Reisetipp : Luxor: Der Mond der Pharaonen

Als uns der Hotelmanager nach diversen Salons, Restaurants und der holzgetäfelten Bar die Royal Suite im ersten Stock des Old Winter Palace in Luxor zeigt, meint er lächelnd: „Da wohnen Sie das nächste Mal!“ Zurzeit sind wohl vor allem französische Gäste, die es sich leisten können, ganz scharf darauf, hier im selben Bett zu schlafen, in dem kürzlich ihr Präsident und seine Carla beim weihnachtlichen Ägyptentrip genächtigt haben.

In unserem Fall ist die Sache mit der Royal Suite und ihrem Balkon zum Nil nur eine Ablenkung. Gleich öffnet sich am Ende desselben Flurs ein etwas kleineres Zimmer – das statt des Nils den Blick in einen schachtartigen Innenhof und auf die nächste Hauswand bietet. Wir kehren auf dem Absatz um, danken für die nette Führung durchs Hotel und bestehen, für 200 Euro die Nacht, auf unserem tatsächlich gebuchten Zimmer. Mit Blick in den palmenbestanden Park.

Das nämlich muss man wissen: Luxor in Mittelägypten ist mit seinen Tempeln, seinen Königsgräbern und dem Wechsel zwischen tropisch grünem Flusstal und der angrenzenden Wüste einer der sehenswertesten Plätze der Welt. Und Luxor lebt vom Tourismus, seit vor gut hundert Jahren die wohlhabenden Europäer und Amerikaner das Land der einstigen Pharaonen mit seinem trockenen, für Gelenke und Bronchien so heilsamen Klima als Winteroase entdeckt haben. Damals wurde für die ausländische Aristokratie und den König in Kairo auch der Old Winter Palace erbaut.

Neben dem Mena House an den Pyramiden von Giseh und dem ähnlich feudal-klassizistischen Old Cataract Hotel in Assuan ist der heute zur französischen Sofitel-Kette gehörende Winter Palace ein Klassiker jenes Ägyptentourismus, der spätestens mit Agatha Christies „Tod auf dem Nil“ und seinen diversen Verfilmungen populär geworden ist. Lady Agatha hat wie unzählige Kultur- und Politprominente auch im Winter Palace gewohnt.

Aber unser Beispiel zeigt, dass Luxor zugleich ein Zentrum jenes unablässigen Tricksens, Feilschens, Handelns ist, das vor der pompösen Eingangstreppe des berühmten Hotels nicht wirklich haltmacht. Das hat bisweilen seinen sportiven Reiz, wenn es nicht gerade ums teure, aber falsche Hotelzimmer geht.

Das richtige Zimmer geht im Old Winter Palace, der mit seinen Kronleuchtern, dicken Teppichen und im Bad ausgestreuten Rosenblättern noch eine Hauch Belle Epoque verströmt, tatsächlich nach hinten raus, zum erwähnten Park. Denn vorne, bei den Sarkozys, ist es nicht nur teurer, sondern auch sehr viel lauter. Luxors „Corniche“, die Hauptstraße am Nil, führt ziemlich direkt unter den Balkons der Prachtzimmer vorbei, der von Hupkonzerten und Dieselabgasen begleitete Verkehr ist beachtlich – und den Nil dahinter mit den sandfarbenen Wüstenbergen sieht man tagsüber schon genug, angefangen beim Frühstücksbuffet.

Der Blick von den Zimmern der Rückfront in den hoteleigenen Palmengarten (mit Swimmingpool) und die allenfalls von den Gebetsrufen des Muezzins unterbrochene Ruhe wirken da in jeder Hinsicht attraktiver. Allerdings muss man bei der Hotelbuchung – zum Beispiel über Tui – auf dem Old Palace bestehen, weil ein riesiger Betonanbau (der sogenannte New Winter Palace) keinerlei Charme besitzt; er gleicht nur den vielen gesichtslos modernen Großhotels an der zum Teil bereits verunstalteten Nilfront Luxors.

Nun gibt es seit kurzem noch eine ganz andere, für mußevolle Touristen sogar noch größere Hotelattraktion. Davon gleich mehr. Aber für den Anfang muss es schon der Lage und Legende wegen der Old Winter Palace sein. Nur ein paar Schritte sind es zu dem wunderbaren, in viertausend Jahren immer wieder umgebauten, erweiterten, restaurierten und später sogar mit einer Moschee versehenen Luxor-Tempel. Ein Tipp: Weil gut bewacht und in der Stadt gelegen, ist das Gelände auch abends (im Winter bis 21 Uhr) geöffnet und daher ohne Hitze im stimmungsvollen Scheinwerferlicht plus Mond und Sternen zu besichtigen.

Zehn Gehminuten entfernt, folgt das erstklassige, im Vergleich zum Ägyptischen Museum in Kairo sehr überschaubare Luxor-Museum, und fünf Taximinuten weiter am Ortsrand liegt die einzigartige, trotz aller Monumentalität mit tausend raffinierten Details, einem heiligen See und schönen Reliefs beeindruckende Anlage des Tempels von Karnak. Das sind die kulturellen Highlights in nächster Nähe. Und schräg gegenüber vom Winter Palace finden sich die Anlegestellen der Boote, die auf die andere, westliche Seite des Nils übersetzen.

