1000 Orte, die man gesehen haben muss : Lebensliste für Weltreisende

Sie packt ihren Koffer in einer halben Stunde, mag Venedig im Januar – und langweilt sich am Strand. „Wer gut essen will, reist nach China“ Die New Yorkerin Patricia Schultz weiß, wo die schönsten Orte der Welt sind. 1000 empfiehlt sie.

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Die Autorin des Buches, 1000 places to see before you die, Patricia Schultz im Gespräch mit dem Tagesspiegel.
Die Autorin des Buches, 1000 places to see before you die, Patricia Schultz im Gespräch mit dem Tagesspiegel.Foto: Kaiser

Patricia Schultz, „1000 places to see before you die“, Ihre Lebensliste für Weltreisende erschien 2003 zum ersten Mal. Nun liegt eine Neuausgabe vor, schon ins Deutsche übersetzt. 200 neue Ziele finden sich in dem Kultbuch – und dafür waren Sie vermutlich wieder fleißig unterwegs. Haben Sie überhaupt noch Lust aufs Kofferpacken?

Mein Koffer ist immer in Reichweite, er steht – ehrlich gesagt, zum Ärger meines Mannes – gleich neben der Eingangstür unserer Wohnung. Der Koffer ist schnell gepackt, eine halbe Stunde, bevor ich zum Flughafen muss, fange ich damit an. Es kommen ja immer die gleichen Dinge mit, ich vergesse nie etwas. Ich habe im Lauf der Zeit gelernt, dass man immer fünfzig Prozent zu viel einpackt – und mich drauf eingestellt. Damit ich abends zum Dinner oder zu Kulturveranstaltungen gehen kann, bringe ich eine Perlenkette, einen Schal oder schöne Ohrringe mit. Damit kann ich aufpeppen, was ich auch tagsüber trage.

Was bedeutet das Reisen für Sie?

Für mich ist das Reisen ein Privileg. Es lehrt eine Menge, ist inspirierend und dazu noch ein großer Spaß. Man trifft neue Menschen, sieht tolle Dinge, hört Musik, entdeckt Kunst, es ist eine Freude. Alles was ich weiß, habe ich auf Reisen gelernt. Was ich vom Zweiten Weltkrieg in Berlin weiß, habe ich nicht aus einem Lehrbuch oder von der Universität. Ich habe es hier gelernt, bei den drei, vier Malen auf Besuch in der Stadt.

Haben Sie die Orte fürs Buch zufällig gefunden oder haben Sie sie nach einer Liste abgeklappert?

Der Inhalt des Buches war nicht vorhersehbar. Ich habe viele Jahre im Team Reiseführer geschrieben. Da musste man bestimmte Raster bedienen. Für mein Buch hatte ich die Möglichkeit, alles selbst zu entscheiden. Mein Verlag hat mir die Carte blanche gegeben, ich war völlig frei in meiner Auswahl. Deshalb sind manche Ländern mit mehr Orten vertreten als andere.

1000 Orte, du lieber Himmel, wer soll das schaffen? Ist es nicht eine Anleitung, durch die Welt zu hetzen und nur abzuhaken?

Das Buch ist ein Werkzeug, eine Quelle der Inspiration. Es öffnet den Horizont.Jeder kann es auf seine Weise nutzen. Es ist für junge Leute, die ein ganzes Jahr Zeit haben, es ist für ein pensioniertes Ehepaar, das vielleicht das erste Mal eine große Reise macht, und es ist für alle Leute dazwischen. Das Buch zeigt die Möglichkeiten, je nach Zeit oder Budget kann jeder sein eigenes Abenteuer finden.

Haben Sie ein Ranking für Orte?

Nein. Journalisten, vor allem die von Magazinen, wollen immer die „Top-Orte“ wissen. Die „Top Five“ für Romanzen, Architektur oder Strände. Ich möchte die Tops ersetzen durch Favoriten. Und meine Favoriten sind die Liste der 1000. Es sind spezielle Orte für unterschiedliche Vorlieben. Der eine will vor allem baden, der andere Kunst sehen oder gut essen.

Hoppla, jetzt wird’s lecker. Die Küche in China ist facettenreich wie das riesige Land. In Peking kann man von allem probieren.
Hoppla, jetzt wird’s lecker. Die Küche in China ist facettenreich wie das riesige Land. In Peking kann man von allem probieren.Foto: IMAGO

Wo speist man am besten auf der Welt?

