Achtung Diebe! : Operación Crucero

In Barcelona setzen Straßendiebe Kreuzfahrern zu.

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Getrübtes Vergnügen. Barcelonas Hotspots ziehen neben Massen sorgloser Urlauber auch Straßendiebe an.
Getrübtes Vergnügen. Barcelonas Hotspots ziehen neben Massen sorgloser Urlauber auch Straßendiebe an.Foto: Rapomon

Die Plaza Real – einer der schönsten Plätze Barcelonas. Ringsum von altehrwürdigen Häusern mit Arkaden gesäumt, in der Mitte ein Brunnen, hier und da majestätische Palmen. Doch wird man Mühe haben, hier einen Einheimischen zu entdecken. Lokale, Brunnen, ja der ganze Platz ist im Sommer in der Regel in der Hand von Touristen, darunter auch zunehmend Kreuzfahrtgäste. Wie weite Teile der Altstadt und auch die Umgebung um Gaudís Sagrada Família. Das Vergnügen ist allerdings selten ungetrübt. Massen sorgloser Urlauber ziehen auch Diebe an.

Hotels, Restaurants, Bars und Strände in ganz Spanien sind wie in fast jeder Hochsaison gut besucht. Zum Teil in diesem Jahr sogar besser als im Vorjahr: Im Vergleich kamen allein in den ersten sechs Monaten 4,7 Prozent mehr ausländische Gäste. Und die sind auch noch ausgabefreudiger als sonst. Davon profitiert Katalonien am meisten. Dort sind die Touristenzahlen zweistellig gestiegen, insbesondere in Barcelona. Dort schweben nicht nur Besucher in Billigfliegern ein, sie kommen auch zunehmend auf dem Wasserweg. Bis zu 17 Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig liegen in der Hochsaison im Hafen von Barcelona vor Anker. An manchen Tagen gehen binnen weniger Stunden bis zu 40 000 Besucher von Bord, in diesem Jahr werden insgesamt mehr als 2,6 Millionen Kreuzfahrtgäste erwartet. Sie sind der Stadt hoch willkommen. Denn sie sehen sich nicht nur die Sagrada Família an, diese Klientel lässt in der Regel auch viel Geld in der Stadt.

Auf diese Zielgruppe haben sich nicht allein diverse Lokale spezialisiert, die die Eiligen schnell mit oftmals überteuerten Tapas abspeisen. Auch die Straßendiebe haben sie ins Visier genommen. 40 000 Kreuzfahrtpassagiere an einem Tag, das sind 40 000 potenzielle Opfer. Wenn die mit Bussen aus dem nahen Hafen kommen, am unteren Ende der Rambles abgesetzt werden und oft zunächst orientierungslos herumstehen, kommt plötzlich jemand auf dem Fahrrad vorbei und reißt ihnen die Handtasche vom Arm. „Das ist die übliche Methode“, erklärt der Polizeibeamte Duràn in der katalanischen Tageszeitung „La Vanguardia“.

Mit den Rädern seien sie schnell vom Tatort geflüchtet, während die Opfer kaum eine Chance haben, sie zu erreichen, wenn sie ihnen nacheilen. Manche Diebe machten aber auch den „Ronaldinho“. Sie tun so, als ob sie einem Fußball hinterherliefen, lenkten damit die Passanten ab und könnten sie umso besser bestehlen. „Wir haben eine gewisse Spezialisierung der Taschendiebe beobachtet. Aber wenn die Bösen sich spezialisieren, dann tun wir das auch“ , sagt Polizist Duràn.

Die Mossos d’Esquadra, die autonome katalanische Polizei, beantwortet die neue Gefährdung mit der sogenannten Operación Crucero, die Operation Kreuzfahrtschiff: Die Beamten postieren sich verstärkt – zum Teil auch selber als Touristen verkleidet – an den Stellen, wo die Passagiere ankommen. Wenn diese aus dem Bus steigen und zeitgleich verdächtig ausschauende Radfahrer auftauchen, läuten bei den Polizisten die Alarmglocken und sie versuchen, zu verhindern, was zu verhindern ist. Sind die ahnungslosen Barcelona- Besucher doch bestohlen worden, kann man ihnen nur wenig helfen. „Viele kommen nur für einen Tag oder ein Wochenende. Da haben sie keine Zeit, Anzeige zu erstatten. Und wenn sie es doch tun, dann bietet sich kaum die Gelegenheit, den möglicherweise gefassten Dieb zu identifizieren“, erklärt der Polizist Durán die teilweise Hilf- und Ratlosigkeit der Behörden.

Ob die Operación Crucero von großem Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten. Es kann vorerst nur darum gehen, so viele Gauner wie möglich abzuschrecken. Denn die sind schlecht fürs Geschäft mit den Touristen.

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