Von da geht es für den Individualreisenden mit einem der hier wartenden Taxis durch vergleichsweise noch archaische Bauerndörfer etwa zehn Kilometer entfernt zu den am Wüsten- und Gebirgsrand gelegenen Tälern der Könige und der Königinnen sowie, neben anderen archäologischen Attraktionen, zum spektakulären Felsentempel der Königin Hatschepsut. Vor allem im Tal der Könige – gemeint ist: das Tal der Pharaonengräber – lockt seit dem vergangenen Herbst als Publikumsmagnet die dort erstmals ausgestellte Mumie des umschwärmten, jung gestorbenen Pharaos Tutanchamun.

Luxor hieß in der pharaonischen Zeit Theben, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort Altgriechenlands. Das Gebiet auf der anderen Nilseite heißt darum Theben West. Für die auch nur halbwegs wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Gebiet von West-Theben sollte man wenigstens zwei Tage einrechnen. Hierzu für den Ägypten- und Luxor-Anfänger, der nicht so gerne vorbestimmt in der Gruppe reist, noch ein paar Tipps: Starten Sie die Ausflüge am frühen Morgen, denn ab zehn Uhr überziehen die Busladungen der zum Teil auch von den Küstenbadeorten des Roten Meers herbeiströmenden Pauschaltouristen die archäologischen Stätten. Nehmen Sie außer einem Reiseführer – etwa dem Lonely Planet „Ägypten“ – und der Wasserflasche eine leichte Kopfbedeckung mit, auch an den nur 25 bis 30 Grad heißen Wintertagen. In den Wüstenorten gibt es außerhalb der Felsengräber und einem Tagesrestaurant beim Hatschepsut-Tempel kaum Schatten.

Schon an der Uferanlegestelle vorm Hotel warten die Fahrer und Händler, die Sie, wenn Sie als Deutsche erkannt sind, oft mit einem strahlenden „Alles klar, Mensch Meier!“ begrüßen und erstaunlich oft in irgendeiner Kombination den Namen Ali tragen. Unser Lieblingsfahrer nannte sich „Ali Ferrari“. Am besten bucht man ein Boot (vom Neffen oder Freund Alis) und dann einen Wagen für etwa sechs Stunden, handelt einen Gesamtpreis aus von maximal 200 ägyptischen Pfund (= 25 Euro), der erst am Ende bezahlt wird. Dann kann man sich sicher sein, dass der Fahrer später am verabredeten Ort steht. Auf eine Begleitung innerhalb der Ausgrabungsstätten, für die man bei zahllosen Ticketschaltern reichlich ägyptisches Geld parat haben muss, haben wir verzichtet. Das nervt, wenn es kein wirklicher Kunsthistoriker ist.

Muss es Tutanchamun sein? Obwohl die Schlangen vor der sonst kahlen Grabkammer lang sind (ihre erstaunlichen Schätze sind alle im Ägyptischen Museum in Kairo), rührt der schöne, schmale Totenkopf im Glassarg. Manche halten seine Zurschaustellung für einen Skandal. Aber über die viel gruseligere Mumienabteilung im Kairoer Museum, wo seit Jahrzehnten etwa 30 andere Pharaos und Pharaoninnen zu sehen sind, streitet merkwürdigerweise niemand.

Noch zwei Tipps: Eines der großartigsten, zauberhaft ausgemalten Gräber ist das von Ramses VI., es kostet Extraeintritt wie beim Tut, wird aber wenig besucht – ein Ort zum fast exklusiven Staunen über den in der Kunstgeschichte der Welt seit den Pyramiden und diesen (etwas späteren) Gräbern nie übertroffenen Einspruch des Menschen gegen die eigene Sterblichkeit. Und der tollste Trip: Sie erklimmen gen Süden den steilen Hügel gegenüber dem Grab Tutanchamuns, machen eine Serpentinenwanderung durch die fantastische gelbrotgoldene Wüstenfelslandschaft bis zum etwa 300 Meter höher gelegenen Bergkamm über dem Tal der Könige und blicken hinab auf den halb ins Gebirge gehauenen riesigen Tempel der Pharaonin Hatschepsut.

Dort werden Sie auch auf Außenwänden noch dreieinhalbtausend Jahre alte Farbfresken sehen – nach einem knapp halbstündigen Abstieg, der problemlos mit festeren Turnschuhen möglich ist. Wir hatten uns morgens zum Tal der Könige fahren und dann am Parkplatz des Hatschepsut-Tempels wieder abholen lassen. Ein Traumtag, ohne Kitsch gesagt.

Ein anderer Traum, fürs nächste Mal, ist das etwa sieben Kilometer von hier gelegene Hotel Al Moudira. Eine gebürtige Libanesin hat mitten in die Wüste vor einigen Jahren eine Wasserleitung graben lassen, hat so eine künstliche Oase angelegt und dort mit Steinen, Möbeln, Antiquitäten aus dem ganzen arabisch-mittelmeerischen Raum ihr Idealhotel bauen lassen. 54 Doppelzimmer in einzelnen, im Garten verstreuten Häusern, mit je eigenem Patio, jeder Raum verschieden gestaltet, mit maurischen Bögen, satten Farben, manchmal mit einem orientalischen Brunnen inmitten des Zimmers, alles von großem Geschmack; dazu ein Swimmingpool, eine Tagesbar und ein elegant-legeres Innenhof-Restaurant: für 180 Euro das Doppelzimmer und 30 Euro pro Person Halbpension. Kenner schwärmen, das Al Moudira sei gar das schönste Hotel Afrikas.

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