Reise : Abschlag in Belek

Die türkische Riviera ist ein Dorado für Golfer

Bernhard Krieger (dpa)
Sport im Freien – im Süden der Türkei auch im Winter möglich. Foto: dpa
Sport im Freien – im Süden der Türkei auch im Winter möglich. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa-tmn

Im Sommer ist Belek ein Badeort wie viele andere. Kinder planschen im Meer, Sonnenhungrige brutzeln auf in Reih und Glied angeordneten Strandliegen vor sich hin. Naht der Herbst, wird das Meer an diesem kleinen Abschnitt der türkischen Riviera plötzlich zur Nebensache. Dann verwandelt sich die Bucht bei Antalya in ein Golfer-Paradies.

Mittlerweile 14 perfekt gepflegte 18-Loch-Plätze locken immer mehr Golfer an. 400 000 Runden wurden hier 2010 gespielt. In diesem Jahr werden es noch mehr sein. Belek erfüllt fast alle Wünsche von Golfurlaubern: schöne Plätze, warmes Wetter, gute Hotels, faire Preise und gute Fluganbindungen.

Hinzu kommt die Kulisse: Die Zweitausender des lykischen Taurus-Gebirges flankieren die türkis schimmernde Bucht. In der Abendsonne leuchtet das satte Grün der Golfplätze, die von majestätischen Pinien und Oleander durchzogen sind. Die Anlagen sind der Motor des Aufschwungs in der Region. Umweltschützer kritisieren allerdings, dass dafür ganze Wälder gerodet wurden und Unmengen von Wasser verschwendet werden.

Für die Urlauber sind die Anlagen von Luxushotels wie dem „Kempinski The Dome“ oder dem „Robinson-Club Nobilis“ grüne Inseln in einer kargen Landschaft. Kaum ein Urlauber verlässt die Ferienoasen, von Spöttern „Ghettos“ genannt. Warum auch? Die Resorts bieten mehr als die Stadt Belek. Dort reihen sich vor allem Läden mit Souvenirs, billigen echten und noch billigeren gefälschten Designerklamotten aneinander. Schöner sitzt man da auf der Dachterrasse eines Golfclubs, wo den Gästen statt der üblichen Riesenbuffets gegen Aufpreis ein Neun-Gänge-Menü kredenzt wird.

Von der Terrasse schweift der Blick über den von Schildkröten bewohnten Parklandkurs. „Ein Platz, der wohlwollend und fehlerverzeihend ist“, erklärt Hoffmann. Die für Profiturniere konzipierten Plätze Montgomery und National sind schwer, Nobilis dagegen leicht zu spielen. Und es geht dort auch wohltuend locker zu.

Die als Etikette bezeichneten Regeln für sicheren und fairen Umgang auf dem Platz werden strikt eingehalten. Belehrungen von oben herab gibt’s nicht.

Auch der Golfmanager des „Robinson-Clubs Nobilis“, Dominik Kremper, entspricht so gar nicht dem Klischee des pomadigen Golfbeau. Der Österreicher ist an den kräftigen Oberarmen tätowiert und trägt eine knallrote Gürtelschnalle mit der Aufschrift „Golf-Punk“. Kein Wunder, dass die junge Urlauberin aus Bayern ihren Golf-Schnupperkurs „echt cool“ fand und nun die Platzreife-Prüfung anvisiert. „200 Gäste machen das pro Jahr bei uns“, sagt Kremper.

Der anspruchsvolle Sport ist vor allem Kopfsache, deshalb lernt und spielt er sich in der entspannten Urlaubsatmosphäre oft besser als zu Hause. „Lockerheit ist alles, auf Kraft kommt es gar nicht an“, sagt Elsa Honecker. Die Chefredakteurin des deutschen Fachmagazins „Discover Golf“ schätzt an Belek neben den vielen Plätzen auf engstem Raum vor allem eben diese entspannte Atmosphäre.

Im März und November herrscht in Belek Golf-Hochsaison, ansonsten geht es ruhiger zu. „Dann hat so eine Runde fast etwas von Meditation“, sagt ein Cluburlauber, der tagsüber zur Ruhe kommen, aber bis spät in die Nacht auch feiern möchte. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass ihm der überwiegend von deutschsprachigen Gästen besuchte Club kein exotisches Urlaubsflair bietet.

Golferische Exotik bietet zumindest der international gefeierte Kurs Lykia Links. Der im schottischen Stil angelegte Platz liegt direkt am Meer in den Dünen. „Unzählige Sandbunker, der Wind und lange Distanzen machen ihn zu einer echten Herausforderung“, sagt Alex Kramel von der österreichischen „Golf Revue“. Auch wenn es der Lykia Links gerade Freizeitgolfern wegen fehlender Infotafeln an den Abschlägen unnötigerweise schwermacht, ist er einen Ausflug wert.

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