Afrika : Hier kochen die Frauen

Das marokkanische Restaurant „Al Ain“ im Royal Palm Hotel in Marrakesch.

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Zum Wohlfühlen. Das Restaurant ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet.
Zum Wohlfühlen. Das Restaurant ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet.Foto: promo

Marhaba! Willkommen im Reich der Frauen. In der fein wie ein Spitzenmuster geschnitzten Holztür steht Hasnar, die charmante Gastgeberin des Restaurants „Al Ain“. Sie ist eine von zwanzig Frauen, die im „Royal Palm Hotel“ am Rand von Marrakesch die einheimische Küche pflegen. Die Ladies im Hotel der „Beachcomber“-Gruppe haben Service und Kochtöpfe fest im Griff. Männer sind eher Randfiguren. Manchmal sieht man sie Kisten schleppen oder eine der Süßigkeiten in der Küche stibitzen. Chef de Cuisine im „Al Ain“ ist Meryam Diane.

Das Kochen sei schon immer ihre Passion gewesen, erzählt die 40-Jährige. In einem Land, in dem die Geschlechterrollen klar verteilt sind und patriarchalische Hierarchien herrschen, sorgen zu Hause die Frauen fürs leibliche Wohl. Die Töchter decken den Tisch. Rezepte werden von Generation zu Generation überliefert. In ländlichen Gegenden essen Frauen und Männer sogar oft noch in getrennten Räumen. Auch wenn König Mohamed VI. vor einigen Jahren die Gleichberechtigung beider Geschlechter festschrieb: Die Realität sieht oft anders aus.

Küchenchefinnen wie Meryam sind (noch) eine Seltenheit. Schon ihre Mutter und einige ihrer Tanten arbeiteten professionell als Köchinnen, unter Männern natürlich. Meryam richtete bereits vor 20 Jahren mit ihrer Schwiegermutter lukullische Events für wohlhabende Menschen aus. Nach Stationen in den Küchen von Luxushäusern in Marrakesch, Katar und Agadir war sie zuletzt Sous-Chefin im marokkanischen Restaurant des berühmten Hotels „La Mamounia“ in Marrakesch. Im „Royal Palm Hotel“ steht ihr die Kochmütze gut.

Die kleinen Sofas sind die mit türkisfarbener und goldener Seide bespannt

Al Ain ist Arabisch und heißt „die Quelle“. Das gleichnamige Restaurant ist nicht nur ein Serail der Köstlichkeiten. Es ist die Quelle aller marokkanischen Leckereien. Fast alle Gerichte sind von den Arabern und Berbern beeinflusst. Statt Schweinefleisch gibt es Lamm, Fisch oder Geflügel und jede Menge Gemüse und Früchte, die in den verschiedenen Landesteilen gedeihen. Allein Hunderte verschiedener Dattelsorten versüßen das Essen.

Der Majorelle-Garten in Marrakesch
Ein Blau wie im Jardin Majorelle in Marrakesch sieht man nicht oft.Weitere Bilder anzeigen
1 von 18Foto: Rolf Brockschmidt
25.12.2010 16:56Ein Blau wie im Jardin Majorelle in Marrakesch sieht man nicht oft.

Safran kommt aus der Atlasregion, Kreuzkümmel aus den Gärten von Meknès. Zahlreiche süße, scharfe und bittere Geschmäcker werden zur kulinarische Wunderwürzwaffe „Ras el Hanout“ komponiert. Ras el Hanout bedeutet Küchenchef.

Wir sitzen im „Al Ain“ unter kostbaren Holzdecken auf kleinen Sofas, die mit türkisfarbener und goldener Seide bespannt sind. In den winzigen Wand- und Bodenmosaiken spiegeln sich Kerzenschein und Kandelaber-Licht.

Aus der Küche kommt ein Reigen an Vorspeisen, marokkanischer Salat genannt: eingelegte Datteln mit Sesam, confierte süße Zwiebeln, scharfe Peperoni, gebratene Leber, Oliven, Möhren... Das Hauptgericht ist ein mit Mandeln, Rosinen und Birnen gespicktes gebratenes und glasiertes Lamm aus dem Ofen.

Wir lassen uns von Soumia zu einem Tänzchen unter Frauen überreden

Tanz, Gedichte und Gesang begleiten die abendliche Festlichkeit. Drei Männer in Kaftanen singen poetische Verse und spielen dazu auf der Rababah und der Ribab, einem Streichinstrument und einer Zupflaute. Wir fühlen uns beschwingt und lassen uns von Soumia zu einem Tänzchen unter Frauen überreden. An den Tisch kehren wir erst zurück, als die Orangenscheiben mit Zimt gereicht werden.

Naema, Bouchra, Fatna und viele mehr – sie verbreiten eine unvergleichliche Atmosphäre im „Al Ain“, in dem sich natürlich auch Männer sehr wohlfühlen können.

Meryam Diane, die sympathische Chefin, kocht auch zu Hause eher traditionell. Für das Internationale ist ihr Mann zuständig, der als Küchenchef in Agadir arbeitet. „Ich möchte mit meinem Team die traditionelle Küche unseres Landes voranbringen und ihre Geheimnisse mit unseren Gästen teilen“, erklärt die Köchin. Im „Royal Palm Hotel“ gibt es nämlich vier Restaurants. Aber im „Al Ain“ kochen die Frauen!

Royal Palm Hotel (sechs Sterne), am Fuße des Atlasgebirges in Marrakesch, DZ ab 561 Euro. Das Restaurant Al Ain ist täglich abends geöffnet. Dresscode: elegant

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