Ägypten Urlaub : Die Stille in den Hotels

Am Roten Meer sonnen sich wenige Urlauber. Coole Surfer und unerschrockene Briten machen in Ägypten Urlaub. Ein Besuch in Hurghada.

Uli Schulte-Döinghaus
Bunt dekoriert. Touristen, auch wenn sie Strandhotels gebucht haben, machen meist im Ägypten Urlaub einen Ausflug in die Wüste. Dort bieten Beduinenfrauen selbst gemachten Schmuck an. Sie warten vergeblich auf Käufer.
Bunt dekoriert. Touristen, auch wenn sie Strandhotels gebucht haben, machen meist im Ägypten Urlaub einen Ausflug in die Wüste....Foto: Philippe Body/Hoa-Qui/laif

Das Ehepaar in Reihe 12 der Boeing 737 nach Frankfurt am Main wäre ein vorzeigbarer Werbeträger für das Reiseland Ägypten. „Wir haben 14 perfekte Urlaubstage erlebt“, sagt er, Typ braun gebrannter Werkzeugmachermeister. Seine Frau nickt eifrig und zählt die Annehmlichkeiten der vergangenen beiden Wochen von ihrem Ägypten Urlaub in Hurghada am Roten Meer so gestikulierend auf, dass es an ihr nur so klimpert. „Nichts als Ruhe. Sonne. Wärme. Jederzeit unbelästigt. Breiter, sauberer Strand. Pools mit allem Pipapo. Sehr freundliche Leute im Hotel. All inclusive. 565 Euro alles in allem pro Nase.“ Der Preis sei ausschlaggebend gewesen, das Preis-Leistungs-Argument habe ihre anfänglichen Sorgen um die Sicherheitslage in Ägypten verdrängt. „Die Sorge war sowieso unberechtigt. Urlauber sind in und um Hurghada so sicher wie in Mallorca oder an der Ostsee“, ist er überzeugt.

Ohne Bedenken in den Ägypten Urlaub?

So friedlich und entspannt sind nicht alle Ägyptenurlauber. Ein Schmerbauch mit Stein im Ohrläppchen verflucht die „deutsche Scheißpresse“, die nichts als Erlogenes und Aufgebauschtes über die Urlaubsgebiete am Roten Meer verbreite. Dabei sei Hurghada weit weg von den unruhigen und unsicheren Zentren Ägyptens, er müsse es wissen. Sieben Monate im Jahr zieht sich der Pensionär mit seiner Gattin ins warme Ägypten zurück. Das Frühjahr und den Sommer verbringen sie zu Hause in Deutschland, heute sind sie wegen einer Familienfeier unterwegs.

Die Nachrichtenlage ist nämlich so: Mindestens noch bis Mitte November herrscht in Ägypten der Ausnahmezustand. Militär und Polizei können Zivilisten ziemlich willkürlich inhaftieren; in 14 Provinzen des Landes gibt es ein nächtliches Ausgangsverbot, wovon allerdings die Urlaubsgebiete auf der Festlandseite Ägyptens am Roten Meer (unter anderem Hurghada, Marsa Alam) ausgenommen sind.

Dergleichen setzt Kettenreaktionen und Automatismen in Gang. Offizielle Reaktion des bundesdeutschen Auswärtigen Amtes: „Aufgrund der aktuellen Lage und der Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen wird von Reisen nach Ägypten derzeit abgeraten.“ Das wiederum ließ die großen deutschen Fluglinien und Reiseveranstalter reagieren: Absagen und Stornierungen zum Teil bis Ende Oktober dieses Jahres, auch nach Hurghada (wohin normalerweise neun von zehn deutschen Ägyptenurlaubern fliegen).

Nur einige kleinere Fluglinien fliegen aktuell wieder Hurghada an, darunter die deutsch-türkische Airline SunExpress. Auch der Reiseveranstalter Dertour hat wieder Ägypten ins Programm genommen – und sich damit den Zorn der Branche und des Auswärtigen Amtes zugezogen. Aber nach wie vor kann eine Flugreise ans Rote Meer für deutsche Urlauber ganz schön aufwendig sein, weil es nur wenige Angebote gibt.

Manchmal sind elf und mehr Stunden notwendig, um dort anzukommen, wo bislang nur vier oder fünf Stunden von Haus zu Hotel gebraucht wurden. Nonstop-Flüge von und nach Berlin wurden eingestellt, wer über Frankfurt nach Hurghada gelangen will, muss am Main teuer übernachten. Umso größer ist in den Hotels vor Ort der Respekt vor den Deutschen, die dennoch kommen. Man dankt es ihnen mit überwältigender Freundlichkeit.

Ähnlich wie das offizielle Deutschland haben auch andere europäische Länder und Kundenmärkte reagiert; österreichische, Schweizer, niederländische, skandinavische Urlauber bleiben aus. Auch russische Urlauber, seit 10, 15 Jahren eine sichere Bank am Roten Meer, kommen nicht, weil der Kreml eine Reisewarnung ausgesprochen hat. Die russischen Gäste – sie führen in normalen Zeiten die Rangreihe der Besucherströme an – werden auch deshalb vermisst, weil sie es in den Souvenirshops und Geschenkeboutiquen gerne krachen lassen.

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