Reise :   RECHT & REISE 

Ungestört Hat eine alleinreisende Frau an ihrer Hotelzimmertür das Schild „Bitte nicht stören!“ angebracht, so darf der Hotelier diese Aufforderung ernst nehmen und muss nicht kontrollieren, ob ihr etwas zugestoßen sein könnte. Dies auch dann, wenn (wie hier) der Ehemann der Frau mehrfach anruft und dazu auffordert, die Tür zu öffnen, weil sich seine Frau bei ihm an diesem Tag noch nicht „gemeldet“ habe. Denn es könnte sein, so das Gericht in Übereinstimmung mit dem Hotelmanager, dass die Frau im wahren Sinne des Wortes „nicht gestört“ werden wollte... Hier war allerdings kein amouröses Abenteuer zu vertuschen; die Ehefrau war vielmehr nach einem akuten Nierenversagen ins Koma gefallen und litt noch lange nach der Reise an den Folgen. Das Hotelpersonal hatte das Zimmer erst am nächsten Tag geöffnet. Der Reiseveranstalter brauchte keine Reisepreisminderung plus Schadenersatz zu leisten, weil das Gericht das Verhalten des Hotels billigte. Der „massive Eingriff in die Privatsphäre der Hotelgäste“ sei vorher objektiv nicht zu rechtfertigen gewesen. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/19 O 153/08)

Lügen Streiten Reiseveranstalter und Urlauber darüber, ob eine – ansonsten nicht angezweifelte – Lärmbeeinträchtigung am Urlaubshotel rechtzeitig beim Reiseveranstalter an Ort und Stelle angezeigt worden ist, so ist die Aussage einer Mitarbeiterin des Unternehmens vor Gericht nichtig, wenn sie sagt, der Reiseleiter sei regelmäßig zu den festen Sprechstunden erschienen, der Reiseleiter selbst jedoch angibt, er habe einen Termin „ausfallen lassen müssen“. Dieser Termin war in die Zeit des Aufenthalts der Reisenden gefallen. Die weiteren Äußerungen der Angestellten haben wegen ihrer unzutreffenden Aussage dann keinen Wert mehr. Hier bekam ein Urlauberpaar für sieben Tage ihres insgesamt 21 Tage langen Aufenthalts in einem Hotel 50 Prozent Minderung des Reisepreises wegen erheblicher Ruhestörungen durch Bauarbeiten zugesprochen. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 29/07)

Überfall Werden Reisende auf dem Weg zwischen dem Flughafen und dem Hotel in einem Bus des Reiseunternehmers überfallen, so liegt kein Reisemangel vor, für den der Veranstalter zum Schadenersatz verpflichtet ist. Das hat das Gericht entschieden. Passiert war das Malheur in Brasilien, wo bewaffnete Banditen die Urlauber (die für die Reise bis zu 4000 Euro bezahlt hatten) auf dem Bustransfer überfielen, sie zwar körperlich in Ruhe ließen, ihnen aber ihr gesamtes Hab und Gut abnahmen. Ein klagendes Ehepaar wollte neben den insgesamt 6000 Euro teuren gestohlenen Gegenständen eine 50-prozentige Reisepreisminderung durchsetzen und außerdem eine Entschädigung für nutzlos aufgewandte Urlaubszeit haben. Das Landgericht folgt dem aber nicht. Raubüberfälle und Diebstähle während einer Reise gehörten grundsätzlich zum allgemeinen Lebensrisiko, wofür der Reiseveranstalter nicht einzutreten habe. Auch habe der Veranstalter nicht die Pflicht gehabt, vor der Reise auf die in Brasilien herrschende Kriminalität hinzuweisen. Dabei handele es sich um eine „allgemein bekannte Tatsache“...) (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/19 O 105/08)

Hafenattraktion Ist im Rahmen einer achttägigen Ostseekreuzfahrt unter anderem vorgesehen, den Hafen von Stockholm anzusteuern und sich dort 17 Stunden aufzuhalten, so dürfen die Teilnehmer den Reisepreis nachträglich mindern, wenn der Stopp in Stockholm ausfällt, ein wesentlich weniger interessanter Ort in 60 Kilometern Entfernung angefahren und von dort ein Bustransfer in die schwedische Hauptstadt angeboten wird. Das Gericht bewertete den Ausfall als „erheblich“, weil er bei einer nur acht Tage dauernden Reise schwer ins Gewicht falle. Das gelte insbesondere dann, wenn das Anlaufen des Hafens von Stockholm als eine von vier Attraktionen ausfalle. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 262 C 337/09) büs

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