Reise : Alles wird Gold

Morgen beginnt in Garmisch-Partenkirchen die Ski-Weltmeisterschaft. Der Ort hat sich längst fein gemacht

Bernhard Krieger
Oberbayerische Gaudi. Ein mit Heu beladener Hornschlitten saust die Skipiste in Garmisch-Partenkirchen hinunter. Foto: Hildenbrand/dpa
Oberbayerische Gaudi. Ein mit Heu beladener Hornschlitten saust die Skipiste in Garmisch-Partenkirchen hinunter. Foto:...Foto: picture alliance / dpa

Deutschlands vielleicht berühmtester Wintersportort ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Pünktlich zur alpinen Ski-Weltmeisterschaft vom 7. bis 20. Februar hat sich das leicht angestaubte Garmisch-Partenkirchen herausgeputzt. Am Fuß der 2962 Meter hohen Zugspitze weht ein frischer Wind durch das Werdenfelser Land.

Im sogenannten „Classic“-Skigebiet wurden teilweise schon nostalgisch anmutende Lifte modernisiert, die Zugspitze mit moderner Gastronomie und Iglu-Hoteldorf aufgepeppt. Und im Ort wurde mit der kühn konstruierten neuen Schanze für das Neujahrs-Skispringen ein modernes Wahrzeichen geschaffen. „Es ist neuer Schwung in den Ort gekommen“, sagt auch der Partenkirchener Skiweltcupläufer Felix Neureuther.

Der Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther träumt schon vom Slalom-WM-Titel auf dem Gudiberg gleich neben der Skisprungschanze. Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch hofft auf Gold in der Abfahrt und ihre Schwester Susanne auf eine Medaille im Slalom. Dass gleich drei Einheimische zu den Titelanwärtern zählen, steigert das WM- Fieber in der Gemeinde noch.

Annähernd alle Geschäfte in der Garmischer Fußgängerzone sind mit Ski, Rennanzügen und Torflaggen dekoriert. Und aus dem Schaufenster eines Sportgeschäfts beim WM-Pavillon strahlt Felix Neureuther von einem überlebensgroßen Foto, als habe er schon gesiegt.

Garmisch-Partenkirchen hat auf jeden Fall schon gewonnen. „Jetzt können wir der ganzen Welt zeigen, was sich bei uns alles getan hat“, sagt Bürgermeister Thomas Schmid. Die Olympischen Winterspiele hatten die Marktgemeinde 1936 international bekannt gemacht. 1978 brachte die erste Ski-WM im Ort den zweiten Schub. Nun wollen sich die Bayern als „Premium-Skireiseziel“ in den Alpen präsentieren, wie Tourismusdirektor Peter Ries betont.

27 Millionen Euro wurden allein ins „Classic“-Skigebiet investiert. Beschneiungsanlagen sichern jetzt bis ins Frühjahr die Befahrbarkeit der fünf Talabfahrten in den gut 700 Meter hoch gelegenen Ort. Und dank der modernisierten Lifte kommt man rund um Kreuzeck und den Hausberg nun auch flott bergauf. Bergab ging es in Garmisch-Partenkirchen immer schon schnell. Vor allem auf der legendären Kandahar-Abfahrt mit bis zu 90 Prozent Gefälle im berüchtigten Abschnitt „Freier Fall“. Während der Slalom-Hang am Gudiberg für die WM und Weltcuprennen reserviert ist, kann sich auf der 3700 Meter langen Kandahar jeder versuchen.

40 Kilometer Piste im „Classic“-Gebiet und 22 auf der von November bis Mai schneesicheren Zugspitze reichen locker. Andere Ski-Arenen mögen mit hunderten Pistenkilometern protzen, Garmisch-Partenkirchen setzt auf Klasse statt Masse, günstige Preise und Bodenständigkeit.

In der Bayernhaus-Hütte geht es auf dem Hausberg so urig zu wie eh und je. Und statt Hotelburgen und Nobelboutiquen prägen kleine Geschäfte und Bauernhäuser mit der berühmten „Lüftlmalerei“ an den Fassaden den Ort.

Die Gemeinde hat sich nie für den Tourismus verbogen – auf drei Einheimische kommt nur ein Gast. „Deshalb fallen wir nach der Hauptsaison auch nicht in eine Starre wie manch anderer Ferienort“, sagt Tourismusdirektor Ries. Die Garmisch- Partenkirchener pflegen ihre Tradition und die Rivalität zwischen den Ortsteilen. Auf Druck der Nazis waren Garmisch und Partenkirchen 1935 verschmolzen worden. Bis heute hat jeder Ortsteil aber seine eigenen Kirchen, seinen eigenen Fußball- und Ski-Club und auch sein eigenes Bauerntheater. Das im Wirtshaus Zum Rassen auftretende Partenkirchener Ensemble sei sogar das älteste in ganz Bayern, betonen die Partenkirchener stolz.

Heute gibt Garmisch wirtschaftlich den Ton an, früher hatte Partenkirchen die Nase vorn. Während sich die Nachbarn als Flößer für Hungerlöhne verdingen mussten, kassierten die Partenkirchener saftige Wegzölle. Eine der großen Handelsrouten führte über ihre Ludwigstraße. Sie hat ihren dörflichen Charakter bis heute bewahrt, während Garmisch mittlerweile eher kleinstädtisch wirkt.

Wer von einem verwunschenen Alpendörfchen träumt, ist deshalb in dem weiten Talkessel zwischen Loisach und Partnach im Schatten der Zugspitze fehl am Platz. Die langjährige Wahlheimat des Komponisten Richard Strauss zieht Winterurlauber an, die mehr wollen als nur Ski fahren oder auf den Langlaufloipen ihre Bahnen ziehen. Ein Muss für viele Wintergäste sind eine Wanderung durch die mit meterhohen Eiszapfen überzogene Partnachklamm und eine Rodelpartie auf der Partnachalm-Strecke.

Ein Problem hat Garmisch allerdings: Erhält München den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018, sollen in der Gemeinde die alpinen Wettbewerbe ausgetragen werden. Darüber gibt’s Streit. Längst nicht alle im Ort sind dafür. Umweltschützer nicht und auch manch anderer fürchtet, dass „die Identität unserer Heimat“ verloren geht.

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