Asien : Das verflogene Lächeln

Bombay und Bangkok – für viele ein Schock. Asien wird trotzdem gebucht, glauben Veranstalter.

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Nach wie vor ein Traumziel - das Mausoleum Taj Mahal in Indien hat nichts von seiner Faszination eingebüßt. -Foto: dpa

Es kommt vieles zusammen: China hatte wegen der „Tibetkrise“ ein schlechtes Jahr. Auch Birma hat als Reiseziel nach dem brutalen Vorgehen der Regierung gegen demonstrierende Mönche und dem verheerenden Wirbelsturm vom vergangenen Frühjahr erheblich an Bedeutung verloren. Die Demonstranten in Bangkok hatten nun nicht nur den Flughafen lahmgelegt, sondern auch vielen deutschen Touristen den Spaß am Thailandurlaub verdorben. Und die Attentäter von Bombay ließen bei vielen Deutschen Zweifel aufkommen, ob der Subkontinent sicher zu bereisen ist. Asien hatte schon bessere Zeiten. Langfristig jedoch bleibt der Kontinent nach Ansicht von Tourismusexperten gefragt.

 In den vergangenen Jahren sind die Asienkataloge der deutschen Veranstalter immer dicker geworden. Die Buchungszahlen gingen scheinbar unaufhaltsam nach oben. Doch die West-Ost-Bewegung, die Touristiker noch im vergangenen Jahr diagnostizierten, gibt es so nicht mehr: Für 2009 gelten im Gegenteil die USA als potenzielle Gewinner im Reisemarkt – das Motto heißt erneut: „Go west!“ Die aktuellen Entwicklungen in Thailand und Indien könnten den Trend noch verstärken: „Für beide wird 2009 ein Problemjahr“, sagt Ury Steinweg, Gebeco-Geschäftsführer in Kiel.

Das positive Bild vieler Europäer von Asien hat einige Kratzer bekommen: „Gerade der Konflikt in Thailand war für viele ein kleiner Schock“, sagt Torsten Kirstges, Tourismuswissenschaftler von der Hochschule in Wilhelmshaven. „Das hat das Image des sanften, friedlichen Thailands zerstört. Thailand galt als Land des Lächelns, aber das Lächeln ist verflogen.“ Denn anders als der Tsunami, der 2004 Thailands Küsten verwüstete, sei der politische Konflikt keine Naturkatastrophe: „Da sind die negativen Auswirkungen nachhaltiger.“    Weil viele bereits jetzt die nächste Reise zu Ostern buchten, sei für Thailand mit einem deutlichen Buchungsminus zu rechnen. „Es wird sicher einige geben, die wegen der schlechten Nachrichten nicht reisen wollen“, sagt auch Anke Frese, Sprecherin von Dertour und Meier’s Weltreisen. Tui sieht das ähnlich: Für die ersten Monate seien in 2009 Rückgänge zu erwarten, sagt Unternehmenssprecher Mario Köpers.

„Wer eine Fernreise plant, wird sicher auch nach Alternativen zu Thailand schauen.“ Vorausgesetzt, der politische Konflikt entspanne sich dauerhaft, sei jedoch davon auszugehen, dass die Touristenzahlen noch im Laufe des kommenden Jahres wieder ihr altes Niveau erreichen. „Ende 2009 ist davon dann nichts mehr zu spüren“, glaubt auch Kirstges.

Nachhaltige Einbrüche im Thailand- Tourismus erwartet der Deutsche Reiseverband (DRV) nicht: „Thailand hat viele Stammgäste“, sagt Sprecher Torsten Schäfer in Berlin. „Die können zwischen Bangkok und Phuket unterscheiden.“ Die politischen Proteste in der thailändischen Hauptstadt seien schließlich ohne Auswirkungen auf die Strandziele wie Phuket, Krabi oder Ko Samui. „Wenn in Sylt eine Düne abbricht, gibt es ja auch keinen Grund, nicht nach München zu fahren.“

Studiosus Reisen in München hat allerdings bereits die ersten Stornierungen für seine nächste Thailandreise in der Woche vor Weihnachten bekommen. „Neue Buchungen gibt es im Augenblick nicht“, sagt Geschäftsführer Peter-Mario Kubsch. Wer sich für eine Thailand-Studienreise interessiert, die auch nach Bangkok geht, der warte erst einmal ab. „Den Phuket-Touristen, der zwei Wochen an den Strand will, stört das alles weniger.“    

Indien ist anders als Thailand für deutsche Touristen nicht eben erste Liga der Urlaubsländer – und Bombay schon gar nicht. Meier’s Weltreisen beispielsweise hat nur drei Partnerhotels in der Stadt, Dertour zwei. Die Zahl der deutschen Urlauber, die sich während der Anschläge Ende November in der indischen Metropole aufhielten, war überschaubar. „Bombay ist kein Badeziel“, sagt Schäfer. Der Anteil der Pauschalreisenden unter den Gästen dort sei verschwindend. Dass die Anschläge deutsche Touristen davon abhalten, nach Indien oder in andere asiatische Länder zu fliegen, glaubt der DRV- Sprecher nicht.

Bei Gebeco seien die Vorbuchungszahlen für Indien 2009 spürbar geringer als im Vorjahr – Indien ist nach Vietnam das zweitwichtigste Reiseziel des Veranstalters in Asien. Steinweg rechnet für beide Länder mit erheblich weniger Buchungen in den kommenden Monaten. „Über die Fernreisen im kommenden Jahr wird jetzt entschieden.“

Den Kontinent abzuschreiben wäre allerdings voreilig: „Auf lange Sicht bleibt Asien ein Wachstumsmarkt“, sagt Tui- Sprecher Köpers. Ohnehin sei es grob fahrlässig, alle asiatischen Länder über einen Kamm zu scheren. Studiosus-Geschäftsführer Kubsch bewertet das ähnlich. Indonesien und Vietnam etwa verzeichneten deutliche Zuwächse. „Und das wird auch so bleiben“, ist er überzeugt.

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