Chinatagebuch 9 : So schmeckt das echte China

Zwischen Tai Chi und spektakulären Essgewohnheiten: Unsere Reiseautorin reist weiter in den Süden Chinas.

Christina Franzisket
Gecko am Spieß.
Gecko am Spieß.Foto: Christina Franzisket

Guangzhou, wieder eine Stadt mit Hochhäusern, blinkenden Einkaufsmeilen, weitläufigen Parks und Baustellen soweit das Auge reicht. Das Klima ist tropisch, 37 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Guangzhou ist Hauptstadt der Kanton-Provinz, liegt am Perlfluss und ist Industrie und Exportstadt.

Langsam, mit voller Körperspannung bewegen sich vier alte Chinesinnen im Schatten. Konzentriert führen sie Arme und Beine in die gleiche Richtung. Das Schwert in der Hand schwingt mit, sticht in die Luft. Tai Chi in den Morgenstunden ist sehr beliebt bei den Chinesen. Auf unserem Spaziergang durch den Park von Guangzhou sehen wir viele Menschen diese langsame und kraftvolle Sportart ausüben. Allein und versteckt inmitten des tropischen Grün oder in Gruppen mit Zuschauern.

Die Chinesen sehen hier anders aus als etwa in Peking. Ihre Haut ist braun und ihre Gesichter anders geformt. Etwas weniger rund, die Wangenknochen wirken markanter. Hier im Süden Chinas sind die Essgewohnheiten noch spektakulärer: Auf einem Markt entdecken wir getrocknete Tausendfüßler, Schlangen steif wie Stöcke, gepresste Echsen und lebendige Skorpione. Ling erklärt uns, dass diese Tiere und Insekten als Medizin und als Gewürz in Gerichten gebraucht werden.

Am Abend schlendern wir durch die Einkaufsmeile von Guangzhou und besuchen ein kantonesisches Restaurant. Was hier auf den Tisch kommt, lässt uns alle unsere Langnasen rümpfen. Die typischen Dim Sums, kleine gefüllte Teigtaschen probieren wir noch mutig. Der undefinierbare Inhalt schmeckt interessant, leicht fischig. Die Kantonküche ist nicht scharf und wenig gewürzt. Wir bekommen eine Schale voller Nudeln, die nach Schweißfüßen riecht, sowie fünf Bambusschalen mit Knochen und Fleisch, dass nicht zu kauen ist. "Das ist echtes kantonesisches Frühstück", strahlt unsere lokale Reiseleitung. Ling, die unsere westlichen Essgewohnheiten kennt, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Wir wollten es ja wissen, wie es schmeckt, das echte China.

Ein Bund Tausendfüßler, bitte.
Ein Bund Tausendfüßler, bitte.Foto: Christina Franzisket

Von Guangzhou aus brauchen wir mit dem Zug nur noch zwei Stunden bis nach Hongkong, unserer letzten Station. Hongkong ist seit 1997 eine Sonderwirtschaftszone, mit eigener Währung und eigenen Regeln. Wir müssen aus China ausreisen.

Der Abschied von Ling fällt uns allen sehr schwer. Sie darf nicht mitkommen, bräuchte ein Visum für Hongkong, das bekäme sie nicht so einfach.

Sie umarmt uns alle einzeln und macht sich auf ihren Heimweg. 21 Stunden Zugfahrt zurück nach Peking.

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