Reise-Tagebuch: China per Bahn live (1) : Ankunft in Peking: Warten auf den himmlischen Frieden

Christina Franzisket ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch China unterwegs. Was sie auf ihrer Fahrt von Peking nach Hong Kong erlebt, beschreibt sie in ihrem Reise-Tagebuch.

Christina Franzisket
Größer geht's nicht. Der Platz des Himmlischen Friedens in Peking.
Größer geht's nicht. Der Platz des Himmlischen Friedens in Peking.Fotos: Christina Franzisket

13. Mai: Ich mache mich auf den Weg mit "Marco Polo" und 16 Mitreisenden um 19 Tage mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch China zu fahren. Die Reise führt von Peking über Shanghai nach Hong Kong. Brav laufe ich mit anderen Langnasen hinter einem Chinesen her, der eine gelbe Fahne hochhält. "Marco Polo – China unpluggend" ruft er unentwegt, damit wir, die Touristen, auch ja nicht in der Mega-City Peking verloren gehen. Da sein Gebrüll uns schon weit voraus ankündigt, sind wir die Hauptattraktion auf unserem Weg zum Hotel.

Einheimische schauen, drehen sich um, sogar Bauarbeiter halten für einen Moment lang inne um uns zu bestaunen: "Aliens" - so hießen wir jedenfalls auf dem Einreiseschein. Auf der Rückseite ein paar Tipps, wie "Aliens" sich in China am besten verhalten. Die wichtigste Regel ist, niemals sein Gesicht zu verlieren. Das fällt mir nach insgesamt 19 Stunden Anreise, einer durchwachten Nacht im Flugzeugsitz und den etwa 30 Grad in der Sonne nicht sehr leicht. Am liebsten möchte ich herumquengeln, möchte duschen und ins Bett, doch unser Guide Lu scheucht uns durch Peking.

Beliebtes Motiv: Das Stadttor von Peking.
Beliebtes Motiv: Das Stadttor von Peking.

In China sind wir "Aliens"

Mit der U-Bahn durch die Rush Hour zum Platz des Himmlischen Friedens. Eine meine Mitreisenden quält der Hunger, doch ein Essen passt ebenso nicht in den Zeitplan wie mein Mittagsschläfchen. Durchhalten, Gesicht wahren. Immerhin spricht Lu fantastisch Deutsch und erklärt alles Wissenswerte zum größten Platz der Welt. Dort werden wir empfangen wie Popstars. Tuschelnd laufen junge Chinesen an unserer Gruppe vorbei, schießen Bilder aus der Ferne. Ein Mutiger tippt mir sogar auf die Schulter und möchte mit mir zusammen ein Foto machen und wenn möglich einmal meine blonden Haare anfassen.

Am Abend führt Lu uns in ein Restaurant, deutet auf das WC und sagt: "Das ist der Saal der Harmonie, hier könnt ihr euch liberalisieren." Zu essen gibt es verschiedene Fleischgerichte auf einer riesigen drehbaren Glasplatte. So kann jeder mit den "öffentlichen Löffeln" von den Speisen auf seinen Teller schaufeln. Unser Hotel ist eines hunderter Hochhäuser Pekings und erst vor kurzem, wie fast alle Wolkenkratzer, erbaut worden. Mein Zimmer, besonders das Bad, erinnert mich ein bisschen an eine Raumfahrtkapsel. Aber das Bett ist groß, sauber, weiß und weich. Und jetzt ruhe ich in himmlischen Frieden.

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