Welt : Reemtsma-Entführer: Argentinien liefert Drach aus

Der mutmaßliche Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird Behördenangaben zufolge am Samstag nach Deutschland ausgeliefert. Das Flugzeug aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires werde voraussichtlich am Samstag um 10.00 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen landen, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) am Freitag mit. Der Hamburger Polizei zufolge wird Drach anschließend nach Hamburg geflogen, wo er zwischen 12.00 und 13.00 Uhr erwartet wird. Drach gilt als Kopf der Bande, die 1996 den Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma entführte und ein Millionen-Lösegeld erpresste. Die argentinische Polizei hatte bereits am Donnerstagabend die unmittelbar bevorstehende Auslieferung des mutmaßlichen Reemtsma-Entführers Thomas Drach trotz einer Verfassungsbeschwerde des Deutschen bestätigt.

Die Hamburger Polizei teilte weiter mit, der 40-jährige Drach werde am Samstag vom Flughafen Hamburg aus ins Polizeipräsidium gebracht. BKA-Beamte hatten seit Mitte der Woche in Buenos Aires die Auslieferung Drachs vorbereitet. Der argentinische Präsident Fernando de la Rua hatte vergangene Woche eine Anordnung zur Auslieferung unterzeichnet. Damit verzichtet Argentinien auf eine Strafverfolgung Drachs wegen Einreise mit gefälschtem Pass. Der Kölner war 1998 mit einem britischen Pass aus Uruguay nach Argentinien eingereist, um ein Konzert der "Rolling Stones" zu besuchen. Im März 1998 wurde er in Buenos Aires von Zielfahndern des BKA aufgespürt. Die argentinische Polizei nahm ihn fest.

Der Millionär Reemtsma war vor vier Jahren 33 Tage lang in einem Versteck in Norddeutschland festgehalten und dann für 30 Millionen Mark Lösegeld freigelassen worden. Von dem Geld ist bisher nur ein kleiner Teil aufgetaucht. Zwei Mittäter der Entführung verbüßen in Hamburg bereits langjährige Haftstrafen. Drach muss mit einer Haftstrafe zwischen fünf und 15 Jahren rechnen.

Nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft soll noch in diesem Jahr Anklage gegen Drach wegen erpresserischen Menschenraubs erhoben werden. Länger könnte es allerdings dauern, falls Drach Angaben zum Verbleib des Geldes oder zum Verlauf der Entführung machen sollte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bisher habe die deutsche Kriminalpolizei noch keine Gelegenheit gehabt, Drach zu verhören.

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