem roten Stier jedoch der Kult-Drink, mit dem sich die "Goldjungen" an der Londoner Börse bei nächtlichen Transaktionen ebenso fit halten, wie die Raver in den Dance-Clubs. Die britische Lebensmittelaufsichtsbehörde verlässt sich vorläufig noch auf die Versicherung der Hersteller, dass ihr Produkt, das seit 14 Jahren verkauft wird, laut "rigorosen medizinischen Tests absolut sicher ist". Vorsorglich informiert jedoch ein Aufkleber Personen, die an Koffein-Unverträglichkeit leiden, über die Dosis.

Die Briten wollen nun erst die schwedische Untersuchung abwarten, bevor sie selbst die Unbedenklichkeit von Red Bull überprüfen. Übelkeit, Herzklopfen und Kopfschmerzen, wie manche Fans von Red Bull besonders nach vielen Dosen klagen, haben nichts an der Popularität des Getränkes geändert, das in Großbritannien jährlich Umsätze von 1,2 Milliarden Mark bringt. Und selbstverständlich feierte Goran Ivanisevic und seine Freunde den Wimbledon Sieg mit einem Cocktail aus Wodka und Red Bull. Red Bull verleiht Flügel, heißt es in der Werbung. Wenn dem Käufer da mal keine Hörner aufgesetzt werden.

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