Frankreich ist ein passendes Land für Gourmets, aber es muss nicht Paris sein. In Lyon und in der Provence speist man hervorragend. Dann muss man nach China, da findet man eine unglaubliche Vielfalt an Zutaten und Gerichten. Marokko ist auch klasse, da schmeckt vieles ungewohnt und exotisch. Italien darf man natürlich nicht außer Acht lassen. Dort habe ich fünf Jahre gelebt, und ich kann mich nicht erinnern, auch nur ein einziges Mal schlecht gegessen zu haben.

Manche Menschen reisen, um zu shoppen. Gibt es eine Einkaufsmetropole?

Oh, ich bin keine Einkäuferin, für mich ist das verlorene Zeit. Schuhe, Schmuck, Kleidung, ich gebe mein Geld lieber für andere Dinge aus. Es reicht mir, in den Auslagen zu sehen, was es alles gibt.

Viele Menschen möchten auf Reisen intakte Natur erleben. Was raten Sie ihnen?

Amerika, unbedingt. Die Nationalparks bei uns sind sicher die beeindruckendsten, größten und variantenreichsten weltweit. Wir haben ja schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, Schutzräume auszuweisen. Aber ein Favorit ist auch ein Nationalpark in Chile und das mittelamerikanische Land Costa Rica. Prozentual gesehen, gibt es nirgendwo mehr geschützte Landfläche als dort.

In Ihrem Buch führen Sie auch die Alhambra in Granada auf. Schon heute zieht es immer mehr Reisende dorthin, und der Zauber des Ortes verliert sich bei all den Menschen. Statt dem Plätschern der Brunnen lauschen zu können, hört man klickende Kameras, laute Gespräche und Handyklingeln. Soll man Menschen da noch hinschicken?

Wer noch nie dort war, sollte in jedem Fall mal hinfahren. Viele Schriftsteller schwärmten davon. Es ist herrlich. Man muss nur genau überlegen, wann man die Alhambra besucht. Natürlich nicht in der Hochsaison, sondern früh am Morgen oder spät, wenn die meisten weg sind. Auch Venedig kann man immer noch anschauen. Ich liebe es dort im Januar und Februar, dann sind im Grunde nur die Einheimischen da.

In Ihrem Buch finden sich auch Hoteltipps. Aber diese Unterkünfte sind nicht eben günstig.

Für mich ist ein Hotel sehr wichtig. Ich laufe meist den ganzen Tag draußen herum und halte mich nicht sehr lange in meinem Zimmer auf, aber wenn ich dort bin, will ich mich wohlfühlen. Andere Leute sparen bei der Unterkunft und bleiben dafür lieber ein, zwei Tag länger am Ort.

Wie wichtig sind Sprachen, wenn man die Welt entdecken will?

Es gibt nur wenige Länder, in denen man mit Englisch nicht zurechtkommt. Auch in Brasilien, ein Lieblingsland von mir, können vor allem junge Leute meist etwas Englisch. Im Übrigen sind die Menschen dort so freundlich und hilfsbereit, dass man keine Probleme hätte, auch wenn man nur Chinesisch könnte.

Lebensliste für Weltreisende.
Lebensliste für Weltreisende.Foto: Promo

Wohin reisen Sie persönlich, wenn Sie Urlaub machen wollen?

Ferien, das bedeutet für mich, weg von zu Hause und allen möglichen Verpflichtungen zu sein. Aber ich verstehe unter Ferien nicht einen Strand, Palmen oder einen Drink. Ich muss nicht relaxen oder faul herumliegen. Meine Großmutter hat immer gesagt: „Entspannen kann man, wenn man tot ist.“ Ich finde, das stimmt. Ferien sind gelungen, wenn man Neues erlebt hat und deshalb mit neuer Energie heimkehrt. Ich will das Leben maximal auskosten, das kann ich nicht, wenn ich nur am Strand sitze. Das frustriert mich nur. Mein Mann allerdings fühlt sich wohl dort. Ich lasse ihn am Strand, nehme ein Taxi und fahre, wenn es eine Insel ist, rundherum. Irgendwo treffe ich dann Einheimische – und nichts ist mehr langweilig.

Das Gespräch führte Hella Kaiser.


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