Reise : Alle Wünsche im Koffer

Im Urlaub wollen Menschen ihre Träume leben – und bleiben bodenständig

Gerd W. Seidemann
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Vom Reisen träumen viele Menschen. Ein Grund, warum die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin nicht nur die Leitmesse für die Branche, sondern auch ein Publikumsmagnet ist. Bei einem Bummel durch die Messehallen kann man sich informieren – und träumen. Doch wie so oft im Leben: Traum und Wirklichkeit treffen sich selten. So schmieden auch die Deutschen in der Regel Ferienpläne, die nicht ihren Träumen entsprechen. Dies belegen die Ergebnisse einer Studie von Expedia.de und dem Marktforschungsinstitut TNS Infratest, die aus Anlass der ITB erstellt wurde.

Das Bild vom Faulenzer-Strandurlaub als perfekte Reise entpuppt sich als Legende. In Gedanken verliert er seinen Reiz zugunsten von Erlebnissen in der Natur und dem Kennenlernen von Land und Leuten. Mit Blick auf verschiedene Altersgruppen zeigen sich auch bei der Frage nach der idealen Reisebegleitung Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die Heimatliebe der Bundesbürger bleibt hingegen ungebrochen beziehungsweise Deutschland wird von vielen gerade erst entdeckt – und so rangiert Deutschland bei den „Traumurlaubszielen“ immerhin auf Platz drei.

Die Gegenüberstellung von tatsächlichen Reiseplänen der Deutschen und Gedankenspielen basiert auf einer im Januar erfolgten repräsentativen Bevölkerungsumfrage von TNS Infratest unter rund 1000 Personen ab 14 Jahren.

FERNWEH VERSUS HEIMATLIEBE

Das Reisefieber hat in diesem Jahr bereits 62 Prozent der Befragten gepackt. Das heißt: Sie planen, mindestens ein Mal für zwei bis drei Wochen (65 Prozent) zu verreisen. Ein starkes Fernweh verspüren besonders die 30- bis 49-Jährigen. Die meisten Urlaube führen nach Europa (86 Prozent). Deutschland übernimmt hier die Spitzenposition mit großem Abstand vor den Sommerklassikern Spanien und Italien. Allerdings ist der Trend der Deutschen zum Urlaub in den eigenen Grenzen nicht allein auf die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise zurückzuführen, wie die Betrachtung der „Traumziele“ zeigt. Hier wird die „Destination Deutschland“ lediglich von den USA und Australien überholt. Unter den zehn beliebtesten Sehnsuchtszielen liegen sieben in der Ferne: Neben den USA und Australien sind das die Karibik, die Malediven, Kanada, Neuseeland und Ägypten. Erwartungsgemäß sind die „Traumreisen“ länger als der „echte“ Urlaub: 48 Prozent der Befragten denken an eine Auszeit von einem Monat und mehr.

GESUCHT: DER PERFEKTE REISEPARTNER Heimliche Beziehungs- und Lebenswünsche offenbaren sich bei der Betrachtung der ersehnten Reisepartner. So träumen 31 Prozent der Jugendlichen unter 20 Jahren davon, mit Partner oder Partnerin wegzufahren. Tatsächlich planen es jedoch nur zwei Prozent. Der Wunsch nach einer Reise mit Familie ist bei den 20- bis 29-Jährigen besonders ausgeprägt. Doch lediglich zwölf Prozent sind in diesem Jahr mit Partner und Kind unterwegs, obwohl sich das doppelt so viele wünschen. Einen Urlaub zu zweit vermissen vor allem die 30- bis 49-Jährigen (45 Prozent). Insgesamt sind die 40- bis 59-Jährigen mit ihrem Reisebegleiter am zufriedensten.

MYTHOS STRANDURLAUB

Die Umfrage räumt mit der Vorstellung auf, dass Sonne und Strand für den perfekten Urlaub stehen. Vielmehr verliert diese Reiseart besonders bei den 20- bis 39-Jährigen stark an Attraktivität und sinkt von real 43 Prozent auf 29 Prozent in der Wunschvorstellung. Kaum eine Überraschung: Tendenziell genießen Frauen das Strandleben mehr als Männer. Städtereisende sind im wahren Leben Personen bis 29 und ab 60 Jahre – im „Traumurlaub“ zeigen daran auch die 30- bis 39-Jährigen ein gesteigertes Interesse. Dabei ist das kulturelle Erlebnis wichtiger als etwa der Einkaufsbummel.

In einem sind sich alle Deutschen wieder einig: Sauber, sicher und harmonisch muss es im Urlaub sein. Sprachprobleme fürchtet dagegen fast jeder fünfte Befragte, erstaunlicherweise auch die Jüngeren, die – ebenfalls verblüffend – vor allem Sehnsucht nach purem Luxus haben.

HÜRDENLAUF ZUM „TRAUMURLAUB“

Die größten Stolpersteine auf dem Weg zur idealen Reise sind: Urlaubsbudget (67 Prozent), Zeitmangel (26 Prozent) und Job (16 Prozent). Jedoch gibt es hier Differenzen in den einzelnen Lebensphasen: Überdurchschnittlich häufig fehlt den Befragten bis 29 Jahre ausreichend Zeit für ihre Wunschreise. Die 30- bis 39-Jährigen fühlen sich durch die hohe Arbeitsbelastung eingeschränkt (32 Prozent) und die älteren Urlauber ab 60 Jahre hindern Krankheiten und andere persönliche Einschränkungen (27 Prozent).

Die Tourismusbörse beginnt am kommenden Mittwoch, ist jedoch an den ersten drei Tagen den Fachbesuchern vorbehalten. Für das allgemeine Publikum, das sich über die neuesten Trends und spezielle Reiseziele informieren möchte, bleibt am Sonnabend und Sonntag (14. und 15. März) zwischen 10 und 18 Uhr Gelegenheit. Der Eintritt kostet 14 Euro, im Online-Vorverkauf 12 Euro.

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