Regie-Legende auf der Bühne : Zu Besuch in Woody Allens Probenlokal

Jeden Montagabend spielt Woody Allen in einem New Yorker Café Dixieland-Jazz - griesgrämig und scheu. Trotzdem stehen die Fans Schlange.

Lars Halter
Geheimtipp: Woddy Allen spiel jeden Montag Dixieland-Jazz in einem New Yorker Café.
Geheimtipp: Woddy Allen spiel jeden Montag Dixieland-Jazz in einem New Yorker Café.Foto: AFP

„80 Prozent des Erfolges ist, überhaupt da zu sein“, hat Woody Allen einmal gesagt. So gesehen war das jüngste Konzert des Jazz-Liebhabers im New Yorker Café Carlyle ein Erfolg: Woody Allen war nämlich da. Rein physisch betrachtet. Er ist regelmäßig da, jeden Montagabend, und dann spielt er mit der Eddy Davis New Orleans Jazz Band klassischen Dixieland.

Für Touristen ist die wöchentliche Show ein Geheimtipp, und er kann zu einer derben Enttäuschung werden: Tische sind für die gesamte Saison ausgebucht, von rund 50 wartenden Fans schaffen es diese Woche nur sieben auf Barhocker – der Rest geht nach Hause. Für die anderen kommt es schlimmer.

Dass der legendäre Regisseur die Öffentlichkeit scheut, ist bekannt und nicht zu übersehen. Gebückt schlurft Woody Allen in den Saal, er schaut kein einziges Mal auf, weil er keine Fotos mag. Er steigt auf die Bühne und bläst lustlos wie luftlos in seine Klarinette, stets ohne Blickkontakt zum Publikum. Doch nicht nur die Fans sind ihm fremd. Selbst mit seiner Band scheint der Meister des skurrilen Humors nichts anfangen zu können. Nach jedem Stück wird beraten, was gespielt werden soll. Es geht zu wie im Probelokal. Griesgrämig flüsternd berät sich Allen mit dem fröhlichen Bandleader Eddy Davis, dann kommt die nächste Pleite. Wäre der Mann an der Klarinette nicht eine lebende Legende, würde sich kein Mensch für das Konzert interessieren, schon gar nicht in New York, wo Jazz-Pilger unter Dutzenden legendärer Klubs wählen können.

Kräftigen Applaus gibt es dennoch, ganz klar: Eddy Davis weiß, dass für die meisten die Musik nur Beiwerk ist. Die Fans zahlen mehr als 200 Dollar für Konzert und Dinner – nicht für Jazz, sondern um ein Genie zu sehen, das nicht gesehen werden will.

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