Afrika-Reisebericht : Fröhliches, trauriges Land

Quer durch Afrika: 14.000 Kilometer zu Fuß. Ein französisches Ehepaar lässt den Leser teilhaben an einer Reise voller facettenreicher Eindrücke durch einen heruntergewirtschafteten, tief verstörten Kontinent.

Franz Lerchenmüller

Am ersten Tag des dritten Jahrtausends brechen sie auf. Vom Kap der Guten Hoffnung am afrikanischen Grabenbruch entlang wollen sie Afrika durchqueren, einmal von Süden nach Norden – und jeden Meter davon zu Fuß. Nachts klopfen sie an irgendwelche Hütten oder bauen ihr Zelt auf. Drei Jahre und 14.000 Kilometer später kommen sie in Jerusalem an.

In diesem Buch beschreiben die Franzosen Sonia und Alexandre Poussain die ersten 7000 Kilometer, die auf dem Gipfel des Kilimandscharo enden. Schritt für Schritt, Blase um Blase erwandern sie sich Südafrika, Lesotho, Simbabwe, Malawi und Tansania. Sie studieren die großartigen Felsmalereien der San, lauschen den Chören der Basotho, schürfen Diamanten, angeln nach Tigerfischen und kosten „Kaviar vom Himmel“. Aber sie erkranken auch an Malaria, Tse-Tse-Fliegen nerven, Panik ergreift sie, als in Tansania die Spuren der Löwen immer mehr und immer frischer werden – immerhin fallen in diesen Tagen vier Menschen den Raubtieren zum Opfer. Und bei 53 Grad im Schatten lernen sie schließlich auch, was das wirklich ist: Durst.

Aber es geht den beiden nicht so sehr um Abenteuer oder die sportliche Leistung: Offen gehen sie auf Menschen zu und versuchen, sie und ihr Leben kennenzulernen. Sie treffen enteignete Farmer, die trotzdem nicht rassistisch sind, Jungs, die sich ihr Schulgeld mit Goldwaschen verdienen, Ärzte, die den Kampf gegen Aids schon fast verloren geben. Sie sprechen mit Morgan Tangvirai, der Hoffnung der Opposition in Simbabwe, mit aidskranken Künstlern, Missionaren und immer wieder Kindern, Kindern, Kindern. Sie hören von grauenhafter, sinnloser Gewalt – ohne dass ihnen selbst je etwas angetan würde. Und manchmal fühlen sie sich auch wie Diebe, angesichts der überströmenden Gastfreundschaft der Armen.

Es wird für sie eine Reise wider alle festgefügten Urteile. Und für den Leser ein facettenreicher Einblick in einen teils blühenden, teils heruntergewirtschafteten, tief verstörten Kontinent. Den Schlüssel zum Verständnis hatte ihnen einer ihrer Gastgeber geliefert: „Africa is a happy sad land“. Fröhlichkeit und Trauer – sie prägen auch dieses beeindruckende Buch.


Sonia und Alexandre Poussin: Afrika zu Fuß – Vom Kap der Guten Hoffnung zum Kilimandscharo. Verlag Delius Klasing 2007, 19,90 Euro